Infoblatt Nr. 29 - Juni 2009


In eigener Sache


Liebe Vereinsmitglieder und Freunde der Städtepartnerschaften,

lassen wir vor der Sommerpause noch einmal gemeinsam die Aktivitäten unseres Vereins im vergangenen halben Jahr Revue passieren:

Zum Ausklang des Jahres 2009 hatte Friederike Wohlfahrt für die Senioren wieder eine gemütliche Weihnachtsfeier im DRK-Haus gestaltet.

Anfang Januar zeigten wir in Zusammenarbeit mit dem "Kinder- und Jugendkino you.c Leichlingen" im evangelischen Gemeindehaus den französischen Film "Paris". Die Besucher hatten mit Wein, Knabbereien und Kuschelsofa sowie einem exzellenten Film ein echtes Kinoerlebnis! Wir danken den engagierten jungen Veranstaltern!

Unser Neujahrstreffen im Januar wurde durch einen Film von Heinz-Bert Wojahn bereichert. Er hatte die Erlebnisse der Kulturreise 2009 zum Mt. St. Michel zu einem schönen Film zusammengestellt. Wir danken dem Regisseur Heinz-Bert Wojahn sehr herzlich für all seine Arbeit.

Die Mitgliederversammlung fand am 4. März im Bürgerhaus statt und war gut besucht.

Am 28. März haben sich einige (wenige) Mitglieder unseres Vereins an der Putzaktion der Stadt Leichlingen beteiligt. Mit großen Säcken, Zangen und Handschuhen bewaffnet haben wir in einigen Straßen für "Ordnung" gesorgt - Spaß und Arbeit gingen Hand in Hand!

Die Krise macht sich auch in Leichlingen bemerkbar: Beate Binyusof musste ihr Restaurant "Rasa Malysia" leider schließen. Wir bedauern das sehr. Unser nächster "Table Ronde" findet deshalb am 1. Juli 2009 um 19 Uhr im Restaurant 11B in der Bahnhofstraße statt.

Und vom 21. - 24. Mai fand unsere Bürgerreise nach Marly statt. Nach einem leckeren Picknick aus den Vereinsküchen pausierten wir in Charleville-Mézières zu einer Stadtführung. Leider wirkte das Städtchen wegen des Feiertags etwas verschlafen - und unser Stadtführer hat sich dieser Stimmung harmonisch angepasst.

Der Empfang in Marly war sehr herzlich! - Die Fahrt durch die Normandie zu dem romantischen Örtchen Lyons-la-Fôret und der Besuch des Schlosses "Vascoeuil" mit seinen Gärten und dem Skulpturenpark waren einfach traumhaft schön. Die späte Ankunft in Marly haben die französischen Gastgeber nicht davon abhalten können, noch zu großen privaten Dinnerpartys einzuladen; wir konnten nur staunen, wie locker sie das angehen ließen und verbrachten fröhliche und gelungene "Soirées". - Die Vernissage des Leichlinger Künstlers Winfried Gille, organisiert von Braun/Brudes, fand großen Zuspruch und wurde gewürzt mit jazzigen Einlagen von Gabi Mühlbauer und Günter Weber. Winfried Gille und seine Frau Jaqueline waren begeistert von der überaus freundlichen Aufnahme, die sie bei Familie Lanquest und anderen Marlychois gefunden hatten. Wir freuen uns sehr, dass ihre ersten Erfahrungen mit einer Ausstellung in Frankreich so positiv ausgefallen sind. - Am Abend wurde dann ein lange gehegter Traum in die Wirklichkeit umgesetzt: die Wiederbelebung der musikalischen Jumelage auf klassischer Ebene. Drei Musikerinnen der Musikschule Leichlingen (Christiane Genschel, Josefine Kupper und Sarah Göpel) haben zusammen mit dem Orchestre de Marly und der Violinistin Raphaelle Pacault klassische Werke gespielt. Es war eine sehr schöne und gelungene Aufführung, die begeisterten Applaus erhielt. Basilisse Pflüger hat sich sehr für dieses musikalische Projekt eingesetzt und es konnte durch das große Engagement von Claude Roels und dem Orchestre de Marly sowie Andreas Genschel und den Musikerinnen in die Tat umgesetzt werden. Ihnen allen sei ganz herzlich gedankt! - Auch für die Musikerinnen war es der erste Besuch in unserer Partnerstadt und sie waren berührt von der herzlichen Aufnahme. - Für den Sonntag hatte Patrick Gautier einen Besuch des Télégraphe de Chappe organisiert, der den Teilnehmern einen interessanten Sprung in die Frühphase der Telekommunikation ermöglichte.

