Infoblatt Nr. 32 - Oktober 2010

 

Deutsch-französische Gruppe der Kulturreise im Périgord

 

 

In eigener Sache


Liebe Vereinsmitglieder und Freunde der Städtepartnerschaften,
der "Sommertraum" von 40 Teilnehmer/innen des "Freundeskreises Marly" und der "Amis du Jumelage" war der Aufenthalt im Périgord! Organisiert wurde die Reise von Bruno Cronier aus Marly, unterstützt von Dr. Hermann Brandl, der viele komplizierte Übersetzungen bravourös gemeistert hat! Wir möchten diesem bewährten und fröhlichen Team, zu dem auch Charly, unser Chauffeur und Freund gehört, ganz herzlich danken für diese neun Tage, in denen wir unendlich viel interessante und schöne Schlösser, Gärten, kleine Örtchen und kulturelle Denkmäler gesehen haben, die uns einen tiefen Einblick in die Geschichte dieser schönen Region vermittelt haben. - Und natürlich haben wir auch ausführlich die wunderbare Küche des Perigord genossen mit seinen Spezialitäten wie Gänseleberpastete, Ente in vielen Variationen, Nussspezialitäten etc. - Bruno hatte ein sehr gemütliches familiäres Hotel ausgewählt und die Abendstunden bei gutem Essen und einem Gläschen Wein verliefen sehr fröhlich.
Gemeinsam eine längere Reise zu unternehmen, so hat uns Bruno erläutert, sei absolut ungewöhnlich im Rahmen von Städtepartnerschaften! In der Städte-partnerschaft Marly-Leichlingen werden diese Reisen seit vielen Jahren gepflegt; wir haben große Freude am gemeinsamen Entdecken von Land und Leuten im Nachbarland und die Geselligkeit ist fröhlich und ungezwungen.
Nous sommes devenus de vrais amis - wir sind wirklich Freunde geworden.
Hermann Brandl hat mit seinem nachfolgenden großen und sehr interessanten Reisebericht diese schöne Reise nachvollzogen, viel Freude beim Lesen!
Auch das Stadtfest war wieder ein Erfolg: dank der tüchtigen Hilfe vieler Vereinsmitglieder beim Kochen, Backen und Standdienst leisten haben wir unsere hausgemachten Spezialitäten tüchtig verkauft.
Im Namen des Freundeskreises ganz herzlichen Dank an alle Aktiven!
Ich wünsche Ihnen nun allen schöne und sonnige Herbsttage. Vielleicht sehen wir uns ja beim "Table Ronde" wieder.
Ihre Sybille Schmidt

Termine

 

2010

 

2011
23. November
19 Uhr
Restaurant 11b (Bahnhofstr.)
Table Ronde
23. Januar
11.30 Uhr
Bürgerhaus
Neujahrstreffen des Freundeskreises
16. Dezember
15 Uhr
DRK-Haus Mittelstraße
Weihnachtsfeier der Senioren
12. Februar
Ausflug nach Bonn
Ausstellung "Napoleon und Europa" Einladung erfolgt später
16. März
19:30 Uhr
Bürgerhaus
Mitgliederversammlung
6. April
19:00 Uhr
Restaurant 11 B (Bahnhofstr.)
Table Ronde
2. - 5. Juni
Bürgerreise nach Marly
20. Juli
19:00 Uhr
Restaurant 11 B (Bahnhofstr.)
Table Ronde
5. - 10. September
Kulturreise in die Kurpfalz
17./18. September
Stadtfest
9. November
19:00 Uhr
Restaurant 11 B (Bahnhofstr.)
Table Ronde

 

 


Persönliches
Sybille Schmidt

Geburtstage

Am 2. August 2010 feierte Gertrud Stengert im Rahmen ihrer großen Familie und vielen Freunden ihren 90. Geburtstag. Immer vergnügt und bei guter Gesundheit nimmt sie den weiten Weg von Ratingen auf sich, um besondere Ereignisse wie Ausflüge und Weihnachtsfeiern mit den Senioren des Freundeskreises zu feiern. - Wir danken Dir sehr für Deine Treue, liebe Gertrud, mach weiter so!

 

Nachrufe

 

Unser langjähriges Mitglied Walter Schaaf ist am 27. Juli 2010 verstorben. Walter war sehr frankophil und konnte wunderbar erzählen von seinen Erlebnissen und Erfahrungen in Frankreich, während und nach dem Krieg. Auch seine Freunde in Marly werden traurig sein über sein Ableben.
Im Freundeskreis hat er sich einige Jahre bei den Senioren engagiert als Seniorenvertreter und viele gute Ideen eingebracht. Wir danken ihm dafür und werden ihn nicht vergessen. Wir werden ihn immer als bescheidenen, liebenswürdigen und aufgeschlossenen Menschen in Erinnerung behalten.

