Infoblatt Nr. 30 - Oktober 2009

Deutsch-französische Gruppe auf den Stufen des Berliner Konzerthauses

 

In eigener Sache

Liebe Vereinsmitglieder und Freunde der Städtepartnerschaften,

der Höhepunkt dieses Marly-Sommers war natürlich die deutsch-französische Kulturreise nach Berlin. Dem Organisator Dr. Hermann Brandl gebührt ein dickes Lob von deutscher und französischer Seite! Wir hatten ausgezeichnete Führungen quer durch Berlin, auch die politischen Hintergründe wurden gründlich erläutert. Die Restaurants waren handverlesen - und was hat Hermann da für ein gutes Händchen bewiesen! Alle Teilnehmer haben die zentrale Lage des Hotels sehr geschätzt, so konnte man noch auf einen kurzen Sprung zum Kurfürstendamm nach dem Abendessen. Wenn denn dann noch Kräfte dazu vorhanden waren…Die Stimmung in der Gruppe war sehr harmonisch, auch neue Mitreisende haben sich prima integriert - eine echte Jumelage-Begegnung! Eine solche Reise in allen Einzelheiten vor zu bereiten ist sehr viel Arbeit! Im Namen aller Teilnehmer/innen und des Freundeskreises Marly möchte ich unserem 2. Vorsitzenden Dr. Hermann Brandl ganz herzlich für seinen großen Einsatz danken!

Im Frühsommer fand unter der Regie von Gabi Vesper, Vorsitzende des Henley-Clubs, nach längerer Pause ein Ausflug für die Vereine der Städtepartnerschaften statt. Nach Auskunft der Teilnehmer war es ein richtig gelungener Ausflugstag, siehe Bericht von Reiner Vesper.

Friederike Wohlfahrt hat einen gelungenen Ausflugstag für die Senioren veranstaltet. Jeder Besuchspunkt war genau abgestimmt auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten der Teilnehmer/innen. Danke für Deine Umsicht und Fürsorge, liebe Friederike.

Das Stadtfest 2009 war rundum erfolgreich. Bei strahlendem Wetter waren die Leute gut gelaunt und kauffreudig. Unsere Spezialitäten waren sehr gefragt und wir mußten laufend nachbacken. Der Betrieb hat richtig Freude gemacht! Ganz herzlichen Dank an alle Aktiven für die große Hilfe beim Standdienst und die leckeren Sachen!

Nun wünsche ich Ihnen viel Freude beim Lesen und weiterhin schöne Herbsttage.
Mit lieben Grüßen
Ihre Sybille Schmidt

Termine 2009/2010

2009
4. November 19 Uhr Table Ronde im 11B, Bahnhofstraße
17. Dezember 15 Uhr Weihnachtsfeier der Senioren im DRK-Haus
2010
24. Januar 11.30 Uhr Neujahrstreffen im Bürgerhaus (Terminänderung!)
3. März 19.30 Uhr Mitgliederversammlung im Bürgerhaus,Weyermannsaal
31. März 19 Uhr "Table Ronde" im 11B in der Bahnhofstr.
29. April - 2. Mai   Besuch aus Marly

Ende Aug.-
Anf. Sept.

  Kulturreise ins Périgord

 


Unsere Mitglieder berichten

Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!

Kulturreise vom 9. - 14. August 2009
von Hermann Brandl


Die Reise nach Berlin zu planen hat mir besonders viel Freude bereitet. Aber auch Kopfzerbrechen, denn ich war mir bewußt, dass sich gerade unsere französischen Freunde einiges davon versprechen. Was sollte ich ihnen in den relativ wenigen Tagen zeigen, was weglassen? Die Fülle der Möglichkeiten in Berlin ist so groß, dass ich oft nicht wußte, wo ich anfangen, wo enden sollte.
Wie die richtige Mischung aus "Sightseeing" und Information finden?
In dieser Stadt fokussiert sich das deutsche Schicksal wie sonst nirgends in unserem Land. Die preußische Periode, das Kaiserreich, die Weimarer Republik, die Nazi-Diktatur, die DDR, das geteilte Nachkriegs-Berlin, und schließlich die Wiedervereinigung, haben ihre Spuren hinterlassen und die wollte ich auch richtig "rüberbringen".
Ich hoffe aber, dass mir das letztlich gelungen ist, nicht zuletzt mit Hilfe von guten Führerinnen und Führern der "Berlin-Exkursion".

