Info-Blatt Nr. 34 - Oktober 2011

 

Die deutsch-französische Reisegruppe im Schwetzinger Schlosspark

 

In eigener Sache

 

Liebe Vereinmitglieder und Freunde unserer Städtepartnerschaft,
zum Ende des Sommers drängt es mich, Euch an einem sehr interessanten Ereignis unseres Vereins teilhaben zu lassen: an der deutsch-französischen Kulturreise in die Kurpfalz.
Der 2. Vorsitzende des Vereins, Dr. Hermann Brandl, mittlerweile Spezialist in der Organisation und Durchführung der Kulturreisen auf deutscher Seite, hatte für ein sehr interessantes Programm in dieser an deutsch-französischer Historie so reichen Gegend gesorgt. - Im Namen des Freundeskreises und aller Mitreisenden möchte ich Hermann sehr herzlich danken für sein großes Engagement zu dieser Reise.
Inzwischen ist diese Gemeinschaft wie eine große Familie zusammengewachsen und Hermann hat dafür gesorgt, dass bei allen Kulturangeboten während des Tages bei leckeren ortstypischen Mahlzeiten und einer gemütlichen Unterkunft genug Zeit blieb, die freundschaftlichen Kontakte wieder aufzufrischen und neue Mitreisende in die Gemeinschaft einzubinden. Es war wieder ein sehr gelungenes harmonisches Miteinander.
Hermann Brandl hat über die Reise einen großen, sehr interessanten Bericht verfasst - viel Spaß beim Lesen (ab S. 3)! Und "Grand Merci, lieber Hermann!"
Im September hat unser Verein wieder zusammen mit dem Henley- und Funchal-Club mit großem Erfolg am Stadtfest teilgenommen. Siehe Bericht.
Und Friederike Wohlfahrt hat für ihre Senioren wieder einen sehr gelungenen Herbstausflug organisiert.
Nun wünsche ich Euch schöne und sonnige Herbsttage und bin mit
lieben Grüßen
Eure
Sybille Schmidt

 

Termine

Datum
Zeit
Wo?
Was?
Dienstag
08. 11 2011
19.00 Uhr
Restaurant 11 B
Table Ronde
Sonntag
22.01.2012
11.30 Uhr
Bürgerhaus
Neujahrstreffen des Freundeskreises
28. 04… 01. 05.2012
Leichlingen
Besuch der Marlychois

 


Unsere Mitglieder berichten

 

Eine Jumelage in Kurpfalz

von Dr. Hermann Brandl

 

Wenn es wieder September wird, liegt nicht nur der Herbst in der Luft. Es ist auch die Zeit im Jahr, in der wir uns auf ein Wiedersehen mit unseren französischen Freunden freuen, sei es in Frankreich oder Deutschland.
Diesmal ist es also wieder hier bei uns.
Bereits im Perigord, unserem letztjährigen Treffen, war von französischer Seite der Wunsch geäußert worden, wenn möglich, doch bitte nach Heidelberg und Umgebung zu fahren, das heißt, in die Kurpfalz.
Der Gedanke, der dahinter steckt, ist natürlich die enge Verflechtung dieser geschichtsträchtigen Gegend zwischen Frankreich und Deutschland, ähnlich dem Elsass, das wir schon vor ein paar Jahren besucht haben.
Entsprechend hoch war dann auch das Interesse. Nach wenigen Tagen war der Bus mit seinen 50 Plätzen voll ausgebucht, fast zu gleichen Teilen von beiden Seiten des Rheins.
So treffen wir uns also im Hotel Krone in Hirschberg-Grosssachsen an der Bergstrasse, etwa 15 km nördlich von Heidelberg.
Wir aus Leichlingen kommen etwas früher mit dem Zug an als unsere Freunde aus Marly mit dem Bus, der, wie immer, von Charly chauffiert wird. Durch diesen kleinen zeitlichen Vorsprung können wir sie also herzlich in Empfang nehmen.

Es geht wieder zu wie auf einem Klassentreffen. Ein buntes Geschnatter, das auch noch beim "Verre d'Amitié" vor dem Abendessen nichts an seiner Lautstarke verloren hat.

Was ist es nun, das die Kurpfalz, oder die Pfalzgrafschaft bei Rhein, wie sie früher genannt wurde, so interessant macht? Für die deutsche Geschichte ist es sicherlich die bedeutende Stellung, die dieses Territorium im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation einnahm, denn schließlich war der Pfalzgraf bei Rhein einer der sieben Kurfürsten, die den Kaiser wählen durften. Nach der Reformation wurde die Kurpfalz, neben Sachsen, die wichtigste protestantische Macht im Reich.
Für Franzosen beginnt das Interesse erst mit dem Pfälzischen Erbfolgekrieg, oder dem Orléanschen Krieg, wie er in Frankreich genannt wird. Wie meistens war eine Hochzeit Anlass für späteren Streit.
Der Kurfürst Karl I. Ludwig wollte sein Verhältnis zu Frankreich durch die Heirat seiner Tochter Elisabeth Charlotte, besser bekannt unter dem Namen Liselotte von der Pfalz, mit Herzog Philipp von Orléans, dem Bruder des Sonnenkönigs Ludwig XIV., stabilisieren. Dies schuf die Ausgangslage für spätere Begehrlichkeiten auf französischer Seite, unter anderem den Wunsch, die Grenze auch in dieser Region bis an den Rhein zu verschieben. Wie üblich schwirrt einem der Kopf, wenn man versucht, sich die jetzt folgenden Erbgeschichten einzuprägen. Wesentlich ist nur: die Kurfürsten hatten keinen Thronfolger und Ludwig XIV. war der Meinung, dass durch das Erbe der Liselotte es nur rechtens wäre, wenn alles französisch würde.
Es begann eine ziemlich schlimme Zeit für diesen Teil Deutschlands. 1688 marschierten die französischen Truppen ein. Heidelberg, Mannheim, Speyer, Worms und viele andere Orte wurden verwüstet, nach dem Prinzip der verbrannten Erde. Interessant ist, dass es zu keiner richtigen Schlacht kam. Vielmehr wollte Ludwig XIV. durch die gezielten Zerstörungen die Moral der Bevölkerung untergraben. Zehn lange Jahre war es untersagt, Heidelberg wieder aufzubauen.
Und noch ein Wort zu Liselotte. Sie muss am französischen Hof doch viel Heimweh nach Deutschland gehabt haben. Statt ihrer geliebten Biersuppe zum Frühstück musste sie zum Beispiel so ein widerliches braunes Zeug trinken. So kann man Kaffeegenuß auch beschreiben Um mit der Heimat verbunden zu bleiben, hat sie im Laufe ihres Lebens rund 60 000 Briefe an ihre Verwandtschaft geschrieben. Ob das zur deutsch/französischen Verständigung schon beigetragen hat?

Egal, wir jedenfalls wollen in den nächsten Tagen gemeinsam diese Gegend erkunden und beginnen am Tag nach unserer Anreise mit Heidelberg.

 

Wer Heidelberg im September besucht, muss sich auf erhebliche Touristenströme einstellen. Bus um Bus rollt am Neckarmünzplatz an, dem Ausgangspunkt für Altstadtbesuche, speit Unmengen an Touristen aus aller Welt aus, um dann auf einem riesigen Parkplatz am nahen Karlstor abgestellt zu werden. So auch unserer, der uns jetzt gemeinsam durch die Gegend schaukelt.

Um etwas antizyklisch vorzugehen, beschließen unsere Führerinnen, den Besuch des Schlosses auf den Vormittag zu legen, um die Altstadt am Nachmittag etwas ruhiger vorzufinden. Das ist eine gute Idee.
So fahren wir also mit der Bergbahn hinauf zu dem berühmten Schloss, erbaut aus dem roten Sandstein des Neckartals. Obwohl heute weitgehend eine Ruine, kann man doch an den noch stehenden Gebäuderesten, wie dem Ottheinrichs- oder Ruprechts-Bau, die einstige Schönheit erkennen.
1689 und 1693 ereilte die prachtvolle Residenz der Kurfürsten das Schicksal des übrigen Landes und sie wurde total zerstört, später nur teilweise wiederaufgebaut. Man missbrauchte sie als Steinbruch für das Schwetzinger Sommerschloss und für den Wiederaufbau Heidelbergs. Lediglich der Friedrichsbau wurde wieder errichtet.
Vor der Zerstörung muss es hier recht lustig zugegangen sein.

Davon zeugt nicht nur das größte Weinfass der Welt mit seinen ca. 222 000 Litern Fassungsvermögen. Dass da nicht nur reiner Wein drin war, wird erzählt. Zum Strecken musste Jauche für Rot- und Olivenöl für Weißwein herhalten. Da war es schon nötig kräftig zu picheln, um mit diesen Quantitäten fertig zu werden.

Hier findet man auch die Statue des ehemaligen Hofzwergs Perkeo, der es später sogar zum Mundschenk in Heidelberg brachte. Er war der Wächter des Fasses und sein Namen leitet sich davon ab, dass er auf die Frage, ob man noch ein Glas Wein stemmen könne, stets mit "perchè no?" = "warum nicht" geantwortet hat. Er muss ein gewaltiger Säufer gewesen sein. Die sieben Humpen Wein pro Mittagessen, nahm er auch außerhalb der Mittagszeit ein, denn die Uhr neben seinem Standbild ist symbolisch auf 5 nach 12 gestellt. Man darf allerdings nicht vergessen, dass es damals wesentlich gesünder war, Wein statt Wasser zu trinken. Die städtischen Wasserwerke hatten ihren Dienst noch nicht aufgenommen.
Auf ihn geht auch das Studentenlied Viktor von Scheffels zurück: "Das war der Zwerg Perkeo". Und weil man beim Wein so schön singen kann, hat auch das Lied "Im tiefen Keller sitz ich hier, vor einem Fass voll Rebensaft", hier seinen Ursprung.
Wer so viel trinkt, der tut sich naturgemäß gelegentlich bei anderen höfischen Sitten schwer, wie zum Beispiel der Jagd. Um sie den Herren trotzdem zu ermöglichen, wurden im Schlossgraben zahme Hirsche gehalten. Die liefen dann nicht weg und man hatte trotzdem sein Erfolgserlebnis.
Das Schloss fristete später sein Dasein als "Fast-" Ruine. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde Heidelberg und das Schloss zum Symbol der deutschen Romantik. Von Studentenverbindungen und manchen Professoren gingen liberale, nationale und demokratische Strömungen aus.

Mit einem ziemlich guten Eindruck vom damaligen Leben hier oben und der Geschichte des Schlosses, steigen wir schließlich zu Fuß ab, um uns gemeinsam vor dem beeindruckenden Renaissancegebäude, in dem heute das Hotel Ritter untergebracht ist, zum Essen zu treffen.
Nach so vielen Weingeschichten ist es nun aber doch ein Genuss, ein paar Flaschen davon auf den gedeckten Tischen vorzufinden. Perchè no? oder pourquoi pas?

Am Nachmittag ist dann die Stadt tatsächlich relativ leer, die Touristenströme vielleicht jetzt auf dem Schloss. Wir jedenfalls können zwei Stunden die Altstadt von Heidelberg in Ruhe durchstreifen.
Es gibt in Deutschland keinen zweiten Platz, der so viel besungen und über den so viele Gedichte geschrieben wurden, wie Heidelberg.
Goethe, Hölderlin, Brentano, Heine, Mark Twain, Gottfried Keller, Viktor von Scheffel, Kurt Tucholsky haben sich damit beschäftigt, um nur die Bedeutendsten zu nennen. Goethe sagte, dass Heidelberg in seiner Lage und mit seiner Umgebung etwa Ideales hat.

Auf das Jahr 1196 geht die urkundliche Gründung zurück, doch vorher waren schon Kelten und Römer hier. Der Pfalzgraf bei Rhein erbaute dann im 13.Jhd. das Schloss als seine Residenz. Die Universität wurde 1386 durch den Kurfürsten Ruprecht I. gegründet und ist die älteste im heutigen Deutschland. Nur Prag, als damalige auch deutschsprachige Universität (1348) und Wien (1365), im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation, sind älter.

In einem Anfall von Größenwahn führte dann 1392 Ruprecht II. eine enorme Erweiterung des Stadtgebietes durch. Da sich keine Fremden ansiedeln sollten, hat man die Bauern der Umgebung zwangsumgesiedelt. Es dauerte aber nur 450 Jahre, bis man das Vakuum wieder aufgefüllt hatte.

Noch ein Wort zur Religionsgeschichte. Im Jahr 1518 trat Luther bei der Heidelberger Disputation auf und machte damit die Reformation in ganz Deutschland bekannt. Unter Kurfürst Ottheinrich ist dann die gesamte Kurpfalz protestantisch geworden. Sein Nachfolger Friedrich III. setzte noch eins drauf und wandte sich dem Calvinismus zu.

Nach dem französischen Intermezzo mit seinen schrecklichen Folgen für die gesamte Kurpfalz wurde dann 1720 die Kurfürstliche Residenz nach Mannheim verlegt und 1803 kam Heidelberg zu Baden. Napoleon sei Dank. Übrigens auch wir Franken wurden damals nach Bayern verlegt, das dadurch doppelt so groß wurde. Eigentlich gehört das nicht hierher, muss aber doch auch einmal gesagt werden. Das haben wir Franken übrigens mit den Pfälzern gemeinsam. Auch sie wurden von einem Bayern übernommen. Im Dreißigjährigen Krieg, nach der Schlacht am Weißen Berg bei Prag, in der der protestantische Kurfürst Friedrich V. der Katholischen Liga unterlag, entzog der Kaiser ihm die Kurwürde und übertrug sie Herzog Maximilian von Bayern. Im Westfälischen Frieden erhielt dann der Sohn Friedrichs V., Karl I. Ludwig, die verkleinerte Pfalz zurück und auch die Kurwürde. Seitdem gab es acht Kurfürsten.
Dass wir heute Heidelberg noch so gut erhalten vorfinden, soll angeblich auf die Tatsache zurückzuführen sein, dass die Amerikaner bei ihren Bombenangriffen im 2. Weltkrieg bereits geplant haben sollen, nach dem Krieg in Heidelberg ihr Hauptquartier zu errichten.

Das, meine ich, genügt zur Geschichte, denn wer kann sich schon in diesem Gewirr von Kaisern, Königen, Kurfürsten, Herzögen und sonstigen Noblen, zurechtfinden. Und dazu kommen noch die Heiraten kreuz und quer, gefolgt von zahlreichen Erbfolgekriegen.

Unsere Führerinnen erzählen uns aber auch schöne Histörchen vom ewigen Studenten und wie es im berühmten Heidelberger Karzer zuging.
Der ewige Student, dessen Grabplatte wir sehen, geht auf die Zusage seines Onkels zurück, ihm eine Apanage zu zahlen, so lange er studiert. Und der Karzer, der zwar ein Gefängnis darstellte, war in Wirklichkeit ein Ort, an dem sich die studentische Phantasie entzündete. Es war das begehrteste Gefängnis der Welt. Nur wer einmal da drin war, war als Student anerkannt.
Als begehrte Straftaten kamen zum Beispiel in Frage: Nackt im Neckar baden oder betrunken und grölend durch die Straßen ziehen oder Säue durch die Stadt treiben. Die Insassen mussten nach zwei Tagen bei Wasser und Brot auf eigene Kosten leben, was zu regelrechten Fress- und Sauforgien geführt haben soll. Es wurde ein regelrechter Catering-Service eingerichtet, so würde man das heute sagen.
Ein berühmter Sohn der Stadt ist Friedrich Ebert, der erste deutsche Reichspräsident. 1871 wurde er in der kleinen Wohnung geboren, die typisch für das kleinbürgerliche Milieu war. Die Miete berechnete man nach Kubikmetern. Deshalb sind die Decken so niedrig.

Ein bisschen müde von den Stadtwanderungen, aber verwöhnt durch blauen Himmel und den ganzen Tag Sonnenschein, nimmt uns dann Charly wieder am Neckarmünzplatz auf und wir dürfen uns schon wieder auf Pfälzer Wein und ein gutes Abendessen im Hotel Krone freuen nach dem Motto eines Pfälzer Sprichworts: "Wein, mäßig genossen, schadet auch in größeren Mengen nicht"

Am zweiten Tag fahren wir nach Worms, der Stadt der Nibelungen.
Frau Fröhlich, die schon am Vortag die französische Gruppe geführt hat, erzählt uns während der etwa einstündigen Fahrt Geschichte und Geschichten dieser Gegend, die voll davon ist.
Überhaupt geht es auf unseren Busfahrten immer besonders lustig zu.
Das fängt schon jeden Morgen mit der Übersetzung des Speiseplans für den Abend an, wenn zum Beispiel Tafelspitz auf Französisch daherkommt.
Oder wir singen das Lied vom Cro Magnon-Menschen, das wir im letzten Jahr einstudiert haben.
Heute kommen wir zunächst an der Burg des Ritters von Strahl vorbei, der in Heinrich von Kleists Theaterstück "Das Käthchen von Heilbronn" das Käthchen verzaubert hat.
Gleich danach sehen wir das Hinweisschild von Ladenburg.
Hier haben Karl Benz und seine Frau Bertha gelebt. Ohne diese resolute Bertha würde Karl heute wohl nicht als der Erfinder des Automobils gelten. Sie hat ihren Mann immer motiviert, sie hat die erste Fahrt mit dem Automobil gemacht, hat mit ihrem Strumpfband den gerissenen Keilriemen repariert und in den Apotheken der Gegend Ligroin - so hieß damals das Gemisch, das unserem heutigen Benzin ähnelt - in kleinen Fläschchen gekauft, um den Motor am Laufen zu halten.
Dann passieren wir Heppenheim. Hier hat einst der berühmte Chemiker und Begründer der organischen Chemie, Justus von Liebig, eine Apothekerlehre abgebrochen, weil er bei Versuchen mit Knallquecksilber einen Dachstuhlbrand auf dem Gewissen hatte. Das schien ein Wink des Schicksals zu sein, denn zuvor hatte ein Lehrer ihm gesagt: "Du bist ein Schafskopf, bei dir reicht es nicht einmal zum Apothekerlehrling".
Wer statt Chemie lieber Autorennen mag, auch der kommt hier auf seine Kosten. Der amtierende Formel- I- Weltmeister Sebastian Vettel stammt aus Heppenheim. Die Stadt kann sich sogar noch mit einem Besuch des Fürsten Albert von Monaco brüsten, der einmal hier war um den Ort zu besuchen, aus dem Margarete Berg stammt, die Großmutter von Grace Kelly, seiner Mutter.
Als wir uns dann Worms nähern, werden wir noch darauf hingewiesen, dass der Rheingraben langsam einbricht und sich somit Frankreich langsam von uns entfernt. Wir alle beteuern jedoch, dass dies unserer Verbundenheit keinen Abbruch tun wird.
Zum Schluss der Histörchen noch ein Dank an Frankreich, das die Steuer auf Champagner eingeführt hat, die dann vom Deutschen Reich freudig auf den Sekt übertragen wurde und zur Finanzierung der Kaiserlichen Marine im ersten Weltkrieg diente.
Dann sind wir in Worms. Wir haben neben Frau Fröhlisch auch noch Herrn Ullrich mit im Gepäck, der uns Deutsche mit seinem singenden Pfälzer Dialekt durch die Stadt begleiten wird.
Auch Worms ist so reich an bedeutenden historischen Ereignissen, dass ich hier nur auf die wichtigsten Besichtigungen eingehen will. Wir konzentrieren uns auf drei Bereiche. Den Dom, der neben dem Mainzer und Speyerer Dom einer der drei romanischen Kaiserdome ist, den jüdischen Friedhof und das Luther-Denkmal, an Hand dessen man uns die Bedeutung von Worms für die Reformation erklärt. In Worms hat schon immer das Zusammenleben verschiedener Kulturen gut funktioniert. Die jüdische Gemeinde, die bereits im 11. Jhd. gegründet wurde, war ein wertvoller Bestandteil der städtischen Gemeinschaft. Auch später, nachdem Luther hier seinen berühmten Satz auf dem Reichstag von 1521 gesprochen hat "Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir", hat das Zusammenleben der Religionen gut geklappt. Auch über die Nibelungen wird gesprochen, das Volk, über das es so viele Sagen und Geschichten im Umlauf sind, dass man schon Wagner-Liebhaber sein muss, um sich auszukennen. Jedenfalls haben sie Worms als Hauptstadt ausgewählt, was sich die Stadt in Form der Nibelungen-Festspiele zunutze macht.
Auf dem Heimweg fahren wir dann noch in Lorsch vorbei, wo die Karolingische Torhalle steht, ein Weltkulturerbe. Sie war Teil der Abtei Lorsch, eines mächtigen Reichsklosters des Früh- und Hochmittelalters.
Und weil noch etwas Zeit ist, spazieren wir zum Abschluss der Fahrt ein Stündchen durch die gut erhaltene Altstadt von Weinheim, die auf dem Weg liegt. Und obwohl wir dreimal am Tag gut gefüttert werden, gibt es einige, die sogar noch Platz für Kuchen in einem der gemütlichen Cafés auf dem Marktplatz haben.
Kurz vor dem Aussteigen höre ich dann noch von unserer Begleiterin einen Pfälzer-Spruch, den sie so nebenher sagte, der mich aber sehr beeindruckt hat und den ich mir für entsprechende Lebenssituationen merken werde. Er lautet:
"Bevor isch mich uffräsch, isch es mir lieber egal".

Und schon war der zweite Besuchstag vorbei. Schade. Aber es geht ja noch weiter.

Und zwar mit der fast schon traditionellen Schiffsfahrt. Diesmal natürlich durch das schöne Neckartal von Heidelberg bis Neckarsteinach.
Auf der gesamten Fahrt hat alles mit unseren Führungen hervorragend geklappt, dank auch der Zusammenarbeit mit dem Heidelberger Touristen-Büro. Nur einmal gibt es für mich eine kleine Schrecksekunde. Als ich vor der Kasse des Schiffsbetreibers stehe und die Karten für die Schiffsfahrt abholen will, fragt man mich erstaunt: "Welche Karten?" Ein gehöriger Schreck fährt mir durch die Glieder. Da hilft mir auch der schöne Spruch vom Vortag nicht weiter, denn ein Blick zurück zum Kai zeigt mir viele liebe Menschen, von beiden Seiten des Rheins, die voller Vertrauen in mich auf eine schöne Schiffsfahrt warten. Da ich aber immer davon ausgehe, dass, was passieren kann, auch passiert, ziehe ich den Beleg heraus, auf dem die Reservierung vermerkt ist. Glücklicherweise liegt noch ein zweites Schiff vor Anker, das unsere große Gruppe gut aufnehmen kann. Und los geht's. Uff! Quel soulagement!

Wir haben wieder unsere Frau Fröhlisch mit an Bord genommen, die uns unterwegs - diesmal auf Französisch und Deutsch - die Sehenswürdigkeiten am Ufer näher bringt.
Da kommt zunächst der Ort Haarlass, in dem man vor dem Klostereintritt die Haare abgeben musste. Dann taucht die Abtei Neuburg auf, die 1804 säkularisiert wurde und in Privatbesitz überging. 1825 erwarb der Kaiserliche Rat Schlosser das Anwesen und es entwickelte sich ein bürgerlicher Salon, in dem bedeutende Persönlichkeiten zu Gast waren, so zum Beispiel Freiherr vom Stein, Johannes Brahms, Joseph von Eichendorff, Clemens Brentano, Rudolf Steiner, Hermann Hesse, Stefan George, Rainer Maria Rilke und Klaus Mann. Wem das noch nicht reicht, Carl Maria von Weber hat hier angeblich ein Gespenst in seinem Zimmer gehabt und ist so zu seiner Oper Freischütz inspiriert worden.
Kurz vor unserem Ziel Neckarsteinach gibt es dann gleich vier Burgen auf einmal, die Vorderburg, Mittelburg, Hinterburg und das Schwalbennest.
Dann sind wir da. Wir legen an, nach eineinhalb Stunden auf dem romantischen Neckar, und sehen am Ufer schon den Bus mit dem freudig winkenden Charly, der uns abholen soll und deshalb nicht mit an Bord gehen durfte.
Zum Abschluss des Vormittags haben wir dann, nach einer kleinen Bergwanderung zur Burg Dilsberg, hoch über dem Neckar gelegen, einen herrlichem Blick ins Tal.
Nach so viel Bewegung freut man sich natürlich wieder einmal auf ein gutes Mittagessen und den dazugehörigen Wein, heute im Restaurant des Kurpfälzischen Museums in Heidelberg.

Und danach geht es nach Schwetzingen, zu einem langen Verdauungsspaziergang durch die bekannten und in Europa einzigartigen Schlossgärten, die von Kurfürst Karl Theodor nach dem Vorbild Versailles angelegt worden sind, was unsere französischen Freunde natürlich mit Stolz erfüllt. Für mich war Schwetzingen immer zuerst mit Spargel verbunden, aber was da an Blütenpracht und Gartenkultur auf uns wartet, hat mir so richtig die Sprache verschlagen. Volle zwei Stunden wandern wir in der französischen und englischen Garten-Welt des 18. Jahrhunderts umher und kommen auch an den verschiedenartigsten Statuen und Gebäuden vorbei, wie an dem Badhaus, dem Apollotempel und der Moschee mit ihren hohen Minaretten. In dem Garten des erwähnten Badhauses ist als besondere Attraktion der Brunnen mit den Wasser speienden Vögeln. Die sitzen oben auf einer Einfassung und bespucken den bösen Uhu unten mit Wasser, weil er gerade einen der ihren in seinen Fängen hält. Damit auch etwas Lebendiges dabei ist, zwitschern nebenan richtige Vögelchen in ihren Volieren.

Auf dem Nachhauseweg erzählt uns Frau Fröhlich noch, was ein Heidel ist. Ein Heidel ist eine Zeiteinheit und bedeutet fünf Jahre. Das kommt daher, dass man die romantische Altstadt Heidelbergs, die durch die lärmende Bundesstrasse 37 vom Neckar getrennt ist, zu diesem hin öffnen will. Weil dies aber so langsam geht und von einer Planungsphase in die nächste übergeht, hat man die Zeit einfach verkürzt.
Die Öffnung von Städten zu einem Fluss scheint in Mode zu sein.

Der vierte und leider schon letzte Tag führt uns in die einst freie Reichstadt Speyer, eine der bedeutendsten Städte im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Schon aus der Ferne sehen wir die hohen Türme des gewaltigen Doms, vor dem wir dann auch unsere beiden Führer treffen, die diesmal aus dem Freundeskreis eines unserer Mitglieder stammen. Sozusagen ein Privatissimum.

Es ist schon ein gewaltiges Bauwerk, diese weltweit größte erhaltene romanische Kirche, die natürlich auch zum Weltkulturerbe der UNESCO zählt.
Wie alle Städte, die wir besuchen, kann Speyer auf eine lange Geschichte zurückblicken. Schon seit der Jungsteinzeit waren hier Siedler, später kamen dann Kelten, Römer, Germanen dazu und hinterließen ihre Spuren.
Das Geschlecht jedoch, das Speyer seinen Stempel aufdrückte, waren die Salier. Kaiser Konrad II. begann ab 1033 mit dem Dom-Bau. Er wollte für seine Dynastie vorsorgen und hat dabei an hundert Nachfahren gedacht. Leider wurden es aber nur vier, bevor die Staufer an die Macht kamen.
Um sich die gewaltigen Dimensionen des Dom-Baus vorstellen zu können, muss man wissen, dass damals gerade 500 Bürger in Speyer lebten, aber 10 000 Bauarbeiter plus Familien mit dem Dom beschäftigt waren.
Einer der bekanntesten Salierkaiser war Heinrich IV., der durch den Canossagang berühmt wurde. Zur Strafe durfte er auch zuerst nicht im Dom beigesetzt werden. Man hat ihn deshalb in einem Anbau zwischengelagert, bis schließlich sein Sohn Heinrich V. mit dem Papst eine diplomatische Lösung gefunden hat. Seither ruht auch er in der Krypta.
1689 brannte der Dom ab, weil die Bürger, bedingt durch den Einmarsch der Franzosen, alle ihre Häuser leer räumten und ihr gesamtes Hab und Gut im Dom stapelten. Welch ein gefundenes Fressen für ein Feuer. Ein Jahrhundert später kamen dann wieder die Franzosen auf die Idee, den Dom abzutragen, um aus den Steinen einen Triumph-Bogen für Napoleon zu bauen. Gott sei Dank war der selbst dagegen und hat durch ein Dekret den Fortbestand der Kirche gesichert.
Vor dem Dom steht eine riesige Schale aus Sandstein, in die 1580 Liter Wein passen. Natürlich ist das nicht der Sinn der Schüssel, sondern sie symbolisiert die Bürgerfreiheit, die 1230 durch die Trennung von dem bis dahin allein herrschenden Bischof erkämpft wurde. Aber noch heute feiert man anlässlich des jährlichen Weinfestes am 2. Oktober dieses Ereignis, in dem man die Schale mit Wein füllt, und das gleich dreimal, denn der ist umsonst. Allerdings kostet das leere Glas drei Euro. Damit auch alles recht hygienisch zugeht, hat die nahe gelegen BASF einen Kunststoffeinsatz samt Ringleitung spendiert, so dass die Bürger wie die Ferkel an den Zitzen der Mutter ihren Durst stillen können.
Im anschließenden Stadtrundgang erfahren wir dann noch viele interessante Details über die Stadt, aber da das Infoblatt nur eine bestimmte Seitenzahl akzeptiert, werde ich nur noch einige Worte zum Judenviertel sagen, das, wie schon in Worms, hervorgehoben werden muss. Kaiser Heinrich IV. hat die Juden in Speyer angesiedelt und sie lebten jahrhundertelang friedlich mit den anderen Bürgern zusammen und trugen wesentlich zum Wohlstand der Stadt bei. Heute noch zeugen Reste der Synagoge und der Mikwe davon, die aus den gleichen Steinen wie der Dom errichtet wurden. Erst durch die Pest im 14. Jhd., deren Ursache man - wie üblich bei Unglücken - den Juden in die Schuhe schob, kam das Unglück über diese Mitbürger. Sie wurden aus dem Rheinland vertrieben und siedelten sich daraufhin verstärkt im Osten Europas an, vor allem auch in Prag. Ein wirtschaftlicher Niedergang für Speyer war die Folge.
Jetzt, nach diesem zweistündigen Umherwandern, haben wir es aber verdient, des Pfälzers Leibgericht. Einmal müssen sie ihn probieren, unsere lieben Franzosen. Ich spreche vom berühmten Saumagen, begleitet von einer gut gewürzten Bratwurst und einem Leberknödel, dazu Sauerkraut und Schwarzbrot und dem Humpen Pfälzer Wein.
Er kommt gut an und ich frage mich, ob wir bei der Andouille vor zwei Jahren in der Bretagne nicht doch etwas überreagiert haben.
Zum Ausklang des Tages werden wir dann in der wunderbaren Ausstellung "Die Salier, Macht im Wandel" im Historischen Museum der Pfalz an Hand von einzigartigen Originalen aus 50 europäischen Museen, die nie zuvor in einer einzigen Ausstellung zu sehen waren, um tausend Jahre zurückversetzt. Die Salier, die nur vier Generationen über das Reich herrschten, prägten jedoch die deutsche Geschichte nachhaltig. Bürgerrechte und Freiheit, ausgedrückt unter anderem auch in ihrem Verhältnis zu den Juden, waren bestimmend für ihre Regentschaft. Speyer war der Mittelpunkt ihres Reiches und der mächtige Dom das sichtbare Symbol.

Dann war er schon wieder da, der letzte gemeinsame Abend. Es geht, wie immer, fröhlich, ja übermütig, zu. Fast alle Damen tragen neuartige Schals um den Hals, die durch französische Couture zwei Tage zuvor in Umlauf gebracht worden waren. Sie trafen auf erhebliche Gegenliebe und breiteten sich rasend schnell aus. Für den Spottpreis von 20,-Euro konnte man dem Klub beitreten. Sogar im Bus wurden noch Strickanweisungen ausgetauscht.

Mit dem festen Versprechen, uns im nächsten Jahr am Golf von Morbihan in der südlichen Bretagne wiederzutreffen, gehen wir dann auseinander, um uns am nächsten Morgen schon um acht Uhr vor dem Bus zum Abschied zu treffen.

Ach, wat war et wieder schön!
À l'année prochaine.


 

Ausflug unserer Seniorengruppe

von Friederike Wohlfahrt


"....und kam die goldene Herbsteszeit" (Fontane), dann ist für uns die Ausflugszeit!
Unser Ziel heißt diesmal Benrath. Wir begannen mit einem kurzen Bummel über die Rheinpromenade, aßen in der "Rheinterrasse" zu Mittag und schlenderten dann durch den Benrather Schlosspark. In der Nähe der Orangerie stießen wir zur Überraschung vieler auf einen großen, herrlich blühenden Garten, von dem wir uns gar nicht trennen mochten. aber es kam ja noch ein üppig bestellter Gemüsegarten. Und dabei hatten wir doch solch ein Glück mit dem Wetter, dass wir unsere großen Eisbecher sogar im Garten des Schlosscafes essen konnten! Das tat gut! - Und so haben wir diesen beschaulichen Ausflug in unserem vertrauten Kreis alle sehr genossen!
 

Unsere Seniorengruppe im Benrather Schlosspark

 

Teilnahme am Stadtfest 2011


von Sybille Schmidt

In diesem Jahr war unser Angebot besonders üppig und das ist allgemein aufgefallen:
So schreibt Jan Sting im "Kölner Stadtanzeiger" vom 19. September: "..auch ansonsten ließen die Leichlinger beim Kulinarischen nichts zu wünschen übrig. Der Freundeskreis Marly servierte französische Raffinessen wie mit Frischkäse gefüllte kleine Dattelpralinen. Etwas grobschlächtig wirkten daneben am benachbarten Stand der Henley-Köche die "Meetballs" - Frikadellen, die so gerade auf ein Brötchen passten."…

Das tut doch richtig gut zu lesen
Unsere Kunden fanden auch fast alle nette Worte über die Qualität und Auswahl unseres Angebotes, einige bemerkten: "Wir kommen immer wieder zu Euch, weil wir wissen, dass ihr gute Sachen anbietet".

Ich darf diese Anerkennung mit Freuden an alle so engagierten und geübten aktiven Mitglieder weitergeben; verbunden mit einem ganz herzlichen Dank des "Freundeskreises Marly" für den großen Einsatz. Wir haben unseren Verein wieder gut repräsentiert und außerdem ein nettes Sümmchen für uns erwirtschaftet.