 

 

 

Annemarie Trapp verstarb am 9. Oktober 2010 im Alter von 92 Jahren. In früheren Jahren hat sie zusammen mit ihrem ebenfalls verstorbenen Mann Dr. Peter Trapp an einigen unserer Reisen nach Frankreich teilgenommen. - In den letzten Jahren kam sie gerne zu besonderen Anlässen wie den Weihnachtsfeiern und Ausflügen der Senioren. Annemarie hatte ein sehr liebenswertes bescheidenes Wesen; wir hatten sie alle ins Herz geschlossen und werden sie nicht vergessen.

 

 

 

Unsere Mitglieder berichten

 

Unsere Reise ins Périgord
Von Dr. Hermann Brandl

 

Wer kennt sie nicht, die Foie Gras, die Trüffel, die Cro-Magnon-Menschen oder die berühmten Höhlenmalereien von Lascaux?
Dies sind nur wenige Beispiele von Begriffen, die mit dem Perigord verbunden sind, dieser wunderbaren Landschaft im Südwesten Frankreichs, dem Ziel unserer diesjährigen deutsch-französischen Kulturreise.
Kein Wunder also, dass das Interesse sowohl auf der deutschen als auch auf der französischen Seite groß war. Der Bus, der mit Charly, unserem Fahrer und Freund, am Gare du Nord auf uns wartete, war mit 40 Teilnehmern - 24 Deutschen und 16 Franzosen - voller als jemals zuvor.
Traditionsgemäß wurden wir schon beim Aussteigen aus dem Thalys , der uns in der Rekordzeit von gut drei Stunden nach Paris gebracht hatte, von unseren Marly-Freunden in Empfang genommen und zum Bus geleitet. Und dann ging's auch gleich los.
Bruno hatte alles perfekt vorbereitet. Er hat uns die zweitägige Anreise in das doch ca. 600 km entfernte Vitrac en Perigord, unserem Domizil , mit einführenden Informationen über die Geschichte , die berühmte Küche und die Natur-schönheiten sehr kurzweilig gestaltet.
Er erzählte uns von dem reichen historischen Erbe dieser Region in Aquitanien, in der sich schon vor 30 000 Jahren altsteinzeitliche Menschen in den Höhlen von Lascaux und Cro-Magnon niederließen. Mit Cro-Magnon-Mensch bezeichnet man daher die heutige Menschengattung, die auch seit etwa
40 000 Jahren in Europa lebt.
Später rollten dann die Völkerscharen der Gallier, Römer und Franken über das Land, bis schließlich 866 die Grafschaft Perigord gegründet wurde. Jahrhunderte-lang war sie zwischen Franzosen und Engländern umkämpft, was auf Eleonore von Aquitanien zurückzuführen ist, die nach ihrer ersten Ehe mit dem französischen König Ludwig VII. im Jahre 1152 Heinrich von Plantagenet, den späteren englischen König Heinrich II., heiratete. Kein Wunder also, dass sich hier der Hundertjährige Krieg im 14./15. Jahrhundert zwischen England und Frankreich so richtig austobte. Danach war für 100 Jahre Frieden, bis es dann wieder losging. Diesmal waren die Leute für den Krieg verantwortlich, die eigentlich den Menschen den Frieden auf Erden bringen sollten. Die Religionskriege gegen die Hugenotten ab 1540 führten zu zahlreichen Massakern, sowohl von katholischer als auch von protestantischer Seite, bis dann das Toleranzedikt von Nantes für Beruhigung sorgte. Schlimm wurde es dann wieder 1685, als Ludwig XIV. es wieder aufhob und das Périgord seiner führenden protestantischen Köpfe beraubt wurde. Wenn man durch das Land fährt und an jeder Ecke ein Schloss sieht, versteht man auch, warum die dann folgende französische Revolution hier einen besonders guten Nährboden fand. In der jüngeren Geschichte ist das Périgord als ein Zentrum des Widerstands gegen Hitler-Deutschland hervorgetreten, weil im Westen des Landstrichs die Grenze zwischen dem freien und besetzten Teil Frankreichs verlief, über die jede Menge an Menschen und Waren geschmuggelt wurden.

Dies alles wussten wir bereits, als wir am Nachmittag in der kleinen Stadt Loches ankamen, wo wir Zwischenstation machten. Der Hunger nach Sehenswürdigkeiten war bei vielen von uns so groß, dass sie sich sofort zu einer Besichtigung des mittelalterlichen Städtchens aufmachten.