Von der französischen Seite aus war das Interesse sehr groß. Kurz nachdem Bruno die Reise angekündigt hatte, war sie auch schon "ausverkauft"

Am 9. August haben wir uns dann getroffen. Während die 17 Leichlinger/innen mit dem Zug nach Berlin kamen, holten wir, Heide und ich, die französische Delegation, insgesamt 29, am Flughafen Tegel ab und begleiteten sie mit einem Bus ins "Berlin Mark Hotel" , einen Steinwurf vom Kurfürstendamm entfernt.
Es gab - wie immer - ein freudiges Wiedersehen

Zum Eingewöhnen machten wir einen Spaziergang ins Zentrum des ehemaligen West-Berlin, der Gegend um den Breitscheid-Platz, vom Hotel aus in kurzer Zeit erreichbar.
Als sich der "Cortège" in Bewegung setzte, schlängelte sich ein ansehnlicher Lindwurm die belebte Meinekestrasse hinunter, was dann doch meinen Blutdruck leicht in die Höhe trieb, wenn ich an die kommenden Tage dachte, wo wir die U-S- und Regional-Bahn, die Busse und vielleicht auch die Straßenbahn benutzten wollten. Ob das wohl gut gehen würde?

Zunächst jedenfalls war nicht viel zu befürchten. Die Truppe marschierte diszipliniert zur Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche und zum Kranzler-Eck mit seinen architektonisch auffallenden Glasgebäuden. In einem der großen Innenhöfe ist eine Voliere mit exotischen bunten Vögeln zu bestaunen und wenige Schritte davon entfernt ein heiteres Kunstobjekt, das die europäische Verbundenheit symbolisieren soll, zahlreiche im Kreis aufgestellte Plastik-Bären, dem Wappentier von Berlin.

Jeder dieser Bären repräsentiert ein Land und ist mit landestypischen Sehenswürdigkeiten bemalt. Der französische Bär, der besonders hervorstach, dürfte in vielen Fotoapparaten die Heimreise angetreten haben.

Die Sonne schien vom Himmel und die Straßencafes lockten. Kein Wunder also, dass gleich am ersten Tag viele die erfrischende Berliner Weiße, das "Nationalgetränk" der Berliner, probierten, die es bekanntlich in zwei Versionen gibt, mit Himbeere und Waldmeister. Was war doch gleich Waldmeister auf französisch? Trotz eines beachtlichen Sprachpotentials auf beiden Seiten konnte diese Frage nicht so ohne weiteres beantwortet werden. Erst nach einer längeren Recherche einigte man sich auf "l'aspérule".

 

Vor dem Abendessen gab es dann noch ein "verre d'amitié und morgen konnte es richtig losgehen.

Stadtrundfahrt

Was ist zum Einstieg besser geeignet als eine Stadtrundfahrt?
Man fährt an den Sehenswürdigkeiten natürlich relativ schnell vorbei und es ist nicht leicht, alles - noch dazu in beiden Sprachen - zu erklären.
Trotzdem hatten wir nach den vier Stunden einen guten ersten Überblick gewonnen.
Wir bekamen einen ersten Eindruck von der Stadt, von den zwei Zentren, Ost und West, die sich teilungsbedingt heraus gebildet hatten und von der neuen Mitte, die sich in den letzten 20 Jahren nach der Wiedervereinigung als Eldorado für Architekten aus aller Welt anbot.
Da war natürlich das Brandenburger Tor, das wohl bedeutendste Symbol Berlins, das stets für die Aufmärsche der unterschiedlichsten Machthaber herhalten mußte.
Der Bendler-Block, Gedenkstätte des deutschen Widerstands gegen Hitler, die ehemalige Prinz-Albrecht-Strasse mit dem Gestapo-Hauptquartier.
Der Weg führte uns weiter über die Strasse "Unter den Linden" und den historischen Gebäuden des Berlins der Preußen-Könige, zum Reichstag mit der modernen eindrucksvollen Kuppel, dem neuen Regierungsviertel und dem Glasbau des Hauptbahnhofs.

An drei Stellen stiegen wir aus, um unsere Eindrücke zu intensivieren.
Zunächst am Potsdamer Platz. Nur wer diesen Platz noch aus der Zeit der deutschen Teilung kennt, kann ermessen, was sich da verändert hat. Dieser Platz, früher der verkehrsreichste Platz Europas, war verkommen zu einer riesigen, traurigen Öde, durchzogen von einer unüberwindbaren Betonmauer, zusätzlich abgesichert von Panzersperren, Stacheldraht und Soldaten. In relativ wenigen Jahren nach der Wende ist dies alles in einem unglaublichen Kraftakt einer lebendigen Vielfalt an moderner Architektur gewichen. Die reicht vom Zeltdach des Sony-Centers, mit dem der Architekt Helmut Jahn den Fujijama, den heiligen schneebedeckten Berg Japans, nachgebildet hat, bis zu den Gebäuden, vor denen sich alljährlich die Stars der Berlinale auf den roten Teppichen ihren Bewunderern präsentieren.Dann hielten wir am Jüdischen Museum von Daniel Libeskind, einem außergewöhnlichen Bau, dessen Grundriß einen zerbrochenen Davidstern darstellt.

