Infoblatt Nr. 20 - Dezember 2004

Jubiläumsausgabe (Teil 2)

Inhalt (Auszug)

Sybille Schmidt: Liebe Mitglieder und Freunde des Freundeskreises Marly

Termine

Jérôme Verdin, ein junger Stadtrat aus Marly berichtet

Unsere Mitglieder berichten

Jörg Allkämper: Eine persönliche Liebeserklärung an Marly-le-Roi oder eine Reise in die Vergangenheit

Karl Reul:. 40 Jahre Partnerschaft mit Marly-le-Roi

Basillisse Pflüger und Hartmut Schmidt: Der Festabend

Renate Sander: Ein Veranstaltungsprogramm par excellence

Hermann Brandl: Die Bahnfahrt

Hermann Brandl: Die Reise in den Harz

Sybille Schmidt: Rund um's Deutsche Eck

Wicze Braun und Wolfgang Brudes: "Lesezeichen im SinnesWald" zum Thema Freundschaft

 


Ich weiß nicht was soll es bedeuten

Treiben
Die Birne
Gedanken
Der Stein
Zum Baum
Glück
Geht
Von der Sonne
Skulptur
Ludwig
Welt
Sprache
Und nicht
Sprechen
Fragmente
Fragen
Die Zeit
Musikfetzen
Hören
Geschlossen der Mund
Die Zeit Die Zeit Immer Wieder Die Zeit
Am Ohr
Historie Gestern
Chaos Heute
Heute? Heute Ist Morgen Schon Gestern
Zukunft
Kinder

 

Berthold Welter

In eigener Sache:


Liebe Mitglieder und Freunde des Freundeskreises Marly,

unser Jubiläumsjahr neigt sich dem Ende zu. Dieses "Französische Jahr" stand ganz im Zeichen der 40jährigen Freundschaft mit unserer Partnerstadt Marly-le-Roi. Die verschiedenen Aktivitäten waren darauf abgestimmt, alle Leichlinger an diesem Jubiläum teilhaben zu lassen.
Das Marly-Team hat bereits im Juni 2002 mit der Ideenfindung für dieses Jubiläumsjahr begonnen und nach vielen gemeinsamen Beratungen mit großem Engagement die Pläne in die Tat umgesetzt. Dabei wurden wir ideell und finanziell von Bürgermeister Ernst Müller unterstützt sowie von Heidrun Glage, die im Rathaus u.a. für die Städtepartnerschaften verantwortlich ist.
Die Aktivitäten hatten verschiedene Schwerpunkte:
" Künstlerische Angebote:
¢ Wicze Braun und Wolfgang Brudes stifteten als Ideenträger einen Stein, aus dem Berthold Welter aus Leichlingen und Josef Visy aus Marly in einem einwöchigen Workshop die eindrucksvolle Skulptur "L'Amitié - Freundschaft" schufen, die nun am Germaniakreisel steht.
¢ Die "Straßengalerie" zeigte französische Kunst in den Geschäften Leichlingens.
¢ Beim Besuch der Marlychois im Mai stellten die französischen Künstlerinnen Judy Biron und Danielle Decollange Gemälde im Bürgerhaus aus.
" Kulturelle Angebote:
¢ Basilisse Pflüger organisierte: eine Medienausstellung in der Bücherei unter dem Motto "Frankreich und die Franzosen, zum Hören, Sehen und Lesen",
¢ die Vorführung des Dokumentarfilms "Être et Avoir" von Nicolas Philibert
¢ sowie einen Chansonabend mit dem Chansonnier Jean-Claude Séférian.
¢ Fotoausstellung von Peter Thönes: "40 Jahre Städtepartnerschaft Marly -Leichlingen"
¢ Fotodokumentation von Evi Pohle und Otto Schäfer über die Erstellung der Skulptur "L'Amitié -Freundschaft" von Berthold Welter und Josef Visy
¢ "Lesezeichen im Sinneswald" - Lesung französischer Literatur
¢ Musikalische Matinées mit französischer Musik
" Sonstige Aktivitäten:
¢ Deutsch-französische Gemein-schaftsreise in den Harz unter der Leitung von Dr. Hermann Brandl
¢ Bürgerfest anlässlich des Besuches der Marlychois im Mai, organisiert von Ute Gerhards von der Stadt Leichlingen
Sie sehen, liebe Leser/innen, unser "Französisches Jahr" hat viel Interessantes geboten. Und der Höhepunkt war natürlich der mehrtätige Besuch unserer Freunde aus Marly mit ihrem Bürgermeister Jean-Yves Perrot im Mai. Wir alle haben am Festabend gespürt, dass die Erneuerung des Verbrüderungseides von dem Wunsch der beiden Bürgermeister getragen wird, diese langjährige Freundschaft weiterhin zu festigen und ihr neue Impulse zu verleihen. Und wir alle stehen hinter ihnen!
Zur Durchführung der Festtage waren viele Hände zum Helfen nötig: Erinnern Sie sich daran, wie wunderschön die Aula geschmückt war? Renate Sander hat (teilweise mit Hilfe der Senioren) 86 Papierblumen gebastelt. Zusammen mit Frau Hondrich von der Fa. Krautmacher haben die Mitglieder des Deko-Teams Renate Sander, Beate Binyusof, Friederike Wohlfahrt, Sabine Eigen, Sybille und Hartmut Schmidt die Aula in einen wunderschön geschmückten Festsaal verwandelt.
Ich möchte auf diesem Wege noch einmal allen Mitgliedern des Vereins sowie unserem Bürgermeister Ernst Müller von Herzen danken, dass sie so tatkräftig zum Gelingen dieses Jubiläumsjahres beigetragen haben. Vergessen möchte ich auch nicht meinen Mann, der mir bei allen technischen Problemen zur Seite stand und der u.a. auch die französischen Gäste bekochte.
Mein besonderer Dank gilt unserem 2. Vorsitzenden, Dr. Hermann Brandl, für die ausgezeichnete Planung und Durchführung der deutsch-französischen Gemeinschafts-reise in den Harz.
Liebe Leser/innen, manche von Ihnen waren sicher verwundert, erst aus der Presse von unserer Reise nach Marly im November erfahren zu haben. Es war der Wunsch unserer französischen Freunde, die Feier zum 40jährigen Jubiläum in Marly in einem bestimmten Rahmen zu halten. Sie hatten 17 offizielle Gäste und das Marly-Team eingeladen. Die große Bürgerreise nach Marly findet dann wieder im nächsten Mai statt.
Die begeisterten Berichte in diesem Info-Blatt lassen Sie aber alle teilhaben an der wunderschönen Jubiläumsfeier, die wir in Marly erleben durften. Es war ein echtes Erlebnis, die herzliche Freundschaft zueinander zu spüren und in so vielen netten Gesten bestätigt zu sehen. So trug z.B. Bruno Cronier, Maire adjoint für die Jumelage, zum Festabend die deutschen Farben mit schwarzer Fliege, rotem Hemd und "goldenem" Sakko, echt stark!
Sie sehen, im Jubiläumsjahr gab es also sowohl in Marly als auch in Leichlingen viele interessante kulturelle und künstlerische Angebote und Informationen über unsere Partnerstädte. Und die zahlreichen freundschaftlichen Begegnungen und gemeinsam erlebten Jubiläumsfeiern haben uns gezeigt, dass unsere 40jährige Partnerschaft auf fruchtbarem Boden steht. Lassen Sie uns alle zusammen wirken, dass diese Freundschaft weiterhin blüht und gedeiht!
Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien eine schöne Weihnachtszeit.
Ihre Sybille Schmidt

Termine

30. Januar 2005, 11:30 Uhr Neujahrs-Treffen des Freundeskreises im Bürgerhaus

26. - 29. Mai 2005 (Fronleichnam)
Bürgerreise nach Marly


Persönliches
Anny Carpentier wurde am 26. Juni 80 Jahre alt. Wir gratulieren ganz herzlich und wünschen alles Gute, Gesundheit und Zufriedenheit. Anny pflegt mit ihrem Mann Matthias seit vielen Jahren sehr enge Kontakte zu Marly und gemeinsam setzen sie sich für die Senioren ein. Ganz herzlichen Dank für dieses große Engagement!


Nachruf für Günther Schumacher

Am 26. November 2004 ist Günther Schumacher verstorben. Er hat sich seit vielen Jahren an der Seite seiner Frau Leni für unsere Städtepartnerschaft und die Senioren-Gemeinschaft engagiert und auch in Frankreich viele Freunde gewonnen. Auch nach dem Tod seiner Frau hat er sich bei den Seniorentreffen des Freundeskreises Marly wohl gefühlt. Mit seiner lieben, bescheidenen Art hat er unsere Herzen gewonnen. Wir sind traurig, dass er nicht mehr bei uns sein kann und werden ihn nicht vergessen.