 

Vor dem Abendessen wurden dann noch die Teilnehmer vorgestellt, die zum ersten Mal an einer deutsch- französischen Reise teilnahmen, die wir Deutsche Kultur- und die Franzosen Seniorenreise nennen. Das waren nicht wenige. Dass auch der Name Seniorenreise berechtigt ist, zeigt der 75. Geburtstag unseres Heinzbert, der just auf diesen Tag fiel und dann auch mit einem "Joyeux Anniversaire" gefeiert wurde. Er ist uns als unerschrockener Filmemacher bekannt, der nicht davor zurückschreckt, seinen Schauspielern mit seiner oft unerwartet auftauchenden Kamera die Realität vor Augen zu führen.


Der zweite Tag der Anreise begann mit dem Besuch des Schlosses von Valençay, erbaut 1540, das in erster Linie mit dem Namen Talleyrand verbunden ist. Erwähnenswert ist es auch als "Goldener Käfig" für Kinder des Königs von Spanien während der Besetzung Spaniens durch Napoleon von 1808 bis 1814. Interessanter ist es aber, sich mit der Figur des Charles Maurice de Talleyrand-Périgord (1754 - 1838) zu beschäftigen, einem Mann, der auch für die deutsche Geschichte wichtig ist, denn er war Frankreichs Unterhändler auf dem Wiener Kongress. Die Frage, vor der jeder französische Edelmann der damaligen Zeit stand, nämlich "Le glaive" oder "Le goupillon", das heißt, Schwert oder Weihwasserwedel, wurde zunächst zu Gunsten des letzteren entschieden, weil er durch einen Unfall in seiner Jugend hinkte.
Die hervorstechende Eigenschaft dieses zweifellos hochbegabten, aber äußerst zwielichtigen Politikers und Diplomaten war, dass er es immer verstanden hat, die Seiten mühelos zu wechseln, sich den jeweiligen Herrschern anzubiedern und sogar unentbehrlich zu machen. Er diente unter der Monarchie Ludwigs XVI., der französischen Revolution, Napoleon und der 1. und 2. Restauration, meist als Außenminister. So kann man verstehen, was Napoleon über ihn gesagt hat: "Merde dans un bas de soie". Weil das im französischen eleganter klingt, als im deutschen, nehme ich von einer Übersetzung Abstand. Nur so viel: bas de soie heißen die damals modischen Seidenstrümpfe.

Nach so viel Geschichte, die uns natürlich zum großen Teil wieder Bruno während der Fahrt beigebracht hat, war die abschließende Fahrt mit den Voiturettes électriques, das sind kleine Elektrowägelchen, durch den großen Park des Schlosses ein schöner Abschluss dieses Vormittags. Und wir durften sogar selber ans Steuer.

Dann fuhr uns Charly in unser Hotel "Plaisance" nach Vitrac en Périgord, in der Nähe von Sarlat. Mit dem Abendessen begann die Serie von gastronomischen Höhepunkten, mittags und abends, die erst am vorletzten Tag in Limoges enden sollte. Dabei wurde uns die ganze Vielfalt der regionalen Küche geboten. Irgendwie rankte sich dabei fast alles ums Geflügel. Rillette, Confit, Foie d'Oie ou de Canard wurden uns in bunter Reihenfolge serviert. Bei der Foie Gras durften wir gleich zweimal schlucken: einmal bei dem schlechten Gewissen, das den meisten im Gedenken an die gestopften Enten und Gänse überkam und zum anderen bei dem doch guten Geschmack. Gott sei Dank hatte das Hotel ein schönes Schwimmbad, das für den sportlichen Ausgleich sorgte, so man es fertig brachte, früh rechtzeitig aufzustehen oder kurz vor dem Abendessen noch schnell ins Wasser zu hüpfen.

 

Jetzt waren wir also im Périgord angekommen, wo wir fünf volle Tage verbringen wollten. Genauer gesagt im Périgord Noir, der Gegend um Sarlat. Das ist vor allem das Tal der Dordogne und der Vézère, einem Nebenfluss der Dordogne. Der Begriff schwarzes Périgord ist auf die engen, in Kalkstein eingegrabenen und von dichten Buchen und Kastanien-bäumen bewachsenen Flusstäler, zurückzuführen. Daneben gibt es noch das Périgord Rouge, nahe Bordeaux, so genannt wegen der purpurroten Farbe des dort angebauten Weins, das Périgord Vert, ein Teil des Limousins, in dem Heideland und dichte Wälder dominieren und schließlich das Périgord Blanc, die Gegend um Ribérac mit seinen kalkhaltigen Böden.

Unsere erste Station war Domme, auch die Akropolis des Perigord genannt, nur wenige Kilometer von unserem Hotel entfernt. Domme ist eine so genannte Bastide, ein Wehrdorf, das im Zuge der jahrhundertelangen Gebietsstreitigkeiten mit den Engländern im Jahr 1281 erbaut wurde und etwa 150 Meter über der Dordogne auf einem Felsen liegt. Im Gegensatz zum sonst üblichen schachbrettartigen Aufbau der Bastide ist Domme, bedingt durch die unregel-mäßigen Höhenprofile trapezförmig, mit polygonalem Straßenverlauf, angelegt. Von der Aussichtsterrasse La Barre hat man einen phantastischen Überblick auf das Tal der Dordogne.