Zeltdach des Sony-Centers

Besondere Aufmerksamkeit lenkte unsere Führerin auf den "Garten des Exils", einem Areal aus 49, je 6 Meter hohen Stelen, die auf schiefem Grund stehen. Geht man zwischen diesen Stelen hindurch, kann man die Orientierungslosigkeit von Menschen im Exil nachempfinden.
Der dritte Stopp war der schönste Platz Berlins, der Gendarmenmarkt. Das Schauspielhaus, heute Konzerthaus, wird eingerahmt vom deutschen und französischen Dom. Der Platz entstand ab1688 nach Plänen von Johann Arnold Nering im Auftrag des Kurfürsten Friedrich III., dem späteren König Friedrich I. in Preußen. Hier siedelten Ende des 17. Jahrhunderts viele der französischen Einwanderer, die Hugenotten, denen der große Kurfürst, Friedrich Wilhelm von Brandenburg, im Jahre 1685 religiöse Freiheit und volles Bürgerrecht zusicherte.

König Friedrich I. wies sowohl der lutherischen als auch der französisch-reformierten Gemeinde je einen Platz zum Kirchenbau zu.
Welch ein schöner Ort für unser gemeinsames Foto auf den Stufen des Berliner Konzerthauses, symbolträchtig in der Mitte zwischen dem deutschen und französischen Dom.
Nach so viel Kultur und Geschichte endete die Rundfahrt vor dem Radisson-Hotel an der Spree, gegenüber dem Dom gelegen. In dem wunderbaren Restaurant konnten wir uns bei einem guten Mittagessen und dem bereit gestellten Wein entspannen. Großes Erstaunen erregte auch das riesige Aquarium mit tausenden exotischen Fischen im Innenhof des Hotels, durch das der Fahrstuhl in die oberen Geschosse fährt.


Museumsinsel

Die Museumsinsel, Weltkulturerbe der UNESCO, ist der gesamte nördliche Teil der Spreeinsel. Karl Friedrich Schinkel und Wilhelm von Humboldt begannen mit der Planung und Realisierung einer der bedeutendsten Museumslandschaften der Welt. Neben dem Alten und Neuen Museum sind da heute noch die Nationalgalerie, das Bode- und vor allem
das Pergamon-Museum.
Eine Führung über diese Museumsinsel und durch das Pergamon-Museum war für den Nachmittag geplant. Das von Alfred Messel zwischen 1920 und 1930 erbaute Museum ist weltberühmt durch die Präsentation antiker Monumentalarchitektur, wie dem Pergamonaltar, dem das Museum seinen Namen verdankt, dem Markttor von Milet und dem Ischtar-Tor mit Prozessionsstrasse aus Babylon.
Bode-Museum

Der imposante griechische Pergamonaltar, genauer Zeusaltar, wird zu den Weltwundern gerechnet. Der Altar bestand aus einem annähernd quadratischen Unterbau, den ein 120 Meter langer und 2,30 Meter hoher Fries mit der Darstellung des Kampfes der Götter mit den Giganten schmückte. Er wurde um 170 v. Chr. Unter Eumenes II. aus Marmor erbaut.Hier im Museum konnten wir die Zusammenstellung der originalen Friesplatten und die Rekonstruktion eines Drittels des Altars sowie die große Treppe im Maßstab 1:1 bewundern.

Dann kam die Generalprobe für die erste S- und U-Bahn-Fahrt zurück zum Hotel. Wir schlenderten zum Bahnhof-Friedrichstrasse, vorbei am "Palast der Tränen", dem traurigen, verfallenden Gebäude, in dem man sich bei der Ausreise aus der DDR von seinen Lieben verabschieden musste. Jetzt kam der spannende Moment. Guido vorn und ich hinten sorgten dafür, dass niemand ungeplant in die Bahn einstieg und möglicherweise von der quirligen Menge verschluckt und nicht wieder herausgegeben wurde. Dann kam das Kommando zum Entern und alles hat wunderbar geklappt. Da war ich doch sehr erleichtert.
Alles hat sich in den nächsten Tagen gut eingespielt. Bei jeder Fahrt eilte ich voraus, um, wie die Franzosen sagen, die Tickets zu kompostieren und dann wieder zurück, um den Abschluss zu bilden, während Guido - manchmal mit der Trikolore in der Hand - die Vorhut bildete.