Aus unserer Partnerstadt

Une leçon de français à la fin d'un dîner bien arrosé (français familier)
von Annie, Joelle, Patricia, Freundinnen in Hochform

" Pousse-toi de là que je m'y mette! "

"Platz da ! Hier komme ich!

" Elle est casse-pieds "
"Sie ist eine Nervensäge"
"Un coup d'œil prometteur "
"Ein viel versprechender Blick"

" Poser un lapin "

"Jemanden versetzen"

" Elle m'a tapé dans l'œil "

"Sie ist mir ins Auge gesprungen"

" Prendre ses jambes à son cou "

"Seine Beine in die Hand nehmen"

" Il a les yeux plus gros que le ventre"
"Seine Augen sind größer als sein Magen"
"Avoir des fourmis dans les jambes "
"Eingeschlafene Füße haben"


Jérôme Verdin, ein junger Stadtrat aus Marly berichtet

La soirée dans la salle des fêtes de l'Hôtel de Ville de Marly a permis de célébrer dans une ambiance très festive les 40 ans de jumelage.
Les nombreux convives, officiels et familles des deux communes, ont d'abord assisté au renouvellement du serment de jumelage qui a été signé par les deux Maires, sous les yeux des anciens maires présents.
La médaille de la Ville de Marly a ensuite été remise à Sybille Schmidt, Présidente du Cercle des Amis de Marly, ainsi qu'à Wicze Braun et Wolfgang Brudes, initiateurs et organisateurs des échanges artistiques, tous trois en raison de leur contribution au jumelage.
Après les discours officiels, place à la détente. Un petit spectacle a ainsi été présenté avec un groupe de Gospel et une troupe de danse.
Le dîner s'est poursuivi sur des rythmes très jazzy. Entre deux plats d'un menu concocté pour l'occasion par un restaurateur de Marly, certains convives ont profité de l'animation musicale pour danser. Les autres, allant de table en table, pour discuter.
La soirée a été très agréable car elle a permis aux participants, allemands et français, officiels et familles, jeunes et moins jeunes, de discuter et d'échanger dans une ambiance sympathique et festive.
Pour ma part, jeune Conseiller Municipal de Marly chargé du Conseil Municipal Junior (le parlement des jeunes de Marly), j'ai pu rencontrer différents acteurs du jumelage et évoquer avec eux un sujet qui me tient à cœur : décliner le jumelage entre les parlements des jeunes des deux villes. Grâce notamment à Basilisse Pflüger, un échange de courrier a déjà eu lieu au début de l'année dans lequel les jeunes des deux villes se sont présentés et ont expliqué le mode de fonctionnement des deux parlements.
Nous essaierons d'aller plus loin en organisant une rencontre mais il faudra pour cela dépasser les différences d'âge et de maturité entre les parlements des deux pays ainsi que la barrière de la langue.
Ceci permettra de renforcer les liens entre nos deux communes qui, pour avoir assisté à la soirée des 40 ans de jumelage, sont déjà très forts.
Der Festabend im Festsaal des Rathauses von Marly war die Gelegenheit, das 40jährige Jubiläum der Städtepartnerschaft in einer ausgelassenen festlichen Stimmung zu feiern.
Die zahlreichen Gäste, Offiziellen und Familienangehörigen beider Städte, haben zunächst der Erneuerung des Verbrüderungseides beigewohnt, die von beiden amtierenden Bürgermeistern im Beisein einiger ihrer Vorgänger unterzeichnet wurde.
Danach wurde die Ehrenplakette der Stadt Marly an Sybille Schmidt, Vorsitzende des Freundeskreises Marly, und an Wicze Braun und Wolfgang Brudes, Initiatoren und Veranstalter des Kunstaustausches, in Anerkennung ihrer Verdienste um die Städtepartnerschaft verliehen.
Nach den offiziellen Reden war Zeit zum richtigen Feiern. Die Gäste erfreuten sich eines kleinen Programms, das von einem Gospelchor und einer Ballettgruppe bestritten wurde.
Das Festessen fand zu jazzigen Rhythmen statt. Zwischen zwei Gängen eines Menüs, das für den Anlass von einem Gastronomen aus Marly zubereitet wurde, nutzten manche Gäste die musikalische Unterhaltung zum Tanz. Andere gingen von Tisch zu Tisch für einen Plausch.
Es war ein sehr angenehmer Abend, denn man konnte mit einander diskutieren und sich austauschen mit deutschen oder französischen Gästen, Amtsträgern und Familienangehörigen, jungen und weniger jungen Teilnehmern.
Was mich angeht, als junger Stadtrat zuständig für das Jugendparlament in Marly, habe ich an diesem Abend die Gelegenheit gehabt, unterschiedliche Akteure der Städtepartnerschaft kennen zu lernen und mit ihnen ein Thema anzusprechen und zu erörtern, das mir am Herzen liegt: den Austausch zwischen den Jugendparlamenten unserer beiden Städte mit allen seinen Möglichkeiten. Angeregt u.a. durch Basilisse Pflüger fand ein Briefwechsel zu Beginn des Jahres statt, in dem die jungen Leute beider Städte sich vorgestellt haben und Art und Funktion des jeweiligen Parlaments erläutert haben.
Wir werden versuchen, eine Begegnung zu organisieren. Dafür müssen wir aber die Alters- und Reifeunterschiede zwischen den Parlamentsmitgliedern sowie die Sprachbarriere überwinden.
Dies wird die Beziehungen zwischen unseren Städten verstärken. Sie sind bereits sehr stark, der Festabend zum 40jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft war der Beweis dafür.
Übersetzung von Basilisse Pflüger

Unsere Mitglieder berichten

Zwei besondere Ereignisse beim Besuch der Leichlinger Delegation:
Auftakt des Besuches in Marly war ein herzlicher Empfang der deutschen Freunde im Théâtre Jean Vilar. Sybille Schmidt überreichte den Amis du Jumelage in Marly als Geschenk eine Reproduktion einer alten Bergischen Landkarte aus dem 18. Jahrhundert. Wie Wolfgang Pflüger erläuterte, war der Ort Leichlingen hier allerdings noch nicht verzeichnet, da er weder ein Kloster noch einen Adelssitz aufzuweisen hatte.

Zum Abschluss des Aufenthaltes wurde vor dem Eingang des neuen Hauses der Vereine "Espace André Malraux" in Marly eine Steinskulptur des Leichlinger Künstlers Berthold Welter eingeweiht, in die er die Wappen beider Städte und die Inschrift "1964-2004 - 40 Jahre Marly-le-Roi - Leichlingen" eingemeißelt hatte.

B. Pflüger

Besuch im Musée-Promenade
Eine persönliche Liebeserklärung an Marly-le-Roi oder eine Reise in die Vergangenheit
von Jörg Allkämper


Louis XIV avait construit Versailles pour la "Cour de France", Marly pour ses amis.(Louis XIV hatte Versailles für den französischen Hof gebaut, Marly für seine Freunde) schrieb Saint-Simon.
Dass Marly-le-Roi eine fürwahr königliche Stadt war und ist, lässt sich auch heute noch erfahren. Sei es, dass man einen ausgiebigen Spaziergang im Schlosspark unternimmt, der die Dimensionen erahnen lässt, da vom königlichen Anwesen nur noch wenige Reste vorhanden sind; sei es, dass man das "Musée-Promenade de Marly-le-Roi-Louveciennes" besucht.
Dieses am 18. Oktober 1982 eingeweihte Museum hat die Aufgabe, Marly und Louveciennes aus der Sicht des 17. und 18. Jahrhunderts darzustellen, was auch wunderbar gelungen ist. Anhand von Gemälden, Skulpturen, Modellen u.a. wird die Pracht der Region in diesen beiden Jahrhunderten ersichtlich. Ein Saal ist der "Machine de Marly" gewidmet, die als technisches Meisterwerk der damaligen Zeit die Anlagen und Brunnen von Marly und Versailles mit Wasser versorgte und häufig als 8. Weltwunder gepriesen wurde. Es ist hier nicht der Ort, um auf technische Details einzugehen. Man muss dieses Werk der Ingenieurskunst einfach gesehen haben und ist verblüfft.
Wer wäre nicht beeindruckt von den zahlreichen Gemälden, die Szenen aus dem ehemaligen Jagdrevier der französischen Könige darstellen oder auch Porträts berühmter Zeitgenossen? Dabei handelt es sich nicht nur um "amis" (s.o.), sondern auch um "amies" (hört, hört..). Somit kann man das ehemalige Schloss von Marly mit Fug und Recht in jeder Hinsicht als Lustschloss bezeichnen.
Das Musée-Promenade wird ständig ergänzt durch neue Ausstellungsstücke oder Statuen für den Park; gefördert besonders von der Société du Vieux Marly und anderen großzügigen Spendern.
"Joindre l'agréable à l'utile" (das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden), so könnte das Motto unserer Bürgerreisen durchaus lauten, weil immer ein kultureller Bezug gegeben ist. Der Autor dieses Beitrags war schon mehrfach - allein oder mit Gruppen - in diesem Museum und ist stets erneut von der Arbeit - übrigens auch vom Rahmen der Museumspädagogik - fasziniert.
Ein herzliches Dankeschön sei auch der Kuratorin des Museums ausgesprochen, die die Delegation aus Leichlingen mit großer Sachkunde und Charme durch das Museum geführt hat.
A très bientôt! Bis bald!