Insgesamt können wir sagen: wir hatten wieder richtig schöne Tage in unserer Partnerstadt, herzlichen Dank an Sylvie Jeszequel und ihr Team für die Planung des interessanten Programms. Die herzliche Verbundenheit mit unseren französischen Freunden zu fühlen, war wie immer das schönste Erlebnis bei unserem Treffen - und diese Verbundenheit währt nun schon 45 Jahre! Möge sie weiter anhalten und sich entfalten.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Sommerzeit und bin mit lieben Grüßen

Ihre Sybille Schmidt

Termine 2. Halbjahr 2009

27. Juni Ausflug der Städtepartnerschaftsvereine an den Möhnesee
Planung Gabi Vesper, Vorsitzende des Henley-Clubs
01. Juli um 19 Uhr

"Table Ronde" im Restaurant 11 B in der Bahnhofstraße

09. - 14. August Deutsch-Französische Kulturreise nach Berlin
17. September Ausflug der Marly-Senioren
19./20. September Stadtfest
04. November "Table Ronde"
17. Dezember Weihnachtsfeier der Senioren im DRK-Haus
17. Januar 2010 Neujahrstreffen im Bürgerhaus um 11.30 Uhr
29. April - 02. Mai 2010 Besuch aus Marly (Termin noch nicht bestätigt)

 

Persönliches
von Sybille Schmidt

Geburtstage

Am 5. März feierte Helga Neubert ihren 85. Geburtstag. Wer sie kennt weiß, mit "Altwerden" hat sie nichts am Hut! Sie flitzt mit ihrem Rädchen durch die Stadt und ist immer aktiv. - Wir wünschen Dir weiterhin so viel Schwung, liebe Helga, alles Gute für Dich!

Am 18. April feierte Jo Goffart seinen 80. Geburtstag. Auch er ist noch voller Tatendrang und Lebensfreude und seine liebe Dolly hilft ihm dabei. Er liebt die Musik, die er aktiv im "Germania-Chor" mitgestaltet. - Weiterhin alles Gute, lieber Jo!

Am 26. Juni wird Anny Carpentier 85 Jahre alt. Sie ist seit vielen Jahren eng mit unserer Städtepartnerschaft verbunden und hat auch im Seniorenkreis in Marly viele gute Freunde. Zusammen mit ihrem verstorbenen Mann Matthias, der über Jahre den Seniorenkreis geleitet hat, hat sie sich sehr engagiert. - Wir danken Dir, liebe Anny und wünschen Dir alles Gute und Gesundheit für die Zukunft.

 

Nachruf

Am 15. Dezember 2008 ist unser langjähriges Mitglied Jörg Allkämper sehr plötzlich verstorben. Sein Tod war ein Schock für uns alle. Jörg war fasziniert von der französischen Kultur und Lebensweise und ist immer gerne mit uns nach Marly gefahren. Er hat bei vielen Gelegenheiten übersetzt, hat Fachvorträge gehalten und ist uns mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Wir bleiben ihm immer dankbar für sein Engagement im Freundeskreis, für seine Aufgeschlossenheit und freundliche Mitmenschlichkeit.

 

 

Nachruf

Im März 2009 ist Inge Hopstätter verstorben. Ihr Leben war die Musik und so hat mit ihrer Tochter und mit dem Musizierkreis oft die Weihnachtsfeiern der Senioren begleitet und in unserer Partnerstadt schöne Konzerte gegeben. Sie war ein starker Charakter und hatte gleichzeitig eine sehr liebenswerte Art. Wir werden Inge Hopstätter nicht vergessen.





