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Info-Blatt Nr. 28 - November 2008

 

Mont Saint Michel

In eigener Sache

Liebe Vereinsmitglieder und Freunde der Städtepartnerschaften,das Jahr 2008 neigt sich langsam dem Ende zu. Auch in der zweiten Jahreshälfte hatten wir wieder schöne gemeinsame Erlebnisse im Rahmen der Städtepartnerschaften und unseres Vereins.

Im Juli fand eine weitere Veranstaltung im Rahmen der Wiederbelebung unserer Partnerschaft auf musikalischem Gebiet statt. Auf Initiative von Basilisse Pflüger hat der Freundeskreis Marly zusammen mit der evangelischen Kantorei Leichlingen den Organisten Cyrille Perret aus Marly eingeladen. Im Rahmen des "Leichlinger Orgelsommers" gab Ms. Perret ein Konzert, das großen Anklang bei den Besuchern gefunden hat. Den Organisatorinnen B. Pflüger, Bettina Strübel und allen, die ihr bei der Gestaltung des Abends geholfen haben, gilt unser herzlicher Dank.

Ende August führte die deutsch-französische Kulturreise zum Mont St. Michel. Lesen Sie in dem Bericht von Dr. H. Brandl, wie abwechslungsreich und interessant diese Reise gewesen ist. Und wie immer bei diesen gemeinsamen Reisen hat auch diesmal die Freude an dem Miteinander der Reise den besonderen "Gout" verliehen! Den Organisatoren Hermann Brandl auf deutscher Seite und Bruno Cronier auf französischer Seite gilt unser ganz besonderer Dank für die Planung und Durchführung dieser schönen Reise.

Im September waren wir wieder auf dem Stadtfest präsent und haben mit unseren selbstgebackenen Spezialitäten und leckerem Wein viel Kundschaft angelockt. Un très grand merci an alle Bäcker/innen und Helfer/innen!

Im Oktober hatten Vici Wex und Maja Momm einen Ausflug nach Düsseldorf organisiert. Unsere Stadtführerin Frau Uta Pollmann hat uns während einer Stadtführung viele neue Eindrücke von unserer Nachbarstadt vermittelt. So verbrachten wir einen interessanten gemeinsamen Tag und bedanken uns sehr herzlich bei den Organisatorinnen.

Liebe Vereinsmitglieder, ich freue mich schon auf schöne gemeinsame Erlebnisse mit Ihnen auch im Neuen Jahr. - Aber vorerst wünsche ich Ihnen allen eine schöne und besinnliche Advents- und Weihnachtszeit.Mit lieben Grüßen
Ihre Sybille Schmidt

Termine 2009
Sonntag, 25. Januar um 11.30 Uhr im Bürgerhaus Neujahrstreffen des Marly-Clubs
Mittwoch, 4. März um 19.30 Uhr im Café Strieker Mitgliederversammlung
21. - 24. Mai (Himmelfahrt) Bürgerreise nach Marly
9. - 14. August Deutsch-Franz. Kulturreise nach Berlin
27. Juni Ausflug der Städtepartnerschafts-
vereine an den Möhnesee, Besichtigung der Stadt Soest
19./20. September Stadtfest
1. April, 1. Juli, 4. November

"Table Ronde" im Rasa Malaysia

 

 

Persönliches
von Sybille Schmidt

Geburtstage

Am 12. Juni wurde Annemarie Trapp 90 Jahre alt. Annemarie ist schon über Jahrzehnte mit ihrem verstorbenen Mann Peter mit dem Freundeskreis und der Städtepartnerschaft verbunden und hat mit ihrem lieben Wesen viele Freunde gewonnen. - Wir gratulieren Dir ganz herzlich, liebe Annemarie und freuen uns, dass Du nun wieder öfters an den Aktivitäten der Senioren teilnimmst. Am 23. August feierte Brigitte Krumpt ihren 80.Geburtstag. Wir gratulieren ihr ganz herzlich und wünschen weiterhin alles Gute! Brigitte lebt im Pilgerheim Weltersbach, findet aber immer den Weg nach Leichlingen zu den Aktivitäten der Marly-Senioren. - Bleibe weiterhin so aktiv, liebe Brigitte.

 

Nachruf

Im August ist Erna Hennig im Alter von 89 Jahren verstorben. Erna war schon längere Zeit von Krankheiten geplagt, aber sie hat sich nie unterkriegen lassen. Bis zuletzt hat sie mit Freude die Seniorentreffen besucht. - Wir sind traurig, dass sie uns verlassen hat.

