50 Jahre Städtepartnerschaft


Info-Blatt 40 - Jubiläumsausgabe November 2014

Der Bürgermeister von Marly Jean-Yves Perrot und der Leichlinger Bürgermeister
Frank Steffes zeigen die gerade unterzeichnete Partnerschaftsurkunde


In eigener Sache

Liebe Vereinsmitglieder und Freunde unserer Städtepartnerschaft,

Nach dem großen Jubiläum in Leichlingen liegen nun weitere ereignisreiche Tage hinter uns: Beim diesjährigen Stadtfest war uns der Wettergott gar nicht hold: es regnete in Strömen beim Auf- und beim Abbau und zwischendurch noch besonders kräftig! Trotzdem hatten wir dank vieler eifriger Helfer/innen eine herrliche Auswahl an Quiches, Kuchen, Crostini und der beliebten Zwiebelsuppe. Nach zögerlichem Beginn lief der Verkauf dann gut! Wir danken allen Helfer/innen sehr herzlich für die große Hilfe beim Aufbau, Standdienst und Bäckereien!

Anfang Oktober fuhren 27 Leichlinger/innen zur Kulturreise in die Bourgogne. Zusammen mit 17 Freunden aus Marly haben wir die Umgebung von Dijon erkundet und viel erlebt und gesehen. Zwei Reiseleiterinnen haben uns die ganzen Tage begleitet und uns in französischer und deutscher Sprache die dortige reiche Kultur nahe gebracht. Wir schwelgten in den leckeren burgundischen Spezialitäten und durften interessante Weine probieren.

Auch gelegentlicher Regen konnte unsere gute Stimmung nicht trüben und wir danken sehr herzlich Bruno Cronier und Charly für die gute Organisation auf französischer Seite sowie Hermann Brandl auf deutscher Seite, der uns trotz vieler Widrigkeiten auf den Schienenwegen sicher nach Paris und wieder zurück gebracht hat.

Von Dijon aus sind wir nach Marly gefahren, um auch in unserer Partnerstadt das 50jährige Jubiläum zu feiern. Schon bei der Einfahrt grüßten uns von allen Litfaßsäulen Fotocollagen von Marly und Leichlingen und