Brückenfahrt auf der Spree

Am dritten Tag wollten wir unsere Eindrücke des Vortags von der Wasserseite aus vertiefen.
Eine dreieinhalbstündige Brückenfahrt auf der Spree und dem Landwehrkanal führte uns in einem großen Kreis, auf einer Strecke von rund 23 km, an den historischen und modernen Bauten Berlins vorbei. Wir trafen neben alten Bekannten des Vortags viele neue Viertel, zum Beispiel das Nikolaiviertel, die East Side Gallery, die schöne Oberbaumbrücke, wir durchquerten neben der Mitte auch die Stadtteile Moabit, Tiergarten, Schöneberg, Kreuzberg, Neukölln und Friedrichshain. Man bekam zu spüren, wie grün Berlin eigentlich ist und dass es im wahrsten Sinn des Wortes im Wasser schwimmt.

Der Nachmittag war "frei". Die bereits gewonnenen Kenntnisse der Berliner Verkehrsmittel wurden für individuelle Besuche, zum Beispiel des Kaufhaus des Westens oder des Schlosses Charlottenburg genutzt.
Der Abend präsentierte uns dann ein besonderes Bonbon. Wir machten uns auf den Weg zu den Hackeschen Höfen mit ihrem quirligen Leben. Ein Gebäudekomplex mit acht Innenhöfen, in denen hübsche Restaurants, kleinen Geschäfte, Galerien, Cafes, Buchläden, Boutiquen, ein Kino und Variete untergebracht sind. Letzteres war unser eigentliches Ziel. Im Chamäleon-Theater erfreuten wir uns an der Vorstellung "Soap". In einer phantasievollen Aufführung rund um die Badewanne wurden uns 2,5 Stunden lang beeindruckende Artistik, stimmungsvolle Musik und intelligenter Nonsens geboten. Man konnte nur staunen, was mit Badewannen alles möglich war.

Mauerspaziergang

Am vierten Tag wollten wir uns mit der Geschichte und Politik rund um die Stadt beschäftigen. Der unseligen deutschen Teilung und der monströsen Mauer, die West-Berlin einkesselte, galt unser Hauptinteresse.

Treffpunkt mit unseren Führern war der ehemalige Grenzübergang für die Alliierten, der so genannte Checkpoint Charly, jedem älteren Bürger ein Begriff. Eine original wieder aufgebaute Kontrollbaracke markiert den neuralgischen Punkt. Hier trafen der amerikanische und sowjetische Sektor aufeinander. Die Nahtstelle zwischen den Berliner Bezirken Mitte (Ost) und Kreuzberg (West) war seit 1961 immer wieder Schauplatz von spannungsgeladenen Konfrontationen der beiden Supermächte.

 

Panzer beider Armeen standen sich direkt bedrohend gegenüber. Überall an den Zäunen und Hauswänden sind Fotos aus dieser Zeit angebracht. Die Bilder zeigen die dramatischen Ereignisse und verdeutlichen die Tragödie der Teilung von Land und Hauptstadt.

Unglaublich auch die Zeit der Luftbrücke 1948/49. Die Halbstadt West-Berlin musste komplett aus der Luft versorgt werden und konnte nur Dank der großartigen Hilfe der Amerikaner diese schlimme Zeit überstehen. Alle drei Minuten landete ein "Rosinenbomber" auf dem Flughafen Tempelhof mitten in West-Berlin.

 

Das Axel-Springer-Hochhaus, damals direkt an die Mauer gesetzt, sollte den Ost-Berlinern ein Zeichen der Hoffnung geben. Von dort wurden von den obersten Stockwerken ständig Informationen der freien Presse per Leuchtschrift in den Ostteil gesendet. Die DDR schlug zurück, indem sie Hochhäuser davor baute. Mit all diesen Schikanen mußten die West-Berliner in ihrem eingemauerten Stadtteil leben und fertig werden.
Die Mauer existiert gottlob nicht mehr, aber ihre Auswirkungen auf die Stadt werden noch lange präsent sein. So spürt man mitten im belebten Zentrum Berlins, entlang der Zimmerstrasse, eine eigenartige Stadtrandlage. Sozialer Wohnungsbau entstand in West-Berlin, direkt an der Mauer. Die Ostseite schuf an der Mauer freie Grundstücke zur besseren Überwachung, die bis heute noch nicht bebaut sind. Nach Abriß der Mauer änderte sich nichts an der bestehenden Situation.