Wir fuhren mit einem kleinen Bähnchen durch das am besten erhaltene Stadttor, die "Porte des Tours" nach oben. Hier hatte man zwischen 1307 und 1318 siebzig Ritter des aufgelösten Templer-ordens gefangen gehalten. Ihre "Graffiti", in den Stein geritzte religiöse Symbole, kann man noch an den Wänden sehen. Während der Fahrt erhielten wir eine Stadtführung in französischer Sprache und ich hatte die Ehre, neben dem Lokführer und der Führerin in der Lokomotive Platz nehmen zu dürfen, um die Übersetzung zu machen. Ich kam mir vor, wie ein Schüler bei der Abschlussprüfung, denn die Dame sprach so schnell und hatte so viele schöne Ausdrücke, ganz abgesehen von dem Lärm der Lok, dass ich froh war, als wir schließlich oben ankamen.
Uns erwartete eine praktisch vollständig erhaltene mittelalterliche Stadt, umgeben von einer Stadtmauer, mit Ausnahme der Seite, die durch den steil aufragenden Felsen zur Dordogne hin, geschützt war.
Wir stiegen auf dem Place de la Halle aus, so genannt wegen der wunderbaren Markthalle aus dem 17.Jahrhundert mit ihren Arkaden und wuchtigen Stützpfeilern. Direkt gegenüber liegt ein weiteres Schmuckstück, das "Maison du Gouverneur" aus dem 16. Jahrhundert und gleich daneben die Kirche, die während der Religionskriege durch die Hugenotten zerstört und 1622 wieder aufgebaut wurde. Wir bummelten schließlich noch ein gutes Stündchen durch die alten Straßen, z.B. die Rue de la Rode, die, wie schön, als Richtplatz diente und an der das Haus des Münzprägers steht, die Rue Eugène Le Roy, benannt nach dem Autor des in Frankreich bekannten Romans " Jacquou le Croquant", die Grande Rue und die Rue des Consuls mit dem Rathaus, ehe wir wieder unser Bähnchen bestiegen und bergab fuhren.

Nächster Halt war "La Roque Gageac", einer der schönsten Abschnitte des Dordognetals. Hier sahen wir zum ersten Mal eine der vielen Siedlungen, die bereits seit prähistorischen Zeiten von Menschen bewohnt waren. Das milde Klima, verbunden mit den natürlichen und später auch künstlichen Höhlen im weichen Kalkstein, der ja aus Ablagerungen eines urzeitlichen Meeres hervorgegangen ist, boten dafür ideale Voraussetzungen. Im weiteren Verlauf der Reise sollten wir noch viel spektakulärere Beispiele kennen lernen.

Hier suchten die Menschen seit der Steinzeit Schutz. Später waren es die Wikinger und andere, die wahrscheinlich oft vergeblich versuchten, diese Behausungen einzunehmen. Im Mittelalter entstand eine regelrechte Höhlenfestung, das Fort Troglodytique. Auch die Kirche wusste diese milde Südlage zu schätzen, denn die Bischöfe von Sarlat erbauten hier ein Palais.
Das heutige Bild der Stadt, die zwischen der Dordogne und den steil aufragenden Felsen eingezwängt ist, zeigt Bauten aus allen Epochen. Bemerkenswert ist das Manoir de Tarde, der Stammsitz der Familie, dem zwei bekannte französische Persönlichkeiten entstammen, der Humanist Jean de Tarde (1561-1636), Astronom und Mathematiker, sowie der Soziologe Gabriel de Tarde (1843-1904). Am Ende der Ortschaft kann man dann noch das Chateau de la Malartrie sehen, das kommt von dem Wort maladrerie, d.h. Platz für Aussätzige.
Genug fürs erste mit Kultur, jetzt war es Zeit für den anderen wichtigen Punkt dieser Reise, der Gastronomie. In der Ferme Auberge "Le Colombier" konnten wir es uns dann richtig gut gehen lassen. Der Wein schmeckte auch und man machte sich keine Gedanken über etwaige Nebenwirkungen auf das Nachmittags-programm.