P.S. Übrigens empfinde ich es jedes Mal als Geschenk, dass Leichlingen eine so schöne Partnerstadt hat!

Hier noch eine kleine Anmerkung: Jörg Allkämper hat diese ausführliche Museumsführung fantastisch übersetzt, die Zuhörer danken ganz herzlich!

Ehrungen
Ein besonderer Höhepunkt der Festveranstaltung in Marly-le-Roi anlässlich der 40-jährigen Partnerschaft war die Verleihung der Ehrenplakette an Sybille Schmidt, Wicze Braun und Wolfgang Brudes.
Der persönliche ehrenamtliche Einsatz der Ausgezeichneten kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Er verdient höchste Anerkennung und fordert uns alle auf, noch mehr für die Partnerschaft zu tun.

In diesem Zusammenhang sollten auch die sehr wertvollen Dienste unserer Heidrun Glage besonders gewürdigt und dankbar erwähnt werden.

Karl Reul


40 Jahre Partnerschaft mit Marly-le-Roi

von Karl Reul


Für mich war es eine ganz besondere Freude, anlässlich des Bestehens unserer Partnerschaft mit Marly-le-Roi das Wochenende in unserer Partnerstadt verbringen zu dürfen.
Wie immer, haben unsere Gastgeber alles getan, um diesem Jubiläum den erforderlichen Rahmen zu geben. Viele, die in den 40 Jahren echte Freundschaften geschlossen haben, waren dabei. Von den Mitbegründern der Partnerschaft, die die Anfangsschwierigkeiten miterleben durften, waren leider nur noch wenige anwesend.

Es war schon ein Wagnis 1964. Die Folgen des Krieges waren noch sichtbar, und nicht alle Wunden verheilt. In dieser Zeit bei den ersten Städten in Deutschland zu sein, die den gemeinsamen Weg der Freundschaft begonnen haben, macht uns stolz. Am heutigen Tag sei ganz besonders derer gedacht, die sich gemeinsam für dieses Werk eingesetzt haben, nun aber nicht mehr die Früchte dieser Verbindung ernten können.
Hier nenne ich vor allem Jean Béranger und André Gilles (Bürgermeister von Marly), BM Heinrich Hansmeyer und Stadtdirektor Heinrich Stiefken, die dieser Verbindung jedmögliche Unterstützung gewährten.
Unter den noch lebenden Mitbegründern und als Teilnehmer der Festlichkeiten wurden Madame Picardel, Madame Béranger, Monsieur Francheterre und Karl Reul besonders lobend erwähnt. Sie durften sich darüber freuen, dass aus der kleinen Pflanze der Freundschaft nunmehr ein großer Baum mit vielen starken Ästen und Zweigen Fußballer, Basketballer, Schwimmer, Leichtathleten, Tennisspieler, Judokas und Sängerinnen und Sänger, Künstler, Artisten und vor allem Junge und Ältere immer wieder neues Leben einbringen und die Partnerschaft befruchten.

So ist unser Wunsch zum 40-Jährigen Jubiläum, dass in Zukunft, neben allen Gruppierungen, noch mehr Jugendliche beider Städte zusammen finden und die Freundschaft beleben, damit die Verständigung zwischen den Völkern erhalten und noch ausgebaut wird.


Der Festabend
von Basilisse Pflüger und Hartmut Schmidt


Am Samstag, dem 13. November fand im wunderschön mit deutsch-französischen Farben und Motiven geschmückten Festsaal von Marly ein Festabend statt, der allen Teilnehmern noch lange in Erinnerung bleiben wird..
Nach der Begrüßung der Gäste kündigte Bruno Cronier, Vizebürgermeister von Marly die Verleihung der Ehrenmedaille der Stadt Marly an Personen an, die sich um die Städtepartnerschaft verdient gemacht haben. "Mit Ihrem strahlenden Lächeln erobert Sie alle Herzen, mit Charme und Eleganz vertritt sie Leichlingen. In einem Wort ist Sie eine Augenweide." Dann bat er Sybille Schmidt auf die Bühne.
Danach fuhr Bruno Cronier fort: "Von Ihr spricht er mit Zärtlichkeit und Leidenschaft. Wenn Sie Ihn anschaut glänzen Ihre Augen vor Liebe. In unseren Herzen sind Sie beide untrennbar." Mit diesen Worten bat er Wicze Braun und Wolfgang Brudes auf die Bühne und Bürgermeister Yves Perrot überreichte den drei stolzen Preisträgern ihre Medaillen.


Nach dem Intermezzo des Gospelchors "Gospel Passage" hielt Sybille Schmidt ihre Festansprache. Sie verwies auf die zahlreichen Aktivitäten, die im französischen Jahr in Leichlingen stattgefunden hatten. Sie appellierte, an die Gäste, "dass die Feierlichkeiten zu diesem Jubiläum ein neuer Ausgangspunkt für die Beziehungen zwischen unseren Städten werden." Danach trat das Frauen-Vokalensemble Assonance auf.
Patrick Gautier, Vorsitzender der Amis du jumelage führte aus, dass vieles, was sich unsere Väter bei der Gründung der Städtepartnerschaft im Jahre 1964 erhofft hatten, nun realisiert sei. Danach traten "Les Ballerines de Marly" auf. Zu einem bewegenden Augenblick gestaltete sich der Abend als beide Bürgermeister feierlich den vor 40 Jahren bereits geleisteten Verbrüderungseid jeweils fließend in der Sprache des Partnerlandes erneuerten und anschließend die Urkunden unterzeichneten. Zur Unterstreichung der Bedeutung dieses Aktes waren bei der Unterzeichnung auf der Bühne anwesend Ludwig Sättler,1. Botschaftsrats der deutschen Botschaft in Frankreich, Yves Guibert, ehemaliger Bürgermeister von Marly, Mme Béranger, Witwe des ehemaligen Bürgermeisters von Marly, Karl Reul, Ehrenbürgermeister von Leichlingen, sowie Patrick Gautier, Präsident der Städtepartnerschaften von Marly.
Der Leichlinger Bürgermeister Ernst Müller betonte in seiner Ansprache, "dass es eine lange menschliche Kette sei, die seit 40 Jahren für die Freundschaft zwischen den beiden Ländern gearbeitet hat. Wir sollten alle diejenigen würdigen, die daran teilgenommen haben und auch diejenigen, die uns bereits verlassen haben." Nach seiner Ansprache überreichte Bürgermeister Ernst Müller im Namen der Stadt Leichlingen zwei Keramiken, die französische "Marianne" und den deutschen "Michel", berühmte Symbole in beiden Ländern. Diesmal waren sie künstlerisch in Hühner verwandelt.
Bürgermeister Jean-Yves Perrot bedankte sich und führte aus, dass "die französisch-deutsche Freundschaft das Rückgrat des europäischen Gebäudes ist und dass durch die erneute Unterzeichnung des Verbrüderungseides eine neue symbolische Etappe zurückgelegt wird."


Anschließend wurden die deutsche Nationalhymne, die Marseillaise und die europäische Hymne "Freude schöner Götterfunke" gespielt. Wer von den Deutschen den Text der selten gesungenen Nationalhymne nicht mehr so präsent hatte, konnte diese von Karl Reuls Lippen ablesen, der auch die Marseillaise fließend mitsang.
Der 1. Botschaftsrat der deutschen Botschaft in Paris Ludwig Sättler hat es, wie er sagte, bei seiner Arbeit in der Botschaft normalerweise nur mit trockenen Dokumenten und Regierungsvertretern der höchsten Ebene zu tun. Er war sehr beeindruckt von dieser hier vorgefundenen gelebten Freundschaft zwischen den Bürgern und stellte anerkennend fest, "dass die deutschen und französischen Kommunen mit ihren Städtepartnerschaften die eigentliche Basis für Europa bilden."
Ein wunderbarer Beitrag zu dieser heiteren und fröhlichen Stimmung war die musikalische Begleitung durch die Dixielandband von Eric Luter, Sohn des berühmten französischen Klarinettisten Claude Luter, der bis heute noch in Marly lebt. Bei einem ausgezeichneten französischen Buffet floss der Champagner in Strömen und die gute Stimmung hielt bis nach Mitternacht an.