Unsere Mitglieder berichten


Bürgerreise nach Marly vom 21.- 24. Mai 2009

Charleville-Mézières
von Hartmut Schmidt


Die 40 Teilnehmer des Freundeskreises Marly waren erwartungsvoll nach Charleville-Mézières gekommen. Empfangen wurden wir vor dem Bureau de Tourisme von einem pensionierten Deutsch-Lehrer, der uns durch die Stadt führte. Charleville liegt an der Maas sowie am parallel verlaufenden Schifffahrtskanal Canal de la Meuse. Charleville-Mézières ist die Hauptstadt des départements Ardennes. Charleville wurde am 6. Mai 1606 von Herzog Carlo I. Gonzaga gegründet. Es stand sofort in Konkurrenz zu Sedan, einem weiteren Adelssitz, und vor allem Mézières, eine Garnisonsstadt mit glorreicher Vergangenheit.


Place Ducale
Arkaden, für die Händler


Denkmal für den Stadtgründer Herzog Carlo I. Gonzaga



Die Form der steilen Felsen "Le Rocher des Quatre Fils Aymon" soll an das legendäre Pferd Bayard und die vier Söhne des Aymon (Haimon) erinnern, die bei Karl dem Großen in Ungnade fielen und von den Männern des Kaisers bis in ihr Bergversteck über der Maas verfolgt wurden.

Näheres unter: www.figwitandfriends.info/nicht%20permanent/BAYART.doc

Die Stadt wurde auf ebenem Grund mit in rechtem Winkel zueinander stehenden Straßen angelegt. Ihr Zentrum bildet der prachtvolle Place Ducale, der dem Pariser Place des Vosges ähnelt. Dies ist kein Zufall, denn sie wurden vom gleichen Architekten geschaffen.

Im ersten Weltkrieg hielt sich Kaiser Wilhelm II - wie es sich für den obersten Kriegsherrn gehört - meist im Großen Hauptquartier in Charleville-Mézières auf.

Seit 1961 findet in Charleville-Mézières alle drei Jahre das internationale Marionetten-Festival statt, zuletzt im September 2008.

Der berühmteste Sohn der Stadt Charleville-Mézières ist der Dichter Artur Rimbaud, der hier 1854 geboren wurde. Schon mit 19 Jahren veröffentlichte Rimbaud sein bedeutendstes Werk, den Gedichtband "Une saison en enfer". Bereits mit 21 Jahren gab Rimbaud das Schreiben auf. Mit 37 Jahren starb er in Marseille; in seiner Heimatstadt Charleville wurde er begraben.

 

Ballade en Normandie
Besuch in Lyons-la-Forêt

von Theo Beckers


Am Freitag, den 22. Mai, hieß es für alle Teilnehmer der Bürgertour und die französischen Gastgeber früh aufzustehen. Auf die Müdigkeit durch die Anreise des Vortages mit der abendlichen Wiedersehensfeier am Abend (oder des Kennenlernens, je nachdem) wurde keine Rücksicht genommen. Pünktlich für 8 Uhr hatte Sylvie Jezequel schon die Abfahrt bei der Ecole Schweitzer angesagt. Es blieb ja noch die Möglichkeit, auf der Fahrt nach Lyons-la-Forêt versäumten Schlaf nachzuholen.
Das frühe Aufstehen wurde aber durch Reichen von Bonbons und dergleichen versüßt.
Außerdem versäumte die Schläferin oder der Schläfer auch die Hinweise, die Danielle über die Strecke und die durchfahrene Landschaft, das Vexin gab. Diese Gegend wurde 911 durch König Karl III. zwischen Franzosen und Normannen aufgeteilt. Noch heute spricht man von Vexin normand für den westlichen und Vexin français für den östlichen Teil. Die Landschaft ist stark landwirtschaftlich geprägt und hat eine geringe Bevölkerungsdichte. So hat der Hauptort grade einmal 10.000 Einwohner.
Die von uns benutzte Straße ist die Hauptverkehrsader des Vexin, die Route nationale RN 14, die Paris mit Rouen verbindet und eine der alten Römerstraßen ist.

Christine Stegemann gab danach einen Überblick über unser Ziel. Die Gegend um Lyons-la-Forêt war im Hundertjährigen Krieg zwischen Frankreich und England sehr umstritten. So hatten auch die kleinen Dörfer oft eine Burg zur Verteidigung. In Lyons-la-Forêt ist auf den Grundmauern dieses Schlosses aber etwas anderes gebaut worden, sie sind nicht mehr zu sehen.
Berühmt ist die dortige, mehrere hundert Jahre alte Markthalle, wo heute noch der Markt abgehalten wird. Früher wie heute dient das ausgebaute Dachgeschoss Feiern und Tanzveranstaltungen, heutzutage auch Ausstellungen. Im 18. Jahrhundert wurde die Markthalle renoviert und ist heute noch in diesem Zustand.