 

 

 

Nachruf

Am 21. November 2008 verstarb unser langjähriges Mitglied Hans Kula im 86. Lebensjahr. Er hat sich von Anbeginn sehr für die Städtepartnerschaft mit Marly engagiert und ist ihr immer sehr verbunden geblieben. Mit seiner Aufgeschlossenheit, dem Interesse für die Kultur unseres Nachbarlandes und seinen ausgezeichneten Sprachkenntnissen hat er sich viele Freunde in Marly erworben. - Er war viele Jahre Vorsitzender des Arbeitskreises der Städtepartnerschaften, hat Schulklassen von Leichlingen nach Marly begleitet, bei der Organisation der Begegnungen geholfen und stets seinen speziellen Charme und seine Kultur eingebracht. - Seine Liebe zu den Sprachen hat er nach seiner Pensionierung als Oberstudienrat für Französisch und Englisch bis ins hohe Alter praktiziert: ein kleiner privater Kreis hatte stets Freude an seinem Französischunterricht. - Hans ist uns ein sehr lieber Freund gewesen, den wir sehr geschätzt haben und den wir nicht vergessen werden.

 

 

Unsere Mitglieder berichten


Cyrille Perret: Ein Orgelabend besonderer Art


Das Programm verlangte Verständnis für Musik verschiedener Stilrichtungen und so erwartete das Publikum mit großer Spannung den Auftritt des französischen Organisten, welcher auf Einladung der Kantorei der evangelischen Gemeinde und des Freundeskreises Marly-Le-Roi nach Leichlingen kam, um an dem Orgelsommer der evangelischen Kirche teilzunehmen. Frau Bettina Strübel begrüßte die Anwesenden und stellte Cyrille Perret vor. In seiner Begrüßung bedankte er sich und äußerte seine Freude, in Leichlingen spielen zu dürfen - was wiederum von Frau Strübel perfekt übersetzt wurde. Beim Anblick dieses jungen, schmalen Mannes (C.P. ist 23 Jahre alt) dachte man vielleicht an einen zarten Mozart- oder Chopin-Interpreten; jedoch belehrte das Programm das Publikum eines Besseren! Bach - Brahms - Messiaen ! Was würde das wohl geben - und das Ergebnis war fantastisch. Es begann mit einer Fantasie von J.S. Bach in G-Dur. Im "Très vitement" zeigte C. Perret seine ausgezeichnete Technik durch träumerische, klare schnelle Läufe. "Gravement" bildete einen Kontrast zu dem 1. Teil; "Lentement" ließ uns perlende Arppeggien, begleitet von einem abwärtsschreitenden Baß hören. Der Einstieg ins Programm war gelungen und gespannt wartete das Publikum auf das nächste Stück: "Suite de deuxieme ton" von Louis-Nicolas Clérambault. Die Suite im 2. Ton beinhaltet sieben Stücke. Die ersten 3 Sätze sind im Stile Couperin' s komponiert, während beim "Brasse de Cromorne" der Zungenklang im Baß bleibt - bei "Flute" stimmte einfach alles: die Registrierung, sowie die Spieltechnik von C. Perret. Es entstand der Eindruck, dass ein ganzer Vogelschwarm durch die Kirche flog.
Johannes Brahms (1833 - 1897) schrieb 11 Choralvorspiele, von denen Nr. 11 zu Gehör gebracht wurde. Der Beginn von "O Welt, ich muß dich lassen" erklang in gewohnter Weise des Vorspiels, gefolgt von einem zarten Pianissimo, das im Wechsel mit dem Thema gespielt wurde. So konnte sich die gesamte Aufmerksamkeit auf das Kirchenlied konzentrieren. Die Besonderheit dieses Stückes zeigt sich in der 2-maligen Wiederholung des Schlusses jeder Zeile, so hörbar als doppeltes Echo.
Alexandre-Pierre- Francois Boely (1785 - 1858). Dieser französische Komponist brachte Bach in Frankreich wieder ins Gespräch; Boely kam 100 Jahre nach Bach in Versailles auf die Welt - damit ergibt sich eine Verbindung von Bach zu Boely wieder zu Cyrille Perret, der ebenfalls in Versailles geboren ist. Boely ist als Komponist nicht sehr bekannt; seine Musik war stilistisch grenzgängerisch, zukunftweisend wie reaktionär. Seine eigenwilligen Kompositionen entsprachen nicht dem Stil der Zeit. Die Fuge op. 18 überraschte uns mit frischem Spiel, das uns durch ein klar gegliedertes Thema führte.

Für mich kam jetzt der Höhepunkt des Konzertes: Olivier Messiaen's "Dieu parmi nous" aus"La Nativité". Bei "La Nativité" handelt es sich um 9 Meditationen über einzelne Aspekte der Geburt Jesu in Bethlehem. - Nr. 9 "Dieu parmi nous" - Gott unter uns - wurde nach dem Bibelwort"Das Wort ist Fleisch geworden und wohnt unter uns" komponiert. Diese Musik ist unbeschreiblich vielseitig und man würde viele Seiten benötigen, um ihr gerecht zu werden. Allein das Zuhören traf tief in das Herz: wie kann dieser junge Mann diese Musik so fantastisch gestalten - und wenn seine musikalische Entwicklung sich weiterhin so gradlinig steigert - welche Höhen wird er dann noch erklimmen!

Man hatte das Gefühl, all sein Herzblut steckt in dieser Ausführung. Kopf und Geist waren zum Zerreißen gespannt - und dann war es zu Ende. Nach einem langen inneren Nachhall, einem tiefen Seufzer und die normale Welt holte uns zurück.

Zum Abschluss besänftigte Cyrille Perret mit der Fuge e-moll von J.S.Bach die Gemüter und versöhnte die Zuhörer mit den verschiedenen Stilrichtungen. Ein langer, kräftiger Applaus zeigte, wie begeistert die Zuhörer waren. Durch den großen Bogen von Bach zu Messiaen kam zu keinem Zeitpunkt Langeweile auf. C.P. faszinierte nicht nur durch seine Brillanz, sondern überraschte ebenso durch geschickte Manualwechsel und fein abgestimmte Registrierungen und zeigte somit sein großes Verständnis für die verschiedenen Stilepochen.

Im Anschluss an das Orgelkonzert gab die Ev. Kirchengemeinde einen kleinen Empfang, bei dem man die Gelegenheit erhielt, sich mit dem frz. Organisten zu unterhalten. In lockerer Atmosphäre mit Appetithäppchen (vom Freundeskreis Marly zubereitet) und mit Getränken von der Ev. Gemeinde entstand unter den Besuchern ein reger Gedankenaustausch.

Cyrille Perret, der als zweites Kind von 6 Geschwistern geboren wurde, stammt aus einer hochmusikalischen Familie. Geboren in Versailles, zog die Familie - durch die Vergrößerung - nach Marly-Le-Roi, wo Basilisse Pflüger ihn im Jahr 2007 kennen lernte. Über die Städtepartnerschaft kam C.P. zum Orgelsommer der Ev. Kirche in Leichlingen.

Es wäre schön und wünschenswert, wenn ein musikalischer Austausch auch mit Kirchenmusik sich zwischen Frankreich und Deutschland entwickeln würde.

Cyrille Perret zeigte ein musikalisches Wissen und eine Präsenz, die man in diesem Alter noch nicht erwartet. So kann man nur hoffen, dass er seinen eingeschlagenen Weg zielstrebig fortsetzt und dieser auch weiterhin mit Erfolg gekrönt ist. - Alles Gute, Cyrille Perret.

Gaby Mühlbauer

Reise in die Bretagne und Normandie

vom 6. bis 12. September 2008

Als Charly den Bus vor dem Gare du Nord zum Halten bringt und wir aussteigen, um uns von unseren französischen Freunden zu verabschieden, können wir auf wunderschöne gemeinsame Tage zurückblicken, die wir in der Bretagne und der Normandie verbracht haben.

Eigentlich waren wir ja nur in der Bretagne, wäre da nicht die Tatsache, dass ausgerechnet der Mont Saint Michel von den Normannen "erobert" worden ist. Dies wird natürlich von den Bretonen völkerrechtlich nicht anerkannt, aber es bleibt eine Tatsache, dass das Flüsschen Couesnon die Bretagne von der Normandie trennt und der Mont Saint Michel nun einmal auf der rechten Uferseite liegt, wenn auch nur ein paar Meter. Diese für einen echten Bretonen traurige Tatsache wird in folgendem Vierzeiler beklagt:

Le Couesnon
Dans sa folie
Mit le mont
En Normandie


Egal, ob Bretagne oder Normandie, dieses einmalige Wunder der Baukunst, "La Merveille de l'Occident", das "Wunder des Abendlandes", gehört allen Franzosen und darüber hinaus der ganzen Menschheit.

Die Bretagne war bis 1532 ein unabhängiges Herzogtum, und auch heute legt man noch großen Wert auf die Eigenständigkeit, die sich unter anderem in einigen Schulen mit Bretonisch als Unterrichts- und Französisch als 1. Fremdsprache dokumentiert.

Erst als Anne de Bretagne 1491 Charles VIII. von Frankreich und danach auch noch Louis XII. heiratete, nahm das Schicksal seinen Lauf. Ihre Tochter Claude, die "Reine Claude", hatte neben dem Namen für die entsprechende Pflaumensorte auch der Eigenständigkeit der Bretagne den Rest gegeben, denn als sie Francois I. heiratete, schloss sie schließlich1532 die Bretagne offiziell an Frankreich an.

Nachdem diese geschichtlichen Grundlagen durch Bruno im Bus dargelegt worden waren, kamen wir in Dinard an,
dem touristischen Zentrum der "Côte d'Emeraude", wo wir im Hotel "Printania", direkt am Meer logierten. Mit Ausnahme von wenigen Unglücklichen, hatten alle einen wunderbaren Blick auf das Mündungsgebiet der Rance, das mit Hunderten von Booten garniert war. Zweimal am Tag konnte man da die Ebbe und Flut beobachten, deren Rauschen den Tag sanft ausklingen ließ. Gegenüber, auf der anderen Seite des Flusses lag das malerische Küstenstädtchen Saint Malo.

Aber der Reihe nach. Der erste Besuchtag gehörte natürlich dem Mont Saint Michel. Allein schon seinetwegen hätte sich der lange Weg gelohnt. Es gibt sicher nicht viele Reiseziele auf der Welt, die den Begriff "La Merveille" für sich in Anspruch nehmen können. Aber dieser Ort gehört bestimmt dazu. Schon wenn man sich ihm von fern nähert, ist man ganz aufgeregt, wie er plötzlich aus der Ebene aufragt.


Wir hatten das Glück, am Sonntagmorgen da zu sein, als es noch relativ leer war. So ein "Wunder des Abendlandes" spricht sich natürlich in der ganzen Welt herum und so sind es an manchen Tagen mehrere zigtausend Besucher, die sich die einzige enge Strasse hinauf- und herunterwälzen. Dies zu beobachten hatten wir aber erst nach dem Mittagessen Gelegenheit, wo uns das renommierte Omelette Poulard serviert wurde, ein Omelette, worin man das Hühnchen vergeblich sucht. Das Omelette verdankt nämlich seinen Namen der "Mutter Poulard", die das schnell zuzubereitende Omelette aus viel Eischaum für hungrige Pilger kreiert hat. Man wäre kein richtiger Franzose, wenn man daraus nicht eine Spezialität gemacht hätte.

Der Mont Saint Michel, diese architektonische Großtat auf einem 80 m hohen Granitkegel in einer Bucht von 45000 Hektar, ist Schauplatz von gewaltigen Gezeitenwechseln, die bei Voll-und Neumond bis zu 15 Meter Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser erreichen.

Fügt man noch Gewitter, Nebel und Treibsand hinzu, dann kann man ermessen, welche Gefahren für den unvorsichtigen Wanderer entstehen können, der glaubt, bei Ebbe leicht zum Berg hinüber laufen zu können.

Der Mont Saint Michel kämpft allerdings gegen das Problem der Versandung, weil die Flut mehr Ablagerungen mitbringt, als die Ebbe wieder zurücknimmt, was man in der Vergangenheit aber auch genutzt hat, um Neuland, die so genannten Polder, zu gewinnen.

Um den Felsen nicht bald auf solidem Grund stehen zu sehen, wurde ein großes Projekt angestoßen. Man will im Fluss Couesnon mit Hilfe eines raffinierten dammartigen Systems Meerwasser bei Flut anstauen und dann schlagartig mit hohem Druck ins Meer zurückpumpen, um so den Sand zurückzuspülen. Ob das allerdings klappt? Es gibt jedenfalls Leute, die skeptisch sind.

Die Abtei Mont Saint Michel und das dazugehörige Dorf sind ein einzigartiges Bauwerk. Der Grundriss ist schneckenförmig um den Granitfelsen angelegt. Die Abteikirche auf dem Gipfel ruht auf Krypten, die eine Plattform bilden, die das Gewicht der Kirche tragen.

Dies alles hat im Jahr 708 angefangen, als Aubert, der Bischof von Avranches auf dem Berg ein Heiligtum zu Ehren des Erzengels Michael errichten ließ. Im 10. Jahrhundert ließen sich Benediktiner in der Abtei nieder, während sich darunter ein Dorf entwickelte.

Im Hundertjährigen Krieg zwischen England und Frankreich erwies sich der Mont Saint Michel als uneinnehmbar und so wurde er auch zum Symbol nationaler Identität. Während der Revolution wurde die Klostergemeinschaft aufgelöst und die Abtei bis 1863 Gefängnis. 1874 schließlich wurde sie zum Baudenkmal erhoben. Seit 1979 gehört der Mont Saint Michel zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Man könnte jetzt noch lange von den vielen Eindrücken erzählen, die sich beim geführten Rundgang durch die Gebäude angesammelt haben. Das aber würde den Rahmen sprengen. Aber eines sollte noch gesagt werden: der Besuch dieses unvergleichlichen Bauwerks wird uns unvergesslich sein.

Am Nachmittag schloss sich noch ein Besuch im Marinemuseum und im Archeoscope an, wo uns in einer Multimediashow diese Anlage zur Ehre Gottes noch einmal vor Augen geführt wurde.Bevor wir dann diesen Tag beschlossen, hatten wir noch Gelegenheit, auf der Grande Rue die mittelalterlichen holzverkleideten Häuser - wenn auch zusammen mit mittlerweile einigen anderen Pilgern - zu bewundern.Schön war es dann noch am Abend beim gemeinsamen Essen. Vom Restaurant aus konnten wir das Meer sehen und bei einem 3-Gang-Menü kam beim guten französischen Wein auch stets die richtige Stimmung auf.

Der zweite Besuchstag führte uns dann zurück über die Rance zum gegenüber dem Hotel gelegenen Städtchen Saint Malo, der Stadt der Korsaren, wie sie auch genannt wird. Ein Korsar ist ein vom König legitimierter Seefahrer, den man aber besser mit Seeräuber beschreiben kann. Der Unterschied zum Piraten besteht darin, dass man letzteren bei der Festnahme aufhängt, während ersterer durch Vorlage seines königlichen Legitimationsschreibens ungeschoren davonkommt. Am Nachmittag dieses Tages bekamen wir dann auch ein großes Haus eines Korsaren, das "Hôtel d'Alsfeld" zu sehen, wo uns die für den Handel der damaligen Zeit bedeutende Stellung dieses Herrn vor Augen geführt wurde. Diesen Seefahrern und Händlern, die auf der ganzen Welt zu Hause waren, verdankte Saint Malo seinen ungeheueren Reichtum im 17. und 18. Jahrhundert. Ihre Häuser mit den riesigen Kellern zum Lagern der Waren sieht man die Bedeutung, die sie für die Stadt hatten, an.Die Einwohner der Stadt sind bis heute auf ihre Geschichte stolz. Dies dokumentiert ihr Leitspruch: "Bewohner von Saint Malo bin ich, Bretone vielleicht, Franzose, wenn was übrig bleibt".

 
Saint Malo


Vor dem Besuch des Korsarenhauses wurde uns aber bei einem ausführlichen Stadtrundgang diese ehemalige Meeresfestung Saint Malo gezeigt. Ihre aus Granit errichtete Altstadt ist von einer historischen Stadtmauer vollständig umgeben, auf der man rundherum spazieren kann. Zahlreiche Türme, wie z.B. der Quic en Grogne, und die Burg, beweisen die einstige Wehrhaftigkeit des ins Meer hinausragenden Ortes. Da häufige Angriffe, besonders von den Engländern zu erwarten waren, hat man die Wasserspeier der Kathedrale als Kanonen ausgebildet, um so dem Feind einen gehörigen Schrecken einzujagen. 1661 wurde die Stadt durch ein Feuer weitgehend zerstört, später durch Vauban und Garangeau aber wieder aufgebaut.

In Saint Malo, das seinen Namen dem walisischen Mönch Mac Low verdankt, wurden so bedeutende Männer wie Cartier, der Entdecker Kanadas, Chateaubriand, Schriftsteller und Politiker, Surcouf, der Korsar und Lamennais, katholischer Theologe, geboren. Cartier, der schon den St. Lorenzstrom hinauffuhr und Montreal gründete, soll beim Anblick der ersten Eisbären gesagt haben, dass er Bären gesehen habe, die so alt waren, dass sie schon weiß waren.

1944 schließlich wurde die Stadt durch Bombenangriffe zu 80% zerstört. Es gelang jedoch, ihren Charakter durch einen geschickten Wiederaufbau weitgehend zu erhalten.Auf dem Heimweg nach Dinard wurde uns dann noch das Gezeitenkraftwerk in der Rance erklärt, das die ungeheueren Energien, die Ebbe und Flut mit sich bringen, ausnutzt.Natürlich war der Tag wieder mit zwei hervorragenden Mahlzeiten garniert - wenn man von dem stets leckeren französischen "Petit Dejeuner" mit den knackigen Baguettes und den himmlischen Croissants einmal absieht . Das Mittgessen an dem unser Charly diesmal als Tourist teilnahm, weil er seinen freien Tag nehmen musste, fand in dem schönen Restaurant Chateaubriand statt. Besonders die Fischsuppe sollte sich eingeprägt haben.

Am dritten Tag fuhren wir, diesmal wieder mit Charly, der Rance entlang flussaufwärts, etwa 20 km, in das mittelalterliche Städtchen Dinan. Bereits im 9.Jahrhundert durften sich mit Erlaubnis des "ersten Königs der Bretagne", Nominoe, Mönche auf dem Hügel über der Rance niederlassen, gegen das Versprechen, ein Kloster für die Gebeine eines Heiligen zu gründen. Man muß wissen, dass es in der Bretagne 7777 Heilige gibt. Also klauten sie die sterblichen Überreste des Heiligen Magloire, des ehemaligen Erzbischofs von Dol und legten so den Grundstein für das spätere Dinan.