Ein Veranstaltungsprogramm par excellence
von Renate Sander


Anlässlich des Empfangs der Leichlinger Delegation durch den Bürgermeister Jean-Yves Perrot, bildete der Festabend am Samstag, 13.11.04, den absoluten Höhepunkt. Nach feierlicher Erneuerung des Verbrüderungseides durch die beiden Bürgermeister wurde den Leichlinger Gästen ein einzigartig schöner, festlicher, rundum gelungner Abend präsentiert. Das zauberhaft geschmückte Ambiente, die stilvoll gedeckten Tische machten sowohl auf das Programm als auch auf das "Dîner" neugierig.
Eröffnet wurde das Unterhaltungsprogramm mit dem Ensemble "Gospel-Passage" unter der Leitung von Sonja Belna. Mit ausdrucksvollen Stimmen, mit rhythmischer Raffinesse und Verve trugen sie ihre Songs vor. Der Gospelsong gehört ursprünglich zu den geistlichen Liedern der nordamerikanischen Schwarzen. Im Verlauf der Jazzgeschichte wurden Jazzelemente in den Gospelsong aufgenommen und verarbeitet. Sie verleihen der Melodik und dem Rhythmus ihren besonderen Reiz, der im mitreißenden Vortrag der Gospelsinger zum Ausdruck gebracht wurde.
Als Kontrast zu dieser Musik führte uns das Vokalensemble "Assonance" mit seinem Repertoire in unsere europäischen Nachbarländer. Es stellte Liedkompositionen vor, die uns vertraut waren: deutsche, französische, englische Lieder, Melodieweisen, die ihre Wurzeln im Volkstum haben. Alle Lieder bezaubern durch harmonisch wunderschöne Bearbeitungen mehrstimmiger Chorsätze. Ein Lob verdient der junger Chorleiter Georges Cotillard, der das Ensemble zu einem äußerst musikalisch einfühlsamen Vortrag geführt und damit die charakteristischen, landestypischen Wesensmerkmale herausgearbeitet und zum Klingen gebracht hat. Mit ihren Volksweisen hat "Assonance" an diesem Abend musikalisch einen Brückenbogen zu unseren Nachbarländern geschlagen.


"Les Ballerines de Marly", ein Schülertanzensemble unter der Leitung ihrer Lehrerin und Choreographin Bernadette Diqueiro, überraschte mit Tanzkompositionen aus dem Ballett: "Die 7 Todsünden" - der Kleinbürger- (nach B. Brecht, Musik: K. Weill). Die in der Gesellschaft stets als moralisch bedenklichen und kritisierten "Verführungskünste" der Geschlechter verstand die Choreographin in ein zauberhaft anzuschauendes Tanzspiel umzusetzen. Das Tanzgeschehen versetzte uns Zuschauer in die Zeit der 20er Jahre. Die schlichte, hübsch gewählte Mode dieser "époque" hat den Tanzszenen einen besonderen Reiz. Jedoch weder von Sünde, noch weniger von Todsünde, verkündete die Tanzsprache. Im Gegenteil: die Inhalte wurden von den Tänzern mit jugendlich verhaltener Geste, mit Charme und Ausdruckswillen dargestellt. Die gaben den facettenreichen Bildern einen anderen, einen neuen Bezug zu unserer modernen Lebensweise. Wir erlebten ihre Tanzlust, ihre Tanzbegeisterung als Ausdruck reiner Lebensfreude, die auf uns überschwappte. Es ist ihnen gelungen, ihre vorzügliche Technik in den Dienst des künstlerischen Ausdrucks zu stellen.
Bis zur "Blauen Stunde" führte uns Eric Luter mit seiner vorzüglichen Blaskapelle "Jazzkarusselle" durch den Abend. Über Jahre eingespielte, im Zusammenspiel aufeinander abgestimmte Musiker warfen sich die "Themen-Bälle" zu. Sie musizieren mit Engagement aus dem Herzen, mit Liebe zu ihrem Instrument und zum Jazz, mit dem sie das Publikum animierten und begeisterten. An diesem Abend wurde das Tanzbein geschwungen. Eine tolle Auswahl bekannter Jazzrythmen und eigener Arrangements sorgten für eine sich steigernde Stimmung. Wir alle haben diesen Abend in vollen Zügen genossen und sagen unseren Gastgebern in Marly ein herzliches DANKE SCHÖN!