Auch einige Hinweise auf die Geschichte der Stadt ließ sie folgen, die vor Wilhelm dem Eroberer im Tal lag und dann auf die
Höhe verlegt wurde. Nach ca. 2 Stunden Fahrt erreichten wir dann den Ort.

Hier wurden wir von einer Führerin des dortigen Tourismusbüros empfangen, die uns zunächst das ehemalige Gericht mit 4 Kammern (Steuern, Kriminalgericht, Gericht für Wald und Fluss und Zivile Angelegenheiten) zeigte. In dem Gerichtsgebäude waren auch 6 Zellen
für die Straftäter im Untergeschoß enthalten; heute ist noch eine zu sehen.

 

Danach führte sie uns durch den Ort, Christine Stegemann übersetzte ihren Vortrag für diejenigen, die kein Französisch verstehen, in Deutsch.
Der Ort ist insbesondere bekannt für seine Blumenpracht. Er hatte einmal zwei Klöster, von denen eins jetzt Schule ist, das andere in Privatbesitz. Es waren ein Frauen- und ein Männerkloster, die beide unter Napoleon aufgelöst wurden. Es ist nicht mehr feststellbar, ob es zwischen beiden einen Tunnel gegeben hat, wie Gerüchte sagen…

Das Dorf ist aber auch bekannt dafür, dass zwei prominente Franzosen dort wohnten: Maurice Ravel lebte in dem Haus in der Rue d'Enfer (Höllenstraße, weil diese so höllisch steil ist und damals den Kutschen einigen Ärger bereitete) bei seiner Tante. Der zweite Franzose ist in Deutschland wohl nicht so bekannt, es handelt sich um Isaac Bensserade, 1612 - 1691, Mitglied der l'Academie Francaise. Er war ein typischer Vertreter der Hofkultur seiner Zeit. Der sehr beliebte Günstling wurde von Richelieu, Mazarin und Ludwig XIV. protegiert. Er schrieb begleitende Gedichte für die königlichen Ballettaufführungen in Schloss Versailles des Komponisten Jean-Baptiste Lully.

Zum Schluss zeigte uns die Führerin noch die berühmte Markthalle aus dem 15. Jahrhundert, die uns schon im Bus näher gebracht worden war und der ganze Stolz des Ortes ist.

Diese Markthalle diente Claude Chabrol 1990 als Kulisse für seine Verfilmung von Mme. Bovary. Hierzu hatte er auch einen zeitgenössischen Brunnen bauen lassen, der den Bewohnern so gut gefiel, dass sie ihn nach dem Abriss nach den Dreharbeiten neu errichten ließen….

Nach zwei Stunden Führung bei herrlichem Wetter konnten wir es uns vor dem Restaurant "La halle" niederlassen und im Unfeld des mittelalterlichen Dorfes gemütlich Mittagessen, bevor wir pünktlich weiterfuhren zum nächsten Programm-punkt, dem Chateau de Vascoeuil.

 

Ein Besuch im Chateau de Vascoeuil
von Karl-Heinz Pega


Gestärkt durch ein hervorragendes Mittagessen in Lyons-la-Forêt machten wir uns auf zum nächsten Highlight unserer Tagestour dem Chateau de Vascoeuil einem hübschen Schlösschen am Rande des Waldes von Lyons. Das Schloss, im späten 15. Jahrhundert erbaut, hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich und drohte in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg zu verfallen. Nach umfassenden Restaurierungsarbeiten des Schlosses und der Parkanlagen steht die Gesamtanlage seit 1970 für Besichtigungen offen.

 

In den herrlichen Parkanlagen haben namhafte Künstler des 20. Jahrhunderts wie Braque - Buffet - Cocteau - Dali- Folon - Mathieu - Vasarely - Volti und viele andere Kunstschaffende ihre Werke der Öffentlichkeit in wechselnden Ausstellungen präsentiert. Unter sachkundiger Führung konnten wir die etwa 50 Kunstwerke aus Bronze, Marmor, Mosaik und Keramik bewundern.

 

Das älteste Bauwerk der Anlage ist der prächtige Taubenturm aus dem 17. Jahrhundert, der in damaligen Zeiten Teil des Herrenhauses war. In diesem riesigen Turm, der heute noch sein ursprüngliches Gebälk sowie ein bemerkenswertes Schwenkleitersystem besitzt, das den Zugang zu den Nistplätzen der Tauben ermöglichte. Hier nisteten einst über 1000 Tauben. Den Ärger der bäuerlichen Nachbarschaft kann man sich lebhaft vorstellen.

Ermattet von der etwa 2-stündigen Führung machten wir uns auf den
Rückweg zum Bus. Leider mussten wir dort noch 2o Minuten auf eine deutsch-
französische Restgruppe warten, die es mit der Pünktlichkeit nicht so genau nahm. Selbst die Trillerpfeife von Mr. Goodwill, unserem Fahrer, konnte deren Schritte nicht beschleunigen.

 

Ausstellung des Bildhauers Winfried Gille in Marly-le-Roi
von Anna Müller


Die gut besuchte Eröffnung der 10.! Ausstellung im Rahmen der wechselseitigen Bürgerreisen fand am Samstagvormittag des 23.05.09 in Marly-le-Roi statt.
Der Bildhauer Winfried Gille stellte einen Querschnitt durch sein großes Werk aus. Durch die Kombination großen handwerklichen Geschicks und reicher künstlerischer Phantasie schafft er sehr beeindruckende Skulpturen. Er verbindet dabei Materialien wie Stein, Holz, Metall und Knochen in einer sehr kreativen Art.
Im Rahmen der Städtepartnerschaft ist die Skulptur "liberté" besonders erwähnenswert - eine "hommage" an den französischen Maler Delacroix, sein berühmtes Bild und natürlich auch an unsere französischen Freundinnen und Freunde.
Unsere Gastgeber, die VertreterInnen der Stadt Marly-le-Roi, die beiden Musiker Gabi Mühlbauer und Günter Weber mit ihren jazzigen Einlagen sowie Wicze Braun und Wolfgang Brudes trugen dazu bei, dass wir die Matinée in einem angenehmen und "leckeren" Rahmen
erleben konnten. Mit dieser 10. Ausstellung feiert der Kunstaustausch ein würdiges Jubiläum und geht einen kleinen Schritt auf dem Weg zu einem Europa weiter - eine Woche vor den Europawahlen.




 

Konzert des Orchestre de Marly im Rathaussaal
unter Mitwirkung von drei Streicherinnen aus Leichlingen

von Eva Mohs


Zwar fühle ich mich nicht zur Musikkritikerin berufen, habe aber gern zugestimmt, meine Eindrücke all denen mitzuteilen, die nicht dabei sein konnten. Das fällt mir leicht, denn ich habe den Abend als einen der Höhepunkte der Reise erlebt.


v.l. Heidrun Glage, Serge Chapon, maire ajoint, Stephanie Thieyre, verantwortlich für die Jumelage, Andreas Genschel

Wer den Ort kennt, kann sich vorstellen, wie alle festlich geschmückt durch den kleinen Park an der Rückseite des Rathauses herbeiströmten, voller Erwartung, die Gastgeber mit ihren Schützlingen und die vielen anderen bekannten Gesichter, die vorher noch nicht in Erscheinung getreten waren.
Freudige Begrüßungen, eifriges Geplauder im Saal, das vom Beifall beim Einmarsch des Orchesters abgelöst wurde.

Als die Musiker ihre Plätze einnahmen, sahen wir "unsere" Christiane Genschel am ersten Pult, eine Überraschung auch für sie selbst bei der ersten Probe, man hatte sie nicht darauf vorbereitet. Ob nun ein Akt vertrauensvoller Höflichkeit oder ob die Konzertmeisterin aus Marly verhindert war - Christiane hat ihre Aufgabe prima gemeistert und ihre Streicher wunderbar geführt.

Sarah Göpel (Violine) und Josefine Kupper (Viola) spielten gelassen und konzentriert zusammen mit ihren französischen Kollegen, und alle drei lobten die Zusammenarbeit mit dem Orchester und dem Dirigenten Roberto Gatto.

 

 


v.l. Sarah Göpel, Josefine Kupper


Im Orchester waren alle Altersgruppen vertreten, wie oft bei Laienorchestern, bei denen die Spielfreude das einigende Band ist.
Wir hörten:
W.A. Mozart, Divertimento für Streicher F-Dur, KV 138
J. Sibelius, Romanze C-Dur op. 42
G Puccini, Crisantemi

Wenn meine Gastgeber, Anna und Marcel Le Disez, befürchtet hatten, bei der "ernsten" Musik einzuschlafen, hatten sie nicht ahnen können, was uns dann erwartete: Antonio Vivaldi, Die vier Jahreszeiten op. 8 Nr. 3, Der Herbst, mit
der Solistin Raphaelle Pacault, Violine.

Solistin: Raphaëlle Pacault

Zusammen mit dem Dirigenten kam sie aufs Podium, leger angetan wie ein Schulmädchen, und legte einen Violinpart dahin, der das Orchester strahlen ließ und die Zuhörer begeisterte.
Perlend leicht hörte sich das an, locker, eigenwillig und vor allem unglaublich schön. Der Beifall war so heftig und anhaltend, dass wir die Freude hatten, den letzten Teil noch einmal zu hören in der gleichen mitreißenden Präzision und Lebendigkeit. Ein wunderschönes Konzert, ein richtiger Glücksfall. Haydn hatte Recht: diese Sprache versteht jeder! Kulturaustausch wie man ihn sich nur wünschen kann.
Der Abend klang aus mit Umtrunk und kleinem Büffet, vielen Gesprächen in wechselnden Grüppchen und Sprachen und allgemeiner Hochstimmung und gewiss auch einem Gefühl der Gemeinsamkeit.

 

Besuch des Telegraphen Chappe
von Sybille Schmidt

Dank der Beziehungen von Patrick Gautier konnte eine Gruppe Besucher am Sonntagmorgen den "Telegraph Chappe" besuchen. Das Gelände ist normalerweise nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Der Telegraphenturm liegt im so genannten "Trou d'Enfer" (Höllenloch), was eine breite Schneise bezeichnen soll, die in den wunderbaren großen Jagdwald am Rande von Marly gehauen wurde, um dort gut sichtbar den Turm zu errichten.

Claude Chappe hat 1791 die optische Telegraphie erfunden und zusammen mit seinen vier Brüdern umgesetzt. Die Erfindung beruht auf dem Prinzip der visuellen Kommunikation über große Entfernungen; damit hat ein neues Zeitalter der Kommunikation begonnen und die wesentlich zeitaufwändigere Nachrichtenübermittlung durch Pferdekuriere ersetzt. 1852 wurde dann wieder die optische Telegraphie durch die elektrische Telegraphie ersetzt.

Aber zurück zu den Revolutionszeiten: Claude Chappe ließ auf natürlichen Erhöhungen weithin sichtbar Türme bis ca. 10 m Höhe errichten. Die Türme, in einem

Abstand von 10 km errichtet, verband in einem Netz von 520 km zunächst die Ost-West-Linie Paris - Brest, später verbanden weitere 6 Linien mit 500 Stationen ganz Frankreich. Die Übermittlung diente zu politischen und militärischen Zwecken. Durch ganz Frankreich (später auch in Spanien und Italien) konnten auf diese Weise Nachrichten innerhalb von 30 Minuten übermittelt werden.

Das Prinzip der Übermittlung: Auf dem Dach der Türme befindet sich ein 4,60 m hohes Gestell, das horizontal oder vertikal eingestellt werden kann. Es hat 2 m lange Holzarme, die 7 verschiedene Positionen einnehmen können. Diese werden mit einem komplizierten Mechanismus mit Kabelrollen im Inneren des Turmes eingestellt. So können mit 98 verschiedenen Zeichen verschlüsselte Mitteilungen weitergeben werden. Das Codierungssystem kann nur an wenigen zentralen Stellen entschlüsselt werden. Die Anlage wird in zwei Tagesschichten von jeweils einer Person bedient, die ständig mit großem Fernglas auf Sichtsignale achten muss und diese dann an den nächsten Turm weitergibt. Nachts und bei schlechtem Wetter war eine solche Nachrichtenübermittlung nicht möglich.

Ein herrlicher Spaziergang durch das präsidiale Gelände brachte uns beeindruckte Besucher wieder an den Ausgangspunkt des Parks zurück.

 

 

Zum Andenken an Jörg Allkämper
Als Ratgeber in bibliographischen Fragen zum deutsch-französischen Verhältnis wird Jörg Allkämper mit seiner profunden Sachkenntnis in lebendiger Erinnerung bei uns bleiben.
Mit seinen zahlreichen und regelmäßigen, manchmal auch kritischen Beiträgen im Infoblatt wird er uns fehlen. Seine letzte Buchempfehlung vor seinem Ableben, die in diesem Infoblatt abgedruckt wird, betraf ebenfalls das deutsch-französische Thema.
Basilisse Pflüger
Hier die Empfehlung von Jörg Allkämper:
"Wer aktuell über Frankreich informiert werden möchte (Politisches System, Staatsaufbau, Frau in der Gesellschaft, Umwelt, Schule etc.) sollte zu folgendem Buch greifen:
"Points de vue - Sichtweisen France-Allemagne, un regard comparé Deutschland-Frankreich, ein vergleichender Blick von Frank Baasner/Bérénice Manac'h/Alexandra von Schumann.
ISBN: 978-3-87576-589-2 (NDV)
Dieses Buch ist das Ergebnis vieler Recherchen, Diskussionen und Überarbeitungen. Mehr als 20 Mitarbeiter und Praktikanten des Deutsch-Französischen Instituts aus Deutschland und Frankreich haben an der Entstehung aktiv mitgewirkt. Es liest sich ausgesprochen flüssig. - Der Autor dieser kleinen Rezension hat es in kürzest möglicher Zeit "verschlungen" und als jahrzehntelanger Kenner Frankreichs noch die eine oder andere Anregung erfahren."

Jörg Allkämper


Der Freundeskreis Marly hat einen Antrag gestellt an das Kuratorium des Stiftungsvorstandes der Leichlingen Stiftung für einen Zuschuss zum Kunstaustausch während der Bürgerreise und zum Programm der Kulturreise nach Berlin. Wir werden in kürze einen Förderbetrag von 1000 € zu diesen Projekten erhalten und bedanken uns sehr herzlich bei dem Stiftungsvorstand der Kreissparkasse Köln.

 

Und zum Schluss möchte ich Ihnen die Antwort meiner lieben Kollegin Sylvie Jezequel nicht vorenthalten, die sie mir auf mein Dankesschreiben nach unserem Besuch geschrieben hat:

… "Tous les amis français ont passé un agréable moment avec vous tous, les liens se sont encore resserrés et de nouvelles amitiés sont créées. J'ai eu de très bons retours via les amis français et cela me fait chaud au cœur, car dans une organisation, comme tu le sais, on aime que tout soit parfait. "

… "Alle französischen Freunde haben eine schöne Zeit mit Euch verbracht, die Bindungen sind noch enger geworden und neue Freundschaften wurden geschlossen. Ich habe sehr gute Rückkoppelungen von den Franzosen bekommen und das freut mich sehr; denn, wie Du weißt, möchte man gerne, dass alles gut läuft mit der Organisation".

Danke, liebe Sylvie, auch wir haben die besten Erinnerungen an unsere gemeinsame Zeit!

 

Alle Berichte und aktuellen Termine können Sie auch auf unserer Homepage (mit farbigen Fotos) nachlesen unter: www.freundeskreis-marly-le-roi.de. Unserem Webmaster Hartmut Schmidt herzlichen Dank!

Allen, die zum Gelingen dieses Info-Blattes beigetragen haben, gilt mein herzlicher Dank! Viele Mitglieder, die nicht mehr an den Aktivitäten und Reisen teilnehmen können, lesen gerne unsere Nachrichten und freuen sich, auf diese Weise am Geschehen in unserem Verein teilnehmen zu können.

Ich wünsche Ihnen allen schöne, sonnige und erholsame Sommertage!

Sybille Schmidt

 

Redaktion: Sybille Schmidt
Layout und Webmaster: Hartmut Schmidt

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