Der Ort liegt hoch über dem Fluss und ist ein Musterbeispiel einer mittelalterlichen bretonischen Stadt. Von einer vollständig erhaltenen Stadtmauer umgeben, bildet die Kathedrale Saint Saveur den würdigen Mittelpunkt, wo auch der Held der Stadt, der jüngste Armeechef Frankreichs, Bertrand Du Guesclin, begraben liegt, das heißt, wenigstens einer seiner vier Teile, nämlich das Herz. Er war nämlich so berühmt, dass man ihn einbalsamieren wollte. Also wurden die Eingeweide entnommen und am Ort seines Todes - er starb als echter Soldat nämlich im Bett - beigesetzt. Die Knochen gingen an Frankreich, weil er sich als Held im Hundertjährigen Krieg um das ganze Land verdient gemacht hatte. Vorher trennte man noch sein Fleisch ab, das sich die Franziskaner unter die Nägel rissen.

Nach dem geführten Rundgang, vorbei am berühmten Glockenturm und einer Fülle von hervorragend erhaltenen Fachwerkhäusern trafen wir uns dann zum Mittagessen, für das Bruno uns schon eine französische Spezialität angekündigt hatte, nämlich eine Andouille. Nachdem die Vorspeise, eine Fischpastete, schon sehr vielversprechend ausfiel, waren wir voll der Erwartung. Dann kam sie, die Andouille, sanft auf einem Bett aus pürierten Kartoffeln präsentiert. Der erste Bissen allerdings hatte, wenigstens bei mir, ein gewisses Befremden zur Folge, denn ein strenger Geschmack war das mindeste, mit dem ich dieses runde, wurstähnliche Gebilde beschreiben könnte. Ein Blick in die Runde zeigte mir aber - dass man, auch ohne zu wissen, wer Deutscher oder Franzose war, dies sofort an den Mienen beim Goutieren der Andouille unterscheiden konnte.

Bruno hat uns dann hinterher die Andouille näher beschrieben und den Satz eines bekannten französischen Cusiniers zitiert, der gesagt hat: "Pour que une Andouille soit bon, il faut, qu'on sent un tout petit peu la merde". Ich erspare mir die Übersetzung, weil es auf Französisch einfach eleganter klingt.

Anschließend fuhren wir dann nach Dinard zurück und bestiegen ein Boot, das uns der bretonischen und normannischen Küste entlang bis nach Cancale brachte, wo man in der Ferne wieder den Mont Saint Michel, diesmal aber von der Seeseite aus, sehen konnte.Der nächste Tag gehörte Rennes, der Hauptstadt der Bretagne. Diesen Titel muss sich Rennes allerdings mit Nantes teilen.Den Hauptstadtcharakter kann man an den eleganten und imposanten Bauten aus dem 18.Jahrhundert mit Arkaden aus Granit und Etagen aus Tuffstein erkennen, die im reizvollen Kontrast zu den mittelalterlichen Gassen mit ihren Fachwerkhäusern stehen.

Seit dem 5.Jahrhundert ist Rennes Bischofsitz und Residenzstadt der bretonischen Herzöge. Sie wird nach dem Anschluss der Bretagne an Frankreich durch die Errichtung des bretonischen Parlaments im Jahre 1562 privilegiert. Wie viele Städte ist auch Rennes Opfer einer Feuersbrunst geworden, die 1720 große Teile der Stadt zerstört hat. Das vom königlichen Architekten Gabriel wieder aufgebaute Stadtzentrum wurde Schauplatz der ersten Ereignisse der französischen Revolution.

Den Nachmittag verbrachten wir dann mit einer Führung durch das bretonische Parlament. Der Begriff Parlament trifft dabei nicht zu, denn Frankreich ist nicht wie Deutschland föderal aufgebaut. Es handelt sich vielmehr um den obersten Gerichtshof, dessen Aufgabe darin bestand, königliche Verordnungen und Schreiben zu registrieren. Dieser Gerichtshof hatte das Recht, dagegen Einspruch zu erheben.

Das prächtige, im Barockstil Ludwig XIII. erbaute Gebäude aus Granit im Erdgeschoß und Tuffstein in den oberen Stockwerken, ist im Inneren mit wunderbaren Decken-vertäfelungen ausgestaltet.

In Rennes
 

 

Dann neigte sich unser Besuch leider bereits wieder dem Ende zu. Die Tage waren so schnell vergangen und mit so viel Sehenswertem angefüllt, dass der letzte Tag etwas ruhiger gestaltet wurde.

Zunächst brachen wir auf zum Pointe du Grouin, einem Felsvorsprung, der weit in die Bucht des Mont Saint Michel hinausragt und einen der schönsten Panoramablicke über die Küsten der Bretagne und Normandie ermöglicht.

Dann ging es weiter nach Cancale, einem Fischerstädtchen, das weltberühmt für seine Austernzucht ist. Der Besuch einer Austernfarm war für den Nachmittag vorgesehen, aber vorher gab es noch wunderbare "Plateau de fruits de mer" zum Mittagessen.

 

Es sah aus wie im Operationssaal, wenn man all die UInstrumente auf beiden seiten des Tellers sah. Aber mit Hilfe unseres erfahreren gourmets Francais wurde das alles spielend bewältigt.

Nach diesem Genuss kam dann der Unterrichtsteil mit dem Fach Austernzucht. Diese Technik ist eine Wissenschaft für sich. Die jungen Austern werden an der Südküste der Bretagne, im Golf von Morbihan vorgezogen und als fingernagelgroße Muscheln nach Cancale gebracht. In besonderen Taschen, die auf Metallgestellen liegen, werden die Tiere dann in drei bis vier Jahrenherangezüchtet, wobei sie mehrmals im Jahr von Hand gerüttelt und gewendet werden, damit die Muscheln sich nicht aneinander festsetzen. Außerdem ist es wichtig, dass auch das Wasser bei Ebbe die Austern ständig umspült.

Nach dieser Lehrstunde war die Voraussetzung geschaffen, sich wieder an den gedeckten Tisch zu setzen und bei der folgenden Degustation die Auster bei einem Glas Muscadet, jetzt aber fachkundig, zu verzehren. In Zukunft werden wir mitleidig lächeln, wenn neben uns im Restaurant irgendwelche Snobs die Austern falsch behandeln. Zu guter Letzt durften wir dann noch im "Musée de Coquillage" Muscheln aus aller Welt bestaunen.Damit war unsere wunderschöne Reise leider wieder zu Ende. Neben den vielen unvergesslichen Eindrücken war es, wie immer, der herzliche Kontakt mit unseren französischen Freunden, den wir auf so einer längeren Reise besonders intensiv erleben können.Bruno hat alles prima organisiert und wir haben ihm dafür gedankt und versprochen, alles zu tun, dass es im nächsten Jahr in Berlin eine ebenso schöne Reise geben wird. Auf der Autobahn konnten wir von fern den Mont Saint Michel noch einmal herübergrüßen sehen und dann brachte uns Charly pünktlich nach Paris, das trotz des Papstbesuchs nicht das befürchtete Verkehrschaos bot.
Diesmal haben wir den Thalys erwischt.

Hermann Brandl

"Kein schöner Land in dieser Zeit,
als hier das unsre weit und breit!"

Wir müssen tatsächlich gar nicht so weit fahren, unsere Heimat ist auch wunderschön! Das war die einhellige Meinung bei unserem diesjährigen Senioren-Ausflug ins Bergische Land.Zuerst fuhren wir zum "Hotel Kürten" an der Bevertalsprerre, wo wir zum Mittagessen einkehrten. Dabei hatten wir einen schönen Panoramablick. Dann schloss sich eine kleine Rundfahrt durch die abwechslungsreiche Natur an. An der Wuppertalsperre konnten wir uns nach Lust und Laune die Beine vertreten. Danach wartete schon die Kaffeetafel im "Hotel zur Post" in Hückeswagen auf uns. Das Café war mit all seinen Meißner Porzellanausstellungsstücken wunderschön. Und schon stiegen wir wieder in unseren Bus und besuchten ein Gartencenter.

Mit seinen Räumen voller unterschiedlichster Accessoires und mit seinem Außengelände hielt es für jeden Geschmack etwas bereit. Auf der Rückfahrt spielte Trudi auf ihrer Mundharmonika. Unser Volksliedersingen geriet uns dabei zwar etwas vielstimmig, aber in einem waren wir uns einig: Es war ein richtig schöner Ausflug!

Friederike Wohlfahrt


Auf den Spuren Heinrich Heines-
ein Ausflug nach Düsseldorf


Mit "wau wau" begrüßte der "Vereinshund" Nico die 18 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Düsseldorf-Ausflugs am Leichlinger Bahnhof. Nach zweimaligem Umsteigen erreichten wir Düsseldorf, wo uns Vici Wex, unser Düsseldorfer Vereinsmitglied bereits am Bahnhof erwartete. Dort trafen wir auch unsere charmante Stadtführerin Uta Pollmann, die uns gleich in eine lauschige Ecke des Hofgartens führte, wo uns ein Pärchen pechschwarzer Trauerschwäne begrüßte.
Zur Begrüßung erhält jeder ein Blatt vom Ginko-Baum, dem einzigen Baum der den Atombomben-abwurf von Hiroshima überlebt hat. vom Kurfürsten Jan Wellem für die Düsseldorfer Bürger gebaut, eine für damalige Verhältnisse außergewöhnliche Großzügigkeit.

 

Dies war ein Lieblingsort des Dichters Heinrich Heine, der 1797 in Düsseldorf geboren wurde und 1856 hoch angesehen im Exil in Paris starb. Später in der Bolkerstrasse erinnerten wir uns vor seinem Geburtshaus an sein Bekenntnis zu Düsseldorf, das er als 30jähriger verfasste:
"Die Stadt Düsseldorf ist sehr schön, und wenn man in der Ferne an sie denkt, und zufällig dort geboren ist, wird einem wunderlich zu Muthe. Ich bin dort geboren und es ist mir, als müsste ich gleich nach Hause gehn. Und wenn ich sage nach Hause gehn, dann meine ich die Bolkerstraße und das Haus, worin ich geboren bin."Doch zurück zu Düsseldorf, dem alten Fischerdorf an der Düssel, Bis heute hat sich ein gewisser dörflicher Charakter erhalten auch wenn die Innenstadt unter Napoleonischer Zeit als Klein-Paris bezeichnet wurde. Unsere Führerin zeigt uns die Neanderkirche, die als reformierte Kirche 30 m hinter der Hauptstrasse gebaut werden musste. Dies hatte den Vorteil, dass sie als einzige Kirche im Krieg nicht zerstört wurde. Weiter kommen wir durch kleine Gassen und Törchen so dass sich selbst dem Düsseldorf-Erfahrenen völlig neue Gesichtspunkte eröffnen.

Die Düsseldorfer haben sich 1288 an der Schlacht zu Worringen beteiligt. In dieser Schlacht lehnte sich die Bevölkerung Düsseldorfs unter dem Graf Adolf V. von Berg gegen den Kölner Erzbischof auf, der zu dieser Zeit das Rheinland für sich beanspruchte. Als Dank hierfür erhielt Düsseldorf im gleichen Jahr die Stadtrechte. Hieran erinnert das "Stadterhebungsmonument" von Bert Gerresheim, das nicht etwa den Sieg in der Schlacht bei Worringen verherrlicht sondern die Schrecken des Krieges brandmarkt.

 

 

 

In der Altstadt bestaunten wir das vier Meter hohe Bronze-Reiterstandbild des Kurfürsten Johann Wilhelm von Pfalz-Neuenburg, kurz Jan Wellem genannt. Es wurde im Auftrag der Bürgerschaft 1711 gefertigt.


In der urigen Brauerei "Zum Schiffchen" spiegeln sich über 380 Jahre Düsseldorfer Stadtgeschichte. Hier kann man sich bei einem zünftigen Altbier von der Lauferei erholen und "Rheinische Spezialitäten" genießen.

Am Nachmittag ging es dann ins Hafen- und Medienviertel, wo uns zunächst das Stadttor imponiert. Hier haben der Ministerpräsident und die Staatskanzlei ihren Sitz.

Ferner faszinierten die Bauten von Frank O. Gehry (USA). Die drei Gehry-Bauten folgen keiner Symmetrie und der Betrachter wundert sich ob der schiefen, krummen und verwinkelten Bauweise, dass die Gebäude tatsächlich stehen bleiben. Die Außenfassaden der drei Turmkomplexe wurden unterschiedlich gestaltet: Ein Teil in strahlendem weiß verputzt, der andere mit roter Backsteinfassade und der mittlere Teil mit silbrigen Blechen verkleidet - in denen sich die beiden anderen Gebäudekomplexe spiegeln. In die verzogenen und schrägen Außenfassaden wurden scheinbar völlig willkürlich über 1.500 unterschiedliche Fenster eingesetzt, die alle individuell in die Fassade eingefügt werden mussten.

Den beiden Organisatorinnen Vici Wex und Maja Momm gilt unser herzlicher Dank. Wir hatten einen sehr schönen Ausflugstag. Dies fand auch Nico, der sich am Bahnhof Leichlingen mit einem Schwanzwedeln von allen Mitreisenden verabschiedete.
Hartmut Schmidt

 

Die Weihnachtsfeier der Senioren findet am 18. Dezember um 15 Uhr im DRK-Haus in der Mittelstraße statt. Friederike Wohlfahrt, die Seniorenvertreterin, organisiert diese Feier immer besonders schön und feierlich.


Ganz herzlichen Dank für die interessanten Beiträge in diesem Info-Blatt! Freuen Sie sich nach dem schönen Bericht von Dr. Hermann Brandl auch schon auf die nächste Kulturreise?


Redaktion: Sybille Schmidt
Layout und Webmaster: Hartmut Schmidt

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