Die Bahnfahrt
von Hermann Brandl

Es waren wieder schöne Tage, die wir bei unseren Freunden in Marly verbringen durften. Drei Tage wurde das 40-jährige Jubiläum unserer Partnerschaft gefeiert und jetzt sitzen wir, verteilt auf verschiedene Gastgeber, gemütlich beim Mittagessen und freuen uns zum Abschluss auf eine gemütliche Heimfahrt im bequemen Thalys, ab 17:55, Gare du Nord.
Wir sind bei Bruno und Micheline in Montval eingeladen. Bruno, der die Feiern mitorganisiert hat, hat die Abfahrt des Busses, der uns zum Gare du Nord nach Paris bringen soll, in weiser Voraussicht von 16:30 auf 16:00 vorverlegt, weil am Freitag der französische Kriegsgedenktag war und man mit verstärktem Rückreiseverkehr am Sonntag Nachmittag nach Paris rechnen muss.
So insgeheim denke ich mir, dass auch vielleicht 16:00 auch noch etwas spät sein könnte, aber da ich zu den Menschen gehöre, denen man leicht Übervorsicht vorwirft, weil sie schon immer zwei Stunden zu früh am Flughafen sind, verdränge ich den Gedanken.
16:00 Es geht wieder an die etwas melancholische Zeremonie des Abschiednehmens. Man hat sich ja noch so viel zu sagen und bis jeder mit jedem seine Küsschen ausgetauscht hat, vergeht natürlich seine Zeit. Apropos Zeit, als sich der Bus schließlich in Bewegung setzt, ist es 16:13. Das weiss ich deshalb so genau, weil ein Mensch, der immer das Zuspätkommen fürchtet, nicht anders kann. Da ich mich aber ständig im Kampf gegen meine eigene Übervorsicht befinde, bring ich auch jetzt meine innere Stimme zum Schweigen.
Also, wir rollen nun zügig aus Marly heraus und erreichen in ein paar Minuten die Autobahnauffahrt nach Paris. Aus meinem Fenster kann ich prima hinunterblicken auf die Autobahn, aber, o Schreck, da steht ja alles. Kein Problem, sagt der Fahrer, der das auch gesehen hat. Wir nehmen einen Schleichweg, sozusagen über die Dörfer.
Weiter geht es, natürlich etwas langsamer als auf der Autobahn, da man ja an jeder roten Ampel halten muss, aber es rollt. Der Eiffelturm rückt langsam näher, aber leider rückt auch die Uhr voran, die aber um so schneller.
16:45 Rechts von mir fließt die Seine gemütlich dahin, links von mir ein immer dichter werdender Strom von Autos. Aber ich scheine der einzige zu sein, der sich Sorgen macht.
Alle sind so fröhlich. Wozu sich also die dummen Gedanken machen.
17:00 Place de la Concorde. Das kennt man ja von diesem Moloch, was den Verkehr angeht.
Wenn man mal im Kreisel drin ist, kommt man nur schwer wieder raus. Aber dann geht es bestimmt zügig weiter, sage ich mir. Schließlich ist die Gare du Nord nicht mehr allzu weit weg.
Paris leuchtet, vor allem rot, denn um uns herum sind praktisch nur Rücklichter der anderen zu sehen. Unser Fahrer ist schon ein pfiffiges Bürschchen. Er benutzt die Spur für Verkehrsbusse. Das tut gut, mal ein paar hundert Meter zügig voranzukommen.
Dann aber müssen wir links abbiegen. Was sind doch die anderen für unfreundliche Menschen. Niemand will uns auf die Linksabbiegerspur lassen. Aber es sind ja nur 4 Spuren, die wir überbrücken müssen.
17:15 Wir können links abbiegen. Jetzt ist es bestimmt nicht mehr weit. Macht sich denn außer mir sonst keiner Gedanken?. Doch, denn so ab und zu mischt sich in das fröhliche Lachen schon mal eine etwas gepresst wirkende Stimme, ob wir denn auch pünktlich ankommen würden.
17:30 Im Schneckentempo geht es weiter. Da, ein Hinweisschild, Gare du Nord. Ich bin erleichtert.
Also wieder einmal ein Beweis für meine unnötige Übervorsicht. Immerhin haben wir noch 25 Minuten. Und wenn man 10 Minuten vorher am Bahnhof ist, reicht das doch, oder?
Nicht der Osten ist rot, nein es ist Paris. Lauter doofe Autos um uns herum, die alle stehen. Irgendjemand meint, wir wären zum falschen Bahnhof gefahren, zum Gare St. Lazare, der nicht weit vom Gare du Nord weg ist. In Notzeiten kursieren eben immer Gerüchte.
17:55 Zu den vielen roten Lichtern gesellen sich jetzt, zumindest in meiner Vorstellung, noch die des abfahrenden Thalys hinzu.
Wenn wir jetzt in Deutschland wären, wäre mir nicht bang. Da hätten wir eine gute Chance, denn die deutschen Züge sind mit ihrer Pünktlichkeit zu solchen Leuten wie uns sehr entgegenkommend.
18:05 Wir sind am Gare du Nord. Selten habe ich eine Gruppe von Reisenden, unter denen sich immerhin schon Herrschaften jenseits der 80 befinden, so schnell aussteigen und in den Bahnhof fliegen sehen.
Hurra, da steht ja der Thalys. Erleichterung. Er hat also doch Verspätung. Wieso, sagt der Kondukteur, das ist der Zug nach Brüssel, der nach Cologne ist weg.
Aber unsere Gruppe ist entscheidungsstark. Ich weiß nicht warum, aber irgendeiner hat die Initiative ergriffen und plötzlich sitzen wir alle vereint in ebendiesem Zug, in dem Abteil vor dem Restaurantwagen, das immer freigehalten wird, für den Fall, dass einer aus der Kneipe von nebenan nicht mehr so richtig stehen kann. Und das alles für nur 10 Euro Aufpreis.
Wir sind irgendwie erleichtert, denn schließlich fahren wir ja Richtung Heimat. Eine Weinflasche aus Johns Vorrat wird aufgemacht und mit Sybilles Pappbechern stoßen wir an.
Ein paar Formalitäten sind aber schon noch zu erledigen. Man sagt uns, dass wir in Brüssel in den nachfolgenden Thalys nach Köln umsteigen können, jedenfalls glauben wir das gehört zu haben. Mein Französisch ist zwar durch die vielen Marly-Fahrten besser geworden, aber in Notzeiten schleichen sich eben doch gewisse Unsicherheiten ein.
20:30 Brüssel: Kurz vor dem Aussteigen kommt unser Fahrdienstleiter noch einmal zu uns und meint, einen Thalys nach Köln gäbe es heute leider nun doch nicht mehr, aber wir könnten doch den Zug nach Lüttich nehmen, der gleich abfährt, und dann dort in den nach Aachen steigen. Da wären wir unserer Heimat doch schon ein beträchtliches Stück näher, oder?
Ein kleines Problem besteht aber doch noch. Der Übergang in Brüssel vom Gleis 2 zum Gleis 14 muss in 2 Minuten geschafft sein. Also nix wie raus aus dem Zug. Leider wollen das viele andere auch und dann diese Rolltreppe nach unten. Das dauert. Um uns zu unterhalten, fangen hinter uns ein paar schwarze Männer, von denen jeder eine geöffnete Literflasche mit Rotwein in der Hand hält, einen Disput an, der so innig geführt wird, dass man außer Worten auch die Fäuste zu Hilfe nimmt. Nur nicht auch noch eine Rotweintaufe, denke ich mir. Gott sei Dank, das Ende der Rolltreppe. Jetzt sind wir gleich am Gleis 14; 100 m oder so sind doch nichts. Wie gut tut dann die Stille am Gleis 14. Da stört nichts mehr. Auch kein Zug, der ist nämlich vor ein paar Minuten - schon wieder pünktlich - abgefahren.
Macht aber nichts, in 30 Minuten geht der nächste. Das gibt Zeit, endlich mal zur Auskunft zu gehen und sich einen umfassenden Überblick über das Netz der belgischen Bahn zu verschaffen. Resultat: Einen Zug von Lüttich nach Aachen oder gar nach Köln dürfen wir uns aus dem Kopf schlagen. Wenigstens sind das klare Voraussetzungen für unsere weiteren Planungen.
20:55 Wir sitzen im Zug nach Lüttich. Mann, ist der voll! Wohin nur mit den vier Kartons Rotwein, die wir zusätzlich von unserem Freund John als Geschenk erhalten hatten.
Da kommt der Schaffner. Und mit ihm ein kleines Problem, denn das Ticket für den Thalys, das ich für die ganze Gruppe habe, gilt nicht mehr. Sondertarife verfallen eben leichter.
Der Schaffner schaut alle Reisenden freundlich an und fragt, wer noch zugestiegen wäre. Wir natürlich nicht. Hoffentlich denken meine 18 Mitreisenden auch so. Kein Problem.
Mein Herz bleibt jedoch einen Moment stehen, als ich sehe, dass eine unserer Damen mit dem Daumen auf mich weist, als der Herr sie fragend anschaut. Gott sei Dank stößt ihre Nachbarin ihr die Faust in die Rippen und die Gefahr ist vorüber. Nein, noch nicht ganz, denn er guckt ganz komisch, als eine von uns an ihm vorbei zur Toilette will. Man weiß ja, dass das Schwarzfahrer schon mal gern tun, wenn die Kontrolle naht. Aber auch das geht gut. Wahrscheinlich denkt der freundliche Kontrolleur schon an sein Feierabendbierchen.
Was heißt hier übrigens Zug nach Lüttich?. Eine Gruppe freundlicher Belgier nebenan, von denen man ja weiß, dass sie viele Sprachen können, und die wohl einiges von unserer angeregten Unterhaltung mitgekriegt hat, sagt uns, dass dieser Wagen leider in Landen abgehängt wird. Es wäre also vorteilhaft, wenn wir dort aussteigen und in den vorderen Teil des Zuges wechseln würden, der seine Fahrt nach Lüttich fortsetzt. Danke!
Was für eine starke Truppe wir sind, zeigt sich jetzt. Die Idee wird geboren, doch zu versuchen, ob nicht ein Leichlinger Busunternehmen uns irgendwo abholen könnte. Jetzt ist Gelegenheit, die langjährigen Beziehungen spielen zu lassen. Dank unserem Herrn Reul ist die Firma Wiedenhoff bereit, uns (Sonntagnacht!) einen Bus entgegenzuschicken. Der uns allgemein bestens bekannte Herr Bürger, der uns im letzten Jahr so gut nach Marly chauffiert hat, soll uns abholen. Wir wissen zwar noch nicht wo, aber wozu gibt es Handys. Und zur Zeit hat fast jeder von uns eins in der Hand. Daher der Name.
22:13 Lüttich. Die alte Idee, so nahe wie möglich an die Heimat heranzukommen, ist immer noch nicht aufgegeben worden. Also wohin kann man heute noch kommen? Aachen geht nicht mehr, aber Verviers stünde noch auf dem Programm, gleich vor der deutschen Grenze.
Aber da lernen wir schon wieder ein neues französisches Wort: Supprimé. Das bedeutet wohl Ausfall oder so. Und dieses Wort taucht an der Anzeigetafel fast hinter jedem zweitem Zug auf. Also macht sich unser lieber Herr Altbürgermeister wieder auf den Weg. Als jemand, der in Belgien aufgewachsen ist, ist er jetzt voll in seinem Element. Tatsächlich, die Züge Richtung Deutschland fallen alle aus. Dafür aber soll es Busse geben, die vor dem Bahnhof auf uns warten würden.
Also alle 19 raus und siehe da, da steht ein Bus mit Aufschrift Verviers. Leider auch 200 Leute davor. Und da wir wissen, dass man in Notzeiten zusammenbleiben muss, entschließen wir uns, auf einen leeren Bus zu warten.
23:00 Es kommt kein weiterer Bus. Unser lieber Herr Bürger muss mittlerweile längst das Land verlassen haben. Wie wir da so stehen und warten, sehen wir jenseits des etwas tristen Lütticher Bahnhofsvorplatzes das einladende Schild "Brasserie de L'Univers".
Da sollten wir hin und auf unseren Erlöser warten. Alle stimmen fröhlich zu und so setzt sich das Ensemble in Marsch. Der Wirt freut sich über den unerwarteten Besuch, denn kaum haben wir Platz genommen, wird sofort mit deftigen Bestellungen begonnen. Die Stimmung scheint überzuschwappen, wenn man so in die Gruppe hineinhört. Die Zeit vergeht wie im Fluge.
Kommt mir vor wie eine der in Texas so bekannten Hurricane-Parties, wenn es sich die Menschen aus lauter Kummer vor dem heraufziehenden Sturm noch mal so richtig gut gehen lassen.
Bei uns zieht aber kein Sturm herauf, nein, Herr Bürger meldet sich per Handy, dass er in der Nähe wäre, nur nicht so ganz weiß, wie er zum Bahnhof kommt. Der Wirt, voller Freude über unsere Zeche, fährt daraufhin mit Heidrun im schicken Geländewagen los und um 0:30 biegt ein Bus mit den erlösenden Buchstaben Wiedenhoff um die Ecke.
Der Rest ist Schlafen. Um 02:30 sind wir dann daheim in Leichlingen und alle werden bis fast vor die Haustür gebracht.
Noch ein Nachtrag: Am nächsten Tag erfahren wir, dass unser Thalys, der um 17:55 in Gare du Nord pünktlich abfuhr, hinter Lüttich einen Unfall hatte. Er ist in zwei Autos gefahren, Gott sei Dank, ohne menschliche Opfer.
Wann wären wir wohl heimgekommen, wenn wir da drin gesessen hätten?