Die Kuppel des Reichstags

Das Gefühl der Teilung intensivierte sich weiter an der ehemaligen Prinz-Albrecht-Strasse, heute Niederkirchner Strasse, einer Stelle, an der die Erinnerungen an gleich zwei totalitäre Regime aufeinanderprallen. Zum einen stehen hier noch etliche Meter der originalen Berliner Mauer. Zum anderen ist da die "Topographie des Terrors", das seit 1987 bestehende Projekt zur Aufarbeitung der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten. Hier, im ehemaligen Prinz-Albrecht-Palais, war der Sitz des Reichsführers SS, Heinrich Himmler.
An dieser schicksalhaften Stelle soll am 8. Mai 2010, dem Jahrestags des Kriegsendes, ein Dokumentationszentrum eröffnet werden.
Die ganze Gegend ist hier Stein gewordene Geschichte. Auch der Aufstand des 17.Juni 1953 begann in der Niederkirchnerstrasse.
Vorbei am Gropiusbau, der gerade noch im ehemaligen Westen, unmittelbar an der Mauer stand, zu dessen Eingang man nur durch eine ganz enge Schneise gelangen konnte, kamen wir dann am Potsdamer und Leipziger Platz an. Hier standen die Vorderland- und Hinterlandmauern, zwei hintereinander angeordnete Grenzwälle, um jedes Durchkommen unmöglich zu machen. Hier waren auch die "Geisterbahnhöfe", durch die die S-Bahn von einem Westteil zum anderen unter dem Ostteil der Stadt hindurch fuhren, z.B. die Stationen "Potsdamer Platz, "Anhalter Bahnhof" und "Unter den Linden".

Auch groteske Dinge kann man sehen, z.B. einen verlorenen dastehenden Sockel. Die DDR plante hier ein Karl-Liebknecht-Denkmal, das dann wegen der späteren Nähe zur Grenze nicht vollendet wurde. So widmete man dann dem großen Vorkämpfer wenigstens den Sockel, um das schlechte Gewissen zu beruhigen.
Unser Streifzug endete am Pariser Platz, zu dem wir vom Potsdamer Platz die S-Bahn nahmen. Von da durften wir dann mit der neuen Kanzler-U-Bahn, die tags zuvor eingeweiht worden war, und die nur zwei Stationen umfasst, zum neuen Hauptbahnhof fahren, wo auf uns in dem schönen Restaurant "Austern Bar" das Mittagessen wartete.
Als Kulisse grüßte der Reichstag herüber, dessen Besuch für den Nachmittag geplant war.

Reichstag und Regierungsviertel

Zwischen dem Besucher und dem Reichstag steht erst einmal eine ansehnlich lange Touristen-Schlange, die sich tagtäglich dort aufbaut. Es gibt aber einen Ausweg. Wenn man Gast im Café Käfer ist, ganz oben auf dem Dach, darf man einen Sondereingang benutzen. Wir hatten also unsere Nachspeise vom
Restaurant in dieses Café verlegt - mit Voranmeldung und Erlaubnis der Bundestagsverwaltung versteht sich - und wurden so durch einen Sondereingang gelotst. Bei Kaffee und leckeren Torten durften wir dann schon mal Berlin von oben bewundern. Noch besser sehen
konnten wir dann alles nach dem Aufstieg in die markante Glaskuppel des Architekten Norman Foster.
Anschließend teilten wir uns wieder in zwei Gruppen auf, um über das Reichstagsdach zu gehen und uns die Stadt, Gebäude für Gebäude, erklären zu lassen.
Irgendwann mussten wir dann aber wieder absteigen. Und dann spazierten wir - entlang der ehemaligen Mauer - hinüber zum Pariser Platz, der leider wegen der bald beginnenden Leichtathletik-Weltmeisterschaften in eine Fanmeile umfunktioniert worden war.

Der Platz vor dem Brandenburger Tor wurde bereits 1734 angelegt. Das ehemalige Eintritts-Tor in die königliche Residenzstadt wurde 1788-1791 auf Anweisung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II. von Carl Gotthard Langhans aus sächsischem Sandstein errichtet. Als Vorbild dienten die Propyläen der Akropolis in Athen.