Das begann dann auch zunächst geruhsam, mit einer Bootsfahrt auf der Dordogne, auf einer "Gabarre", einem Schiff mit geringem Tiefgang, besonders für Flüsse geeignet. Gemütlich fuhren wir den Fluss ein Stück rauf und runter und ließen uns von der Sonne bescheinen, die uns während der gesamten Reise nie im Stich ließ. Am Ufer zogen gemächlich Sehenswürdigkeiten, das heißt meistens Schlösser und Burgen vorbei, die wechselnde Besitzer hatten, wobei mir besonders die berühmten Anwohner - der Zeichner des Michelin-Männchens und Josephine Baker, sowie der Erfinder der Autopresse - in Erinnerung geblieben sind.
Wieder an Land folgte der letzte Programmpunkt dieses Tages, das Chateau de Beynac, eine der besterhaltenen Burgen Frankreichs. Am Steilhang über der Dordogne gelegen, bilden der mächtige Hauptdonjon aus dem 13.Jhd. zusammen mit dem Nebenturm und dem Wohngebäude aus dem 15. Jahrhundert eine beeindruckende Kulisse. Das Schicksal hatte mich wieder auserkoren, Dolmetscher spielen zu dürfen. Allerdings haderte ich hier mit ihm. Der französische Führer redete nicht nur wie ein Wasserfall, sondern schmückte seine Ausführungen auch noch mit jeder Menge Witzchen und Geschichtchen aus. Kein Wunder, dass mein Resümee deutlich kürzer ausfiel und ich es vermied, in die fragenden Augen meiner Zuhörer zu schauen, die noch dazu auf wundersame Weise durch zahlreich Fremde stark angestiegen waren. Dann brachte uns Charly wieder nach Hause und bei einem erneuten 5-Gang- Menü klang der Tag aus, ein Tag, der uns so viel geboten hatte.


Dabei war einer der Höhepunkte eigentlich erst für den zweiten Tag angekündigt, nämlich die Höhle von Lascaux II. II. deshalb, weil die ursprüngliche Grotte seit 1963 für Besucher wegen der zunehmenden Schäden durch die Atemluft der vielen Touristen gesperrt ist. Mit Lascaux II. ist aber eine absolut identische Replik in unmittelbarer Nähe hergestellt worden, nicht nur was die künstlerische Seite anbelangt, sondern auch die Form der Höhle.
Vorher wurde aber noch ein Abstecher nach St. Geniès eingeschoben, einem hübschen, kleinen, für das Périgord typischen Ort. Bemerkenswert sind die "Toitures en lauze", das sind steile Dächer, die mit flachen Kalksteinen gedeckt sind und durch diese spezielle Form das enorme Gewicht abfangen.
Dann kamen wir nach Lascaux, an der Vézère gelegen. Die Höhle gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO, mit einigen der ältesten bekannten Kunstwerken der Menschheitsgeschichte und wurde 1940 von drei Jungen entdeckt, die nach einem schweren Gewitter ihren Hund namens Robot suchten. Dieser war in ein Loch unter einem umgestürzten Baum gekrochen und hatte so den Zugang zur Höhle gefunden. Bereits 1948 wurde sie für die Öffentlichkeit freigegeben.
Rote, gelbe und orangene Eisenoxide wurden damals als Farben verwendet. Die Malereien von Tieren aller Art, zum Beispiel von Stieren und Wildpferden, erzählen in künstlerischer Weise vom Leben der Menschen vor 17 000 Jahren. Es ist daher kein Wunder, dass sie von bis zu 1200 Besuchern pro Tag bestaunt werden.
Im Restaurant "Le Relais du Soleil d'Or" in Montignac speisten wir dann genau so elegant wie es der Name schon sagt. Anschließend ging es weiter nach Losse, nicht sehr weit von Montignac, zu dem gleichnamigen Schloss, hoch über der Vézère gelegen. Es ist als Renaissance-Bau auf den Resten der mittelalterlichen Festung von 1570 - 1576 errichtet worden. Sein Mobiliar aus dem 16. und 17. Jhd. zeugt von dem eleganten Lebensstil Jean II. de Losse, dem Vorgänger Heinrichs IV. des ersten Bourbonen-Königs. Als Franke hat mich natürlich eine alte Truhe aus Nürnberg besonders interessiert, die durch raffiniert versteckte Schlösser eine Besonderheit darstellt.
Zum Abschluss bummelten wir noch durch die terrassenförmig angelegten so genannten grünen Räume, die vom französischen Kulturministerium als "Jardin Remarquable" eingestufte Gartenanlage, von der aus man einen herrlichen Blick über die Vézère hat.

Aber der Tag war damit noch nicht zu Ende. Eine weitere, außergewöhnliche Besichtigung wartete noch auf uns. Der Roque Saint Christophe. Dieser 900 Meter lange und 80 Meter hohe, über der Vézère gelegene Felsen, ist seit 55000 Jahren von Menschen bewohnt. In den Grotten und Aushöhlungen hat man durch jahrelange archäologische Untersuchungen viele bemerkenswerte Objekte gefunden. Stein- und Knochenwerkzeuge, Waffen, Musikinstrumente und Gräber zeugen von einer dauerhaften Besiedlung seit der Zeit der Neandertaler, mit der wir in NRW ja ganz besonders vertraut sind. Im Mittelalter wurde der Fels zu einer befestigten Siedlung ausgebaut und diente dem Schutz gegen die Normannen. Aus dieser Zeit stammen ebenfalls viele noch gut erhaltene Objekte, die uns eine gute Vorstellung vom Leben der damaligen Bewohner vermitteln. Kräne, Winden, Schmieden, Gerüste, Steinbrüche, Geräte zur Wasserversorgung und sogar eine Kirche lassen uns ahnen, wie sich damals der Alltag abgespielt haben muss. An einem Modell war das Ganze anschaulich dargestellt.

Danach schauten wir noch in Les Eyzies vorbei, einer weiteren "Village Troglotydique", also einer Ansiedlung von Höhlenbewohnern. Hier wurde der Cro- Magnon-Mensch gefunden. Im Gegensatz zum Roque Saint Christophe sind hier auch neuere Häuser in den Felsen gebaut.
Auf der Heimfahrt, an den vielen, für diese Gegend typischen Walnussbäumen vorbei, durften wir dann schon wieder von einer Paté de Campagne , einer Rillette d'Oie oder sonstigen leckeren Vorspeisen, ganz zu schweigen von der nachfolgenden Ente, träumen, und dem guten Wein, der uns nach dem erlebnisreichen Tag so richtig gut tun würde.
Der dritte Tag begann wieder mit einer Fahrt der Vézère entlang nach Terrasson, einem mittelalterlichen Städtchen, hoch über dem Fluss auf dem "Falaise du Malpas". Eine wunderbare alte Brücke aus dem 12. Jhd. mit sowohl romanischen als auch gotischen Bögen überspannt dort die Vézère. Die Gründung der Stadt geht ins 6. Jhd. zurück, als der Einsiedler Saint Sour einen Platz für ein Kloster suchte. Nach ihm ist auch die Kirche benannt, von der es nicht weit ist zu der in den Felsen gehauenen Aussichtsplattform, die den Blick auf das Panorama der Stadt, hoch über dem Fluss, freigibt.

Der eigentliche Grund des Besuches in Terrasson waren jedoch die "Jardins de l'Imaginaire", die wir zuerst besuchten. Diese Gärten, von Kathryn Gustafson auf über 6 Hektar terrassenförmig über der Stadt angelegt, wollen alle unsere Sinne ansprechen, indem sie uns in eine Vorstellungswelt entführen, in der Wind, Wasser, Bewegung und Farben in Harmonie mit Pflanzen, Blumen und Landschaft sind. Dies gelingt durch abwechslungsreiche Anlagen, in denen sich Märchenwald, Springbrunnen, Wasserkaskaden, je nach Fallhöhe in verschiedenen Tönen singend, und Rosenplantagen in die zum Fluss hin ausgerichtete Landschaft einfügen.
Nach dieser Tour der Sinne, mehr im Bereich des Sehens und Fühlens, wurde dann der Geschmackssinn wieder in den Vordergrund gerückt. Im Restaurant "Le Relais de Gourmet" lernten wir zum ersten Mal das Confit de Gesier kennen, auf platt deutsch, den Vormagen des Geflügels, der uns noch verschiedene Male begegnen sollte. Obwohl auch eine Innerei, ist er doch von der gefürchteten Andouille meilenweit entfernt. Er wurde durch eine Cassoulet Maison und ein Soufflet Glacé aux Noix ergänzt.
So für den Nachmittag vorbereitet, machten wir uns zum Chateau de Hautefort auf, mit den es terrassenförmig umgebenden französischen Gärten und dem englischen Park, das als das schönste Schloss des Périgords gilt. Es ähnelt eigentlich mehr einem Chateau der Loire. Es geht zurück auf den Minnesänger Bertrand de Born, aus dem 12. Jhd., der hier eine Bleibe in der Festung des Vizegrafen von Limoges gefunden hatte. Später, im 16. Jhd. hat dann Gontaut-Hautefort den Besitz in ein repräsentatives Renaissance-Schloss umgebaut. Leider wurde das Gebäude 1968 durch einen Großbrand fast völlig zerstört, danach aber vollständig restauriert.

Heute war Markttag in Sarlat, dem Mittelpunkt des Périgord Noir. Deshalb hatte Bruno diesen vierten Tag für unseren Besuch ausgesucht. Denn unter anderem sollte es am späten Vormittag da auch eine Degustation der regionalen Spezialitäten geben. Aber vorher wollten wir noch einen geführten Spaziergang, wohlgemerkt in deutscher und französischer Sprache, durch diese mittelalterliche Stadt machen, die dank des Denkmalpflege-Gesetzes der französischen Regierung zur Restaurierung historischer Altstadtkerne so gut erhalten ist. Der Ort wurde bereits um das Jahr 820 von Pippin von Aquitanien gegründet und erreichte seinen Höhepunkt im 14. Jahrhundert als Handels- und Kaufmannstadt. Wie viele Städte im Périgord, wurde auch Sarlat durch den Hundertjährigen Krieg zugrunde gerichtet. Danach ging es dann unter Karl V. wieder bergauf, was durch zahlreiche Renaissance- und Barockbauten bezeugt wird. Wie überall auf der Welt, galt auch hier, dass der Schein wichtiger ist als das Sein, denn, um den Eindruck von Höhe vorzugaukeln, die den Status der Macht verliehen haben soll, hatte man bei manchen Gebäuden die Fenster in den oberen Stockwerken immer kleiner werden lassen. Solche und ähnliche Geschichten wurden uns auf unserem Rundgang von der Kathedrale, zum schönen Rathaus und vor allem zum Markt mit seinem überbordenden Angebot, erzählt. Hier gab es dann auch, kurz vor dem Mittagessen, die schon erwähnte Degustation der regionalen Spezialitäten. Dreimal darf man raten, was uns da an einem zünftigen Stand serviert wurde. Geschmeckt hat es uns jedenfalls mal wieder und uns auch nicht den Appetit auf das kommende, wie immer recht üppige Mittagessen, verdorben. Kein Wort mehr in der Richtung, dass man auf unseren Reisen nach Frankreich eigentlich mit zwei Mahlzeiten am Tag auskommen könnte.

 

Am Nachmittag lernten wir dann bei einem Besuch in Le Bugue - Le Bournat das Leben der Menschen in dieser Gegend um 1900 in einem typischen "Village Périgourdin" kennen. Wir verbrachten die Abende mit einer Bauernfamilie, wuschen die Wäsche am Fluss, besuchten die Kirche und die Schule und nahmen am Unterricht in der Dorfschule teil. Manch einer wird Gott dafür gedankt haben, in der heutigen Zeit leben zu dürfen.

Die Zeit verging wie im Flug und schon war der letzte Tag im Périgord angebrochen. Der aber brachte uns noch zwei wirkliche Höhepunkte, nämlich den "Gouffre de Padirac" und Rocamadour. Beide liegen formal nicht mehr im Périgord, sondern in der angrenzenden historischen Provinz Quercy.
Der Gouffre , also der Abgrund oder Schlund von Padirac, ist ein phantastisches Höhlensystem, das durch einen unterirdischen Fluss entstanden ist, der sich über hundert Meter tief in den Kalksteinfelsen eingegraben hat und in die Dordogne mündet. An einer Stelle brach das Gestein ein und gab eine kreisrundes Loch von 33 Meter Durchmesser und 75 Meter Tiefe frei. Wir Besucher hatten die Wahl, entweder 455 Stufen hinabzusteigen oder ein dreiteiliges Fahrstuhlsystem zu benutzen, um in 103 Metern Tiefe anzukommen, wo Kähne mit Gondolieren für eine kurze Fahrt auf uns warteten. Wir bevorzugten den Fahrstuhl und gingen an Bord. Der anschließende Rundgang führte uns in eine in Millionen von Jahren entstanden Wunderwelt von riesigen Dimensionen. Der 94 Meter hohe Salle du grand Dôme, ein 40 m hoher und 6 m breiter Stalagmit und ein 25 m langer , 4m breiter Stalaktit wurden von unserem Führer besonders hervorgehoben, können aber nur im Anblick der gewaltigen Räume so richtig gewürdigt werden, der im Grunde gar nicht zu beschreiben ist.
Auf dem Weg zurück an die Oberfläche konnten wir dann noch einmal für das organisatorische Geschick von Bruno dankbar sein, der einen frühen Termin vereinbart hatte, denn die Schlange, die nun da wartete, schien kein Ende zu nehmen. Während wir praktisch sofort dran waren, hätten wir jetzt mindestens zwei Stunden warten müssen.
Wieder im Bus, erzählte uns dann Brigitte Casalis eine Geschichte von ihrem Großvater, die die Entdeckung der Höhle betrifft. Dieser stammte aus der Gegend und war Handschuhmacher. Sein Freund, ein Schäfer, klagte, dass einige seiner Schafe in einem Loch verschwunden waren. Die damals jungen Männer seilten sich daraufhin in den Abgrund ab und entdeckten so den Einstieg zur Höhle. Sie informierten den Höhlenforscher Martel, der heute als der Entdecke gilt. Brigitte zeigte uns eine Postkarte, in der Martel ihrem Großvater dankt und ihm mitteilt, dass er den bekannten Ingenieur Eiffel, den Erbauer des gleichnamigen Turms, um technischen Rat gebeten hat. Außerdem erhielt ihr "Grand-Père" vier Dauer-Eintrittskarten.

Solche und andere Geschichten schwirrten ständig im Bus hin und her und waren das Salz in der Suppe unserer gemeinsamen Tour. Noch so ein Wortspiel, das ich unbedingt loswerden muss, weil so viel vom Hundertjährigen Krieg die Rede war: Jeanne d'Arc steigt auf den Scheiterhaufen und sagt zu den Engländern: "Vous ne m'avez pas crue, vous m'aurez cuite". Viel Spaß beim Übersetzen.

 

So kamen wir nach Rocamadour. Der Name kommt von dem Einsiedler Amadour, der gemäß der Sage aus dem Heiligen Land von Jericho nach Gallien gekommen war und sich hier niedergelassen hat. Beim ersten Anblick aus der Ferne hat man den Eindruck, dass Rocamadour im Gegensatz zu anderen Orten nicht horizontal, sondern vertikal angeordnet ist. Seine mittelalterlichen Häuser samt Basilika Saint Saveur schmiegen sich an die steil aufragenden Kalksteinfelsen über der Schlucht des Flusses Alzou, von dem zumindest ich aber nichts gesehen habe. Anscheinend ist er ausgetrocknet.
Während die seit alters her zahlreichen Wallfahrer sich die steilen Treppen, teils sogar auf Knien, nach oben mühen mussten, um zur schwarzen Madonna zu beten, nahmen wir den umgekehrten Weg, der Schwerkraft folgend. Wir kamen dabei an den sieben Kapellen vorbei, deren bekannteste die Marienkapelle ist, die über der Krypta des heiligen Amadour steht. Auch ohne innere Bereitschaft zur Wallfahrt, vor allem nach wieder so einem guten Mittagessen, konnte man schon ahnen, welche Wirkung dieser Ort auf gläubige Menschen hat. Wer auf Wunder hofft, braucht nur auf das Läuten der Glocke in der Marienkapelle zu warten. Die nämlich soll sich im Fall eines solchen automatisch in Gang setzen. Bei unserem Besuch geschah zwar gerade kein Wunder, aber wunderbar war der Eindruck von Rocamadour allemal.

Damit waren die schönen Tage im Périgord Vergangenheit und wir machten uns auf den Heimweg. Der führte uns über Limoges, einer durchaus sehenswerten Stadt, die in unserem Fall nur den Nachteil hatte, dass sie am Ende einer so interessanten Zeit stand, so dass sich eine gewisse Müdigkeit breit zu machen schien. Da kam die Besichtigung einer Porzellanmanufaktur gerade recht. Und damit nicht genug, Bruno hatte auch noch eine Stadtführung organisiert. Die deutsche Gruppe zumindest, war schon so schlapp, dass sie die Führerin zu einer kleinen Unterbrechung in einem Bistro einlud. Trotzdem hat die historischen Altstadt, vor allem das Viertel "Village de la Boucherie" einen interessanten Abschluss gebildet.
Und dann rollten wir wieder Paris entgegen. Unsere französischen Freunde stimmten das Lied vom Cro-Magnon-Menschen an, das wir - nach kurzer Übung - so gut wir konnten, mitsangen:
C'était au temps de la préhistoire
Il y a d'ici trois cent mille ans
Vint au monde un être bizarre
Proche parent de l'orang-outan……..
Wir dankten Bruno und Charly noch einmal, wie schon am Abend vorher, für diese tolle Reise, die nach einer Stadtrundfahrt in Paris zu Ende ging und versprachen, uns im nächsten Jahr in Heidelberg wiederzusehen.
À bientôt, les amis.

 

Ausflug unserer Seniorengruppe
von Friederike Wohlfahrt


Mitte September war es wieder soweit; wir starteten zu unserem diesjährigen Seniorenausflug, diesmal in Privatwagen. Zuerst fuhren wir durch unser schönes Bergisches Land in Richtung Dhünntalsperre. Das Ziel unserer Rundfahrt war das Restaurant Diepental, wo wir Mittag aßen. Danach bildeten sich zwei Gruppen: Die einen blieben in Diepental zum Spazierengehen und Kaffeetrinken, wir anderen fuhren weiter nach Wermelskirchen zum Café Wild mit seiner herrlichen Torten- und Konfektauswahl. Dank Sieglindes Temperament und Reinhards geistreichem Humor ging uns der Gesprächsstoff nicht aus. Wir haben alle mal wieder von Herzen gelacht! Das tat richtig gut und hat uns beschwingt die Heimfahrt antreten lassen.

 

Un très grand merci an Dr. Hermann Brandl für den großen und interessanten Reisebericht unserer Perigord-Reise! Und natürlich auch an Friederike!

Nun wünsche ich Ihnen allen schöne und sonnige Herbsttage
und bin mit lieben Grüßen

Ihre Sybille Schmidt

 

Redaktion: Sybille Schmidt
Layout und Webmaster: Hartmut Schmidt

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