Deutsch-französische Reise

Die Reise in den Harz
von Hermann Brandl


Das französische Jahr in Leichlingen ist in vollem Gange. Nach den tollen Feiern im Mai, die unseren französischen Gästen sehr gefallen zu haben scheinen, denn man hört Lob von allen Seiten, soll nun auch die gemeinsame Reise einen weiteren Höhepunkt darstellen.
Als Ziel haben wir diesmal den Harz ausgesucht. Der Harz zeichnet sich durch Vielfalt aus.
Da ist zum einen die beeindruckende Mittelgebirgslandschaft mit ihren Misch- und Nadelwäldern, angefüllt mit Mythen und Hexenzauber. Zum anderen spielt der Harz eine bedeutende Rolle in der deutschen Geschichte. Das deutsche Reich nahm in Quedlinburg seinen Anfang und viele Reichstage haben hier stattgefunden.
Dann ist da noch der Bergbau, der dieser Gegend geprägt hat.
Es sind vor allem wertvolle Erze, die Blei, Zink, Kupfer, aber auch Gold und Silber enthalten, die die Menschen schon früh abgebaut und die den Wohlstand dieser Region begründet haben. Diesen Teil Deutschlands wollen wir also im Jubiläumsjahr unseren Freunden aus Frankreich vorstellen.
Traditionell begrüßen wir uns bei einem "On prend un verre"-Abend , um schon mal die neuesten Nachrichten auszutauschen und die Neuhinzugekommenen kennen zu lernen.

Die Gruppe vor der Harzreise in Weltersbach

Am nächsten Tag ist dann der Ausflug nach Nümbrecht im Oberbergischen geplant, der mit einem Besuch des Schlosses Homburg, dem Stammsitz der Familie zu Sayn-Wittgenstein verbunden ist. Führungen in deutsch und französisch geben einen guten Eindruck unseres Bergischen Landes und seiner Menschen. Im Parkhotel wird zu Mittag gegessen und anschließend lernt man das nette kleine Städtchen bei einem Spaziergang kennen.
Am Samstag morgen meint es Petrus mit uns nicht gut. Selten hat es so ausdauernd und stark geregnet, wie an diesem Tag. Das hat aber keinen unserer Gäste davon abgehalten, in Leichlingen spazieren zu gehen. Die Geschäfte haben sich jedenfalls gefreut, denn der Umsatz mit Anoraks, Regenschirmen und sonstigen Dingen ließ nichts zu wünschen übrig.
Dann geht die Reise los. Unsere erste Station ist Paderborn, die alte westfälische Kaiserstadt.

Paderborn ist reich an Sehenswürdigkeiten. Zwei Führerinnen erwarten uns vor der Paderhalle und vor dem Mittagessen im historischen Ratskeller wollen wir nun einiges über diese interessante Stadt erfahren. Allein in der Innenstadt sind über 20 historische Gebäude zu finden. Höhepunkte sind natürlich die karolingische Kaiserpfalz, wo Karl der Große im Jahr 777 die erste fränkische Reichsversammlung auf sächsischem Boden abhielt und der Dom.Es geht an den Paderquellen vorbei, wo der kürzeste Fluss Deutschlands entspringt, denn schon nach 4 km mündet er in die Lippe. Zwei Bereiche, mitten in der Stadt, schütten aus 200 Quellen durchschnittlich 5000 Liter Wasser pro Sekunde aus. Den Besuch des Doms, einer imposanten dreischiffigen Hallenkirche aus dem 13. Jahrhundert mit mächtigem romanischem Turm müssen wir bis nach dem Mittagessen verschieben, denn heute ist Sonntag und niemand will die Besucher der Messe stören.


Goslar
Goslar, seit langem als die Metropole des Harzes bezeichnet, ist unsere Basisstation. Hier sind wir im Ramada-Treff Hotel Bären gut untergebracht.
Zunächst treffen wir unseren ständigen Begleiter, Monsieur Raymond Faure, einen Franzosen, den der kalte Krieg als Abhörposten auf die Westseite des Brockens verschlagen hat und der hier - der Liebe wegen - hängen geblieben ist. Er hat sich zu einem glühenden Harz-Fan entwickelt. Wenn er vom Harzer Käse auf einem Gänseschmalzbrot schwärmt, läuft einem das Wasser im Mund zusammen, was bei uns, die wir dreimal am Tag gut gefüttert werden, schon etwas heißen will. Also, M. Faure fährt immer mit, betreut auch unsere französischen Freunde, und vor Ort kommen dann jeweils für uns Deutsche noch Führerinnen bzw. Führer hinzu.
Der Vormittag in Goslar ist einem ausführlichen Spaziergang durch die Altstadt gewidmet. Man erkennt schnell, warum sie in das Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen wurde. Das fängt bei der beeindruckenden ottonischen Kaiserpfalz von Kaiser Heinrich II, dem Heiligen aus Bamberg, an, setzt sich über die große Zahl von einmaligen Fachwerkhäusern fort und endet mit dem wunderschönen Rathaus mit seinem Huldigungssaal, dem spätgotischen Ratsherrenzimmer mit seinen prächtigen Gemälden.
Beim Mittagessen, das wir in der historischen Worthmühle einnehmen, können wir bereits auf eine Ausbildung zu Kennern der verschiedenen Fachwerkhausstile der unterschiedlichsten Jahrhunderte zurückblicken. Besonders dürften dabei das Siemenshaus, der Stammsitz der Familie aus dem 17. Jahrhundert, und das Bäckergildehaus im Gedächtnis haften bleiben.
Nach dem Essen fühlen wir uns gestärkt, den zweiten Teil des Tages anzugehen, der uns den Rammelsberg bescheren soll. Der Rammelsberg und Goslar gehören zusammen. Auch er ist im Weltkulturerbe verzeichnet und das hat natürlich seinen Grund. Durch diese Auflistung wird der Rammelsberg in einem Atemzug mit z.B. der chinesischen Mauer, den Pyramiden von Gizeh oder der Lagune von Venedig genannt. Über 1000 Jahre wurde am Rammelsberg ununterbrochen Bergbau betrieben und archäologische Funde weisen darauf hin, dass hier schon vor 3000 Jahren Erz gewonnen wurde. In dem Berg ruhte einst das größte zusammenhängende Kupfer-, Blei- und Zinklager der Welt. Aber auch Gold- und Silber waren dabei. Seit 1988 ist der Rammelberg stillgelegt und als Museum umgestaltet worden. Überall durchdringen sich Denkmal, Museum und realer Arbeitsort.
Das heißt aber nicht, dass man durch die Stollen wie durch ein Museum schlendern kann. Es erfordert schon einige Geschicklichkeit, sich durch die engen unterirdischen Gänge zu bewegen ohne sich dabei dauernd den Kopf anzustoßen oder zu stolpern. Trotzdem lassen es sich die meisten von uns nicht nehmen, die sportliche Herausforderung anzunehmen und an dem zweistündigen Marsch teilzunehmen.
Es lohnt sich, denn es gibt viel zu bestaunen. Als Beispiel seien nur die gewaltigen Wasserräder genannt, mit denen das Erz nach oben gefördert wurde und die vielen Adern im Gestein, die grün, blau und kupferfarben schimmern und noch heute den Reichtum des Erzes ahnen lassen.
Am Schluss gibt es dann noch die Fahrt mit der Grubenbahn in die Tiefe des Berges, sozusagen als Belohnung. An der Endstation, mitten im Berg, werden an praktischen Beispielen die originalen Abbau- und Fördermaschinen demonstriert.
Der Tag endet bei einem gemütlichen Abendessen in Form eines Buffets, bei dem ausführlich Gelegenheit besteht, die Eindrücke des Tages nicht nur in Deutsch, sondern auch in Französisch Revue passieren zu lassen. Wenn man doch nur ein Wörterbuch in der Tasche hätte. Aber in dem stünden bestimmt viele Ausdrücke nicht, so vielfältig waren die Eindrücke des heutigen Tages.