Der Pariser Platz ist heute wieder vollständig aufgebaut. Dabei mußten sich alle Architekten den Vorschriften der Berliner Traufkante und dem festen Verhältnis von Glas und Kunststoff beugen. Hinter der Fassade der DZ Bank jedoch ließ der für seine ausgefallenen Entwürfe bekannte Architekt Frank O. Gehry im Innenraum seiner Fantasie freien Lauf. Man ist beeindruckt von dieser atemberaubenden Idee.

Inneres des Hauses von Frank. O. Gehry

Zum Schluß gingen wir dann durch das gläserne Gebäude der Akademie der Künste hinüber zum Mahnmal für die ermordeten Juden Europas, von Peter Eisenmann entworfen. Die Lage des Denkmals in der Mitte Berlins soll der immerwährenden Verantwortung Deutschlands für diese schrecklichen Taten gerecht werden.

Ein besinnlicher Gang durch das Feld mit 2711 Beton-Stelen beschloß dann diesen Tag.

Potsdam

Berlin ohne Potsdam - das geht nicht. Wer Preußen kennen lernen will, muß in Potsdam gewesen sein. Diese Stadt, 1660 vom Großen Kurfürsten zur zweiten Residenzstadt neben Berlin erhoben, avancierte von der mittelalterlichen Stadt in kurzer Zeit zum Schnittpunkt europäischer Politik. Eine neue europäische Großmacht entstand und nahm entscheidenden Einfluss auf die weitere deutsche Geschichte.

Schloss mit Weinberg

Man tut Preußen Unrecht, wenn man es nur als aggressive Militärmacht darstellt und ihm häufig einen Großteil der Schuld an späteren Entwicklungen in Deutschland zuschiebt. Tatsächlich war das Königreich ein Land großer Gegensätze. Es brachte Reformen und kulturelle Leistungen hervor, stand für Aufklärung und Toleranz, wie sonst kein anderer deutscher Staat. "Jeder soll nach seiner Facon selig werden", hat der Alte Fritz gesagt.
Die Emanzipation der Juden in Preußen war ein Beispiel dafür. Ein anderes, kleines, aber typisches Beispiel für die Einstellung Friedrichs II. ist zum Beispiel das neben dem Alten Rathaus heute noch stehende Häuschen des Bäckers Windelband, der partout nicht weichen wollte.

Dies alles und mehr haben uns unsere Führer/innen beim Rundgang durch Potsdam erzählt.

Bevor man zur barocken Altstadt mit dem Alten Markt, der Nikolaikirche und dem Alten Rathaus kommt, steht man erst einmal vor einer bedrückenden Leere. Denn Potsdam wurde, ganz kurz vor Kriegsende, am 14.April 1945, total zerstört. Und was noch wiederaufgebaut hätte werden können, hat dann die DDR beseitigt, wie 1968 die Garnisonkirche und 1960 das Stadtschloss.
Etwas verloren steht man daher vor dem Fortunaportal des ehemaligen Stadtschlosses, das mit einer großzügigen Spende von Günter Jauch wieder aufgebaut wurde. Ein geplanter Neubau des Brandenburgischen Landtags soll die Kubatur des Schlosses mit historischer Fassade erhalten. Allerdings ringen darüber im Stadtrat noch Vertreter der Linken und der anderen Parteien.

Eine andere Episode zeigt die skurrile Denkweise der ehemaligen DDR. Das Original des Steuben-Denkmals am Neuen Markt, einem Geschenk der USA zum Gedenken an den berühmten General, der - aus Mangel an Kriegen in Preußen nach den USA ging und dort eine moderne Armee aufgebaut hat - wurde 1958 eingeschmolzen. Heute steht an dem Platz eine Replik, ebenfalls von den USA gestiftet.

Über den Neuen Markt mit dem Kronprinzenpalais für Friedrich Wilhelm II. und dem Königlichen Kutschstall ging es dann zum Großen Militärwaisenhaus und zum Glockenspiel der Garnisonkirche.
Viele beeindruckende Fassaden waren zu bestaunen. Umso mehr, als wir hörten, dass sich nur einfache Gebäude aus der Zeit des Soldatenkönigs dahinter verstecken, denen Friedrich II. Glanz verleihen wollte.

Den Abschluss bildeten das berühmte holländische Viertel und das Brandenburger Tor.
Dann nahm uns das Restaurant " Alter Stadtwächter" auf und brachte uns für den Nachmittag wieder in Form.