Wernigerode, die "Bunte Stadt am Harz"
Nach den beeindruckenden Besichtigungen in Goslar fahren wir heute nach Wernigerode.
Wir überqueren dabei zum ersten Mal die ehemalige Grenze zur DDR. Für unsere Gäste ist das neu und die noch sichtbaren Grenzrodungen geben ihnen einen Eindruck, was für uns Deutsche lange Zeit Alltag war.
Wernigerode begrüßt uns mit strahlendem Sonnenschein, so dass wir den Stadtrundgang richtig geniessen können. Die Stadt entstand, wie schon der Name sagt, durch Rodungen und zwar bereits im 9.Jahrhundert. Wie bereits in Goslar bekommen wir eine Vielzahl von prächtigen Fachwerkbauten zu sehen, von denen nur das Cafe Wien, das Schiefe Haus, das Gotische Haus und das Kleinste Haus genannt seien
Den krönenden Abschluss bietet dann das weltberühmte Rathaus. Dieser spätgotische prunkvolle Fachwerkbau auf dem Marktplatz zählt zu den schönsten deutschen Rathausbauten. Davor steht der Wohltätigkeitsbrunnen, dessen Wappenschilder am oberen Becken auf Namen von Adeligen verweisen. Am mittleren Becken werden Bürger geehrt, so Oberst Gustav Petri, der kurz vor Ende des zweiten Weltkriegs den Befehl zur Verteidigung Wernigerodes verweigert hatte und dafür erschossen wurde. Eine Parallele zu der Verweigerung des Hitler-Befehls zur vollständigen Zerstörung von Paris durch den deutschen Stadtkommandanten, allerdings ohne tragischen Ausgang für den Betroffenen..
Nach den Führungen besteigen wir ein kleines Bähnchen, das uns hinauf zum Wernigeroder Schloss bringt. Das die Stadt hoch überragende Schloss wirkt beeindruckend. Die erste Feste an diesem Ort geht auf das 12. Jahrhundert zurück. Seitdem wurde die mittelalterliche Burg und später das Schloss über die Jahrhunderte hinweg mehrfach umgebaut.
Seine heutige Gestalt erhielt das Schloss beim Umbau 1861 bis 1883. Es sollte ein Repräsentationsbau werden und so hat Graf Otto von Stolberg-Wernigerode keine Kosten gescheut, was dem heutigen Fremdenverkehr sicher zu Gute kommt. Danach bringt uns das Bimmelbähnchen wieder ins Tal zurück und wir fahren über die schöne kleine Stadt Osterwieck wieder nach Goslar zurück.
Quedlinburg, Gernrode und Thale
Am dritten Tag brechen wir zu den Ursprüngen des deutschen Reiches auf. Das ist sicher auch für unsere westlichen Nachbarn von besonderem Interesse, denn nach dem Untergang des karolingischen Reiches hat sich hier im Osten, neben dem Königreich Frankreich im Westen, das deutsche Gegenstück begründet.
Quedlinburg ist beeindruckend. Als städtebauliches Denkmal steht es ebenfalls auf der Liste des Weltkulturerbes. Schloss und Stiftskirche auf dem Schlossberg überragen die einmalige Ansammlung von Fachwerkhäusern aus sechs Jahrhunderten. Das tausendjährige Quedlinburg bewahrt den Grundriss einer mittelalterlichen Stadt mit ihrem ursprünglichen Verlauf.
Vermutlich diente dieser Platz bereits Heinrich I. als Königshof. Seine Frau Mathilde, die Heilige, gründete hier ein Frauenstift. Otto I., ihr Sohn, der erste deutsche Kaiser seit dem Jahr 962, stattete es reich aus und stellte es unter den Schutz des Reiches. Bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts fanden in Quedlinburg Reichstage statt. Die Stiftskirche St. Servatius ist in der heutigen Form seit 1129 erhalten. Wir besichtigen dieses berühmte Bauwerk, wobei die Schatzkammer mit dem Quedlinburger Domschatz den Höhepunkt darstellt. Der Ersteigung des Schlossberges ist ein Stadtrundgang vorausgegangen, der unsere Kenntnisse des Fachwerkbaus noch vertieft hat. Am Beispiel des Ständerbaus können wir in der Wordgasse die einfachste Form des Fachwerks aus den Anfangszeiten betrachten. Ein anderes bekanntes Beispiel ist das Geburtshaus des Dichters Klopstock.
Nach einer erholsamen Mittagspause im Brauhaus Lüdde fährt uns Charly, unser französischer Busfahrer, nach Gernrode.
Auch diese Stadt ist, wie so viele andere im Harz, durch den Bergbau geprägt. Kobalt, Silber, Kupfer und Gold wurden hier abgebaut. Das Ziel unseres Besuches ist jedoch die wunderschöne Stiftskirche St. Cyriakus. Sie ist eines der bedeutendsten Beispiele ottonischer Architektur. Besonders erwähnenswert ist die älteste deutsche Nachbildung des Grabes Christi in Jerusalem.
Dass aber neben dem Interesse für Kunstschätze auch andere Dinge eine Rolle spielen, kann man beim Verlassen der Kirche sehen, als sich eine ganze Reihe unserer Damen um ein wild dreinschauendes Hängebauchschwein schart, einen Eber von beeindruckenden Maßen, der auf einer Wiese vor der Kirche weidet. Na ja, die vielen Fotos werden es beweisen.
Zum Abschluss des ereignisreichen Tages geht es dann nach Thale. Wer seinen Faust gelesen hat, weiß, welche Rolle die Walpurgisnacht, die Nacht zum 1.Mai, da spielt. Auf dem Hexentanzplatz dreht sich alles um die Sage vom Hexensabbat.
Dann ist da noch der Roßtrappe-Felsen, von dem aus der Sage nach die Prinzessin Brunhilde auf ihrer Flucht vor dem liebestollen Ritter Bodo über das tiefe Tal eines reißenden Gebirgsstromes hinweg gesprungen sein soll. Den Abdruck des Pferdehufes kann man noch im Felsen sehen. Irgendwie erinnert mich das an den Pferdeabdruck auf der Nürnberger Burg, wo sich der Ritter Eppelein auf ähnliche Weise vor seinen Häschern in Sicherheit gebracht haben soll. Was zu dem Spruch geführt hat: "Die Nürnberger hängen keinen, sie hätten ihn denn". Aber das gehört eigentlich gar nicht hierher.
Die Harz-Rundfahrt
Den Abschluss unserer Tage im Harz bildet eine geruhsame Rundfahrt durch die weitgehend unberührte Natur des Harzes. Wir fahren über Lautenthal nach Wildemann, ca. 450 m über dem Meer gelegen. Auch hier ist die Gegend vom jahrhundertealten Bergbau geprägt. Bereits um 1200 wurde hier Erz gewonnen.
Dann geht es weiter nach Clausthal-Zellerfeld, bekannt durch seine Bergakademie, der Vorgängerin der heutigen Technischen Universität. Erst 1924 wurde die heutige Stadt durch Vereinigung der beiden Freien Bergstädte Clausthal und Zellerfeld gegründet. Zellerfeld geht auf eine um 1150 gegründetes Benediktinerkloster zurück. Gleichzeitig damit begann wohl der Bergbau. Mehrere Großbrände, darunter ein verheerender im 17. Jahrhundert, hinterließen große Verwüstungen. Auf einer Stadtrundfahrt sehen wir die in Fachwerk errichtete Marktkirche. Sie ist die größte Holzkirche Deutschlands.
Weiter fahren wir nach Hahnenklee, wo die Besichtigung der Nordischen Stabkirche auf uns wartet. Anschließend lassen wir uns über die Okertalsperre, Altenau., Sankt Andreasberg und Braunlage nach Elend kutschieren, wo eine in einer Gulaschkanone zubereitete köstliche Erbsensuppe mit Würstchen auf uns wartet. Nicht gerade die Haute Cuisine, aber in diese romantische Waldgegend passt sie .
Danach halten wir noch einmal in Stolberg, im Südharz. Dieser ist geprägt vom Karst, wie man an den weißen Gipsfelsen sehen kann. Stolberg ist aus einer kleinen Bergmannsiedlung, wie fast alle Orte hier, im 12.Jahrhundert entstanden, nachdem wahrscheinlich bereits um das Jahr 800 Kupfer, Silber und Gold gewonnen wurden.
Bergbau und Leineweberei brachten früh Wohlstand, wie man an den prachtvollen, mit Schnitzereinen verzierten Fachwerkhäusern sehen kann. Hervorzuheben sind das Ratshaus mit seiner wunderbaren Sonnenuhr und die Alte Münze, einem Schulbeispiel an allem, was einen Fachwerkbau auszeichnet. Bekannt ist Stolberg auch durch den hier 1489 geborenen Bauernführer Thomas Müntzer. Überragt wird das in ein Tal hineingepresste Städtchen von einem Schloss, das aber leider zur Zeit von Gerüsten umgeben ist.
Am Abend, vor dem Essen sitzen wir noch bei einem Glas Sekt zusammen.
Wir bedanken uns bei unserem lieben Charly, der uns mit Ruhe und Freundlichkeit all die Tage gefahren hat und unterhalten uns über die schöne gemeinsam verbrachte Zeit.
Im Lauf der Jahre ist durch diese Reisen eine echte Gemeinschaft entstanden. Ein paar neue Gesichter sind auch darunter und das ist gut so, denn es zeigt, dass das Interesse an unseren deutsch-französischen Unter-nehmungen weiter wächst.
Der letzte Tag schließlich ist geprägt von der raschen Fahrt nach Leichlingen, wo uns schon um die Mittagszeit ein zweiter Chauffeur erwartet, der am Morgen mit dem Thalys aus Paris angereist ist. Nach kurzem Stopp heißt es dann, wieder Abschied nehmen.
Gute Fahrt nach Marly!
À la prochaine fois.

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Lieber Hermann,
wir alle danken Dir ganz herzlich für die gute Leitung unserer schönen Harzreise!
Du hast die Fahrt prima organisiert und hattest immer alles fest im Griff.

Also merci beaucoup, cher Hermann, und - mit dem Rammelsberger Bergwerksgruß - "Glück auf" und "Berg heil" in zwei Jahren! Wir freuen uns schon!
Friederike Wohlfahrt


Ausflug der Städtepartnerschaftsvereine
"Rund um's Deutsche Eck"
von Sybille Schmidt


Winfried Reichwald, Vorsitzender des Henley-Clubs, hatte den diesjährigen Gemeinschafts-Ausflug der drei Leichlinger Partnerschafts-Vereine organisiert.
Zunächst ging die Busreise durch den Westerwald und wir besichtigten auf Schloss Sayn den "Garten der Schmetterlinge". Hunderte von exotischen Schmetterlingen fliegen frei in
Glaspavillons zwischen Bananenstauden, Orchideen und Palmen. Zwergwachteln mit ihren hummelgroßen Küken, Leguane und Schmuckschildkröten entzückten die Betrachter. Eine Biologin erklärte uns im "Raupenhaus" die verschiedenen Stadien des Schmetterlings-lebens. Gleich nebenan war noch das Rheinische Eisenkunst-Guss-Museum zu besichtigen.
Nach einem Mittagessen in Vallendar am Rheinufer starteten wir in herrlichem Sonnenschein zu einer Schifffahrt um's Deutsche Eck. Mosel und Rhein fließen hier bei Koblenz zusammen. Kaiser Wilhelm I hat sich hier eine kleine Insel ausgewählt für ein 37 m hohes Denkmal, da s er 1897 selbst eingeweiht hat.

Am Ende des 2. Weltkrieges wurde es zerstört und fortan als "Mahnmal der Deutschen Einheit" betrachtet. Aber die Koblenzer äußerten ihren Wunsch mit dem allseits bekannten Lied: "Wir wollen unseren alten Kaiser Wilhelm wieder haben.." 1987 wurde dies durch eine private Spende von 3 Millionen Mark ermöglicht. Das Reiterdenkmal wurde wiederaufgebaut und 1993 eingeweiht.
Gleich gegenüber dem Kaiserdenkmal konnten wir die Festung "Ehrenbreitstein", Europas größte Befestigungsanlage bewundern. Trotzig liegt der riesige Komplex 120 m über der Mosel. Sie diente verschiedenartigen Zwecken: als Zufluchtsort, Aufbewah-rungsplatz der Kirchenschätze, Kanzlei, Unterkunft adliger Herren, Waisenhaus, Gefängnis usw. Heute beherbergt die Festung u.a. das Landesmuseum Koblenz, das Bundesfilmarchiv, Wohnungen und eine viel besuchte Jugendherberge.
Mit dem Bus fuhren wir nun weiter der Mosel entlang Richtung Winningen. Das kleine Örtchen war gar nicht so einfach zu finden: drei Mal fuhr der Busfahrer zum Gaudi der Teilnehmer durch dasselbe Stadttor, aber schließlich schafften wir es doch. Wir verteilten uns eilig in dem Weindörfchen auf der Suche nach einem guten "Viertele". Und nachher auf der Rückreise wurden die kulinarischen Erfahrungen ausgetauscht.
Wir verbrachten einen richtig schönen Tag zusammen. Auch der Funchal-Club möchte nun immer an den gemeinsamen Ausflügen teilnehmen - eine nette Gelegenheit, einander näher kennen zu lernen! Wir freuen uns schon, wenn im nächsten Jahr Lothar Becker, Vorsitzender des Funchal-Clubs, den Ausflug organisieren wird.

"Lesezeichen im SinnesWald" zum Thema Freundschaft
Die Aktion ‚Lesezeichen im SinnesWald' - veranstaltet am 16. Juli 2004 von der Stadtbücherei mit ihrem Förderverein und der Spinnerei Braun & Brudes - stand in diesem Jahr im Zeichen der 40-jährigen Städtepartnerschaft.
Die vorgetragenen Texte drehten sich um das Thema "Freundschaft".
"Steigen Sie auf meinen fliegenden Teppich ins Märchenland." Mit diesen Worten lud Christiane Stegemann zum Zuhören ein.
Eingeladen von den Gastgebern, war sie extra aus Marly-Le-Roi angereist. Eindrucksvoll erzählte sie das Märchen "le conte des sables" auf französisch und deutsch.
Weitere Vorträge hielten :
Otto Schäfer, Vorsitzender des Fördervereins, aus: Wilhelm Busch - Maler Klecksel und die Freunde aus ‚Zu guter Letzt',
Maria Gorißen, Gründerin des Fördervereins, aus: Eric-Emmanuel Schmitt - Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran,
Sybille Schmidt, Vorsitzende der Marly-Clubs, aus: Robert Sabatier - Geburt einer Freund-schaft,
Ursula Batz, aktiv auf dem Gebiet der Völkerverständigung, aus: Raymond Queneau - Stilübungen,
Jacqueline Gille, Künstlerin, aus : Antoine de Saint-Exupéry - Der kleine Prinz und…
Jörg Allkämper, Träger des Ordens Chevalier de l'Ordre National Du Mérite: Aphorismen über die Freundschaft aus franz. und deutscher Literatur.
Musikalisch einfühlsam untermalt wurden die Erzählungen durch das Familientrio aus Geigen und Violoncello von Vater Hermann-Josef Sanders, seiner Tochter Mechthild Otto vor dem Gentschen Felde sowie Enkel Knud. Die klassischen Töne von Aeschbacher, Pepusch und Breval verschafften den zahlreichen Gästen einen zusätzlichen Genuss.
Wicze Braun & Wolfgang Brudes


Nous remercions beaucoup tous ceux qui ont bien voulu participer à notre 20e édition.
A tous et à toutes JOYEUX NOEL et BONNE ET HEUREUSE ANNÉE !
Wir danken herzlich allen, die unsere 20. Ausgabe möglich gemacht haben. Sie, liebe Leser, haben sicherlich mit besonderer Spannung und Freude auf die Berichte gewartet, zumal Ihr Interesse und Neugier durch kurze Informationen in den Zeitungen schon vorab geweckt wurden.
Ihnen allen wünschen wir eine schöne Weihnachtszeit und einen guten, schwungvollen Übergang ins Jahr 2005

Impressum

Redaktion:
Basilisse Pflüger Sybille Schmidt
Am Treppchen 7 Hüschelrath 1
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