Der gehörte dem Schloss SansSouci und seinen Gärten. Dieser Lieblingsort Friedrichs II., der mehr französisch als deutsch sprach und bei dem Voltaire zu Gast war, war für unsere Gruppe natürlich von besonderer Bedeutung. Noch dazu, weil ein Teil des Parks Marly-Garten genannt wird.
Das 1745 - 47 von Knobelsdorff nach Plänen und Skizzen des Königs errichtete Schloss wurde auf terrassierten Weinbergen errichtet und ist original eingerichtet.
Gleich neben seinem geliebten Schlösschen liegt der Alte Fritz auch begraben. Nach langen Irrwegen sind seine sterblichen Überreste hier angekommen. Es liegen immer ein paar Kartoffeln auf der Grabplatte und zeugen von seinen Verdiensten, dieses Nahrungsmittel in Brandenburg eingeführt und angebaut zu haben.

Auf dem Weg zum Potsdamer Hauptbahnhof testeten wir dann, ob wir auch alle in eine Straßenbahn passen würden. Mittlerweile waren wir aber derartig routiniert, dass das überhaupt kein Problem mehr war.

Au revoir Berlin

Der Rückflug bzw. die Bahnfahrt war erst für den späteren Nachmittag des Freitag vorgesehen. So hatten wir noch Zeit, am Vormittag ins Zentrum Berlins, zur Strasse "Unter den Linden" zu fahren.

Es ging noch einmal zu Fuß vorbei an der Staatsoper, der Humboldt-Universität, der Neuen Wache, der Hedwigs-Kathedrale und den anderen klassizistischen Bauten, hin zum Zeughaus, das das Deutsche Historische Museum beherbergt. Hier waren zwei Führungen in der Ausstellung zur Deutschen Geschichte vorgesehen.

Dann kam die letzte Fahrt mit der S-Bahn, ein Gläschen Sekt zum Abschied und ein Mittagessen im Hotel.

Schnell waren sie vergangen, diese schönen gemeinsamen Tage in Berlin.
Aus den verschiedenen Kommentaren unserer französischen Freunde konnten wir heraushören, dass sie von der Stadt beeindruckt waren.

Als erstes verabschiedete sich unsere deutsche Gruppe zum Hauptbahnhof und dann kam auch schon der Bus zum Flughafen.

Heide und ich begleiteten unsere Marlychois zum Gate. Dann fuhren wir- etwas allein gelassen - zurück in die Stadt.

À l'année prochaine en Périgord!


Gedanken zur Berlin-Reise
von Christiane Stegemann, Marly


Lange Zeit ist es nur ein Traum: einmal Berlin zu entdecken! Und dann realisiert sich der Traum!
So oft im Fernsehen oder auf Fotos gesehen, erhebt sich die Gedächtniskirche nun vor uns: Erschrecken, Aufgewühltsein. Diese Kirche mit kleinen blauen Fenstern, dazwischen rot, gold und grün, regt uns zum Nachdenken an über den Frieden…

In wenigen Tagen besuchen wir die Hauptsehenswürdigkeiten, die bedeutenden Gebäude. Wir erfahren von der Kultur, der Geschichte, der Tragödie, der Erneuerung dieser Stadt. Und bleiben fasziniert von der Wissenschaft der Architektur, der Kühnheit und der Verschiedenartigkeit der modernen Gebäude. - Wir entdecken auch die Spree, das Chamäleon (ein Varieté), SansSouci und viele andere Gebäude.

Ohne die Freude an den Begegnungen zu vergessen mit unseren Freunden aus Leichlingen, dem Gedankenaustausch während der Spaziergänge, Besuche und Mahlzeiten. In dieser geschundenen Stadt hat die deutsch-französische Freundschaft einen besonderen Wert! Austausch auch mit den sehr talentierten Stadtführern, die den Mauerfall miterlebt haben.
Wohl wahr: die Beine wurden müde, aber die Erinnerungen sind alle gegenwärtig!

Einen herzlichen Dank an Heide, Hermann und die ganze Mannschaft! Wir wissen, wie viel Arbeit eine solche Organisation erfordert.

Und zum Abschluss, haben Sie gesehen? Gesehen? Wen denn? Was denn?
Nun…den kleinen Mülleimer am Zoologischen Garten mit seinem Slogan:

Sei Putz!
Sei Munter!
Sei Berlin!


Übersetzung Sybille Schmidt


Impressionen von Berlin
von Bruno Cronier, Marly


Danke, Hermann, dass wir dieses Projekt, das wir schon einige Jahre im Kopf hatten, nun realisieren konnten.

Es gibt nun einmal keine Perfektion - aber wir sind ihr sehr nahe gekommen. Die Organisation unseres Aufenthaltes und die Auswahl der Besichtigungen haben uns alles gezeigt, was sehenswert ist in Berlin; wir würden gerne einmal wieder kommen!

Für mich persönlich war es mehr als ein Besuch, ich konnte Berlin "atmen" (respirer Berlin) und kann es nun besser verstehen. Die Qualität unserer Führungen hat sehr dazu beigetragen. Ich denke hauptsächlich an die junge Frau (etwa 40 Jahre), die uns den Check Point Charly und die Ausstellung über die Mauer erklärt hat. Ihre Emotion war greifbar; man fühlte, wie sie beim Erzählen die damaligen Ereignisse wieder durchlebte.
Am Check Point Charly ist mir eine alte Erinnerung wieder gekommen. Es war 1959 oder 1060, während einer meiner ersten Aufenthalte in Deutschland. Ein Plakat stellte Deutschland dar, durch die Grenze zweigeteilt in Ost und West. Als Text stand darunter: "Muss dieser Zustand denn noch lange dauern?". Er hat bis 1989 gedauert.

Und in diesen letzten 20 Jahren ist Berlin wieder aufgeblüht. Das deutsche Genie hat seiner Vorstellungskraft freien Lauf gelassen. Die alten renovierten Stadtviertel werden mit kühner Architektur verbunden. Auch das Vokabular ändert sich und aus den "Hinterhöfen" sind nun die "Innenhöfe" geworden. So ist es nun mal. Berlin ist wieder eine bedeutende Hauptstadt geworden.

In Potsdam treffen wir auf die Geschichte. Friedrich II und sein Schloss "Sans Souci". Das Schloss, wo die Anwesenheit von Frauen total ausgeschlossen wurde. Gibt es eine Verbindung von dem Namen des Schlosses zu der Abwesenheit von Frauen? Welchen deutschen Namen würde Friedrich II diesem Ort geben? In Wirklichkeit bleibt diese Frage unbeantwortet, da man in Sans Souci nur Französisch sprach.
Und nun gibt Bruno den Spezialisten der Französischen Sprache und Kulturkennern ein französisches Rätsel auf, das auch in der Originalsprache wiedergegeben werden muss:

" A ce propos, je livre à la perspicacité des francophones ce petit rébus (facile)" schreibt Bruno !
Un jour, Frédéric II fait parvenir à Voltaire le message suivant :

P
 
Ci
________
a
______
Venez
 
Sans

et Voltaire répond : G a

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Die französische Gruppe grüßt ganz herzlich ihre deutschen Freunde.

Übersetzung Sybille Schmidt

Tagesausflug der Senioren
von Friederike Wohlfahrt

Wir fuhren bei strahlendem Spätsommerwetter durch unser schönes Bergisches Land mit Eifgental und Altenberger Dom. Dabei verging uns die Zeit wie im Fluge: Trudis Mundharmonikaspiel und unser Singen konnten sich manchmal nur schwer gegen manch lebhafte Unterhaltung behaupten. Zusätzlich hielt uns Erika eifrig über die durchfahrene Gegend auf dem Laufenden. Unser erstes Ziel war die festlich gedeckte Mittagstafel im Landhaus Lorenzet. Und weiter ging es durch die schöne Natur mit der Dhünntalsperre zum Café Wild in Wermelskirchen mit seinem verlockenden Angebot an Süßem. Viel zu schnell fuhren wir danach wieder heimwärts. Voller Freude und Dankbarkeit für einen richtig schönen Tag denken wir nun: Auf ein Neues im nächsten Jahr!

 

 

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Ganz herzlichen Dank allen, die mit ihren Berichten zum Gelingen dieses Info-Blattes beigetragen haben! Unser besonderer Dank gilt diesmal unserem Hermann mit seinem anschaulichen und interessanten Berichten über die Berlin-Reise! Die Reiseteilnehmer/innen konnten jeden Tag noch einmal nachvollziehen - und die Leser/innen … werden sich sicher bald ein Ticket nach Berlin buchen!

Alle Berichte sind wie immer auch in unserer Homepage zu finden unter:
www.freundeskreis-marly-le-roi.de Unserem Webmaster Hartmut Schmidt herzlichen Dank.

Und nun zur Auflösung des Rätsels von Bruno:

Venez sous P à sans sous ci = venez souper à Sans Souci ! Frédéric II
G grand a petit = j'ai grand appétit ! Voltaire

Unser nächstes Info-Blatt wird im Frühjahr 2010 erscheinen. Und nun wünsche ich Ihnen schöne und sonnige Herbsttage und bin

Mit lieben Grüßen
Ihre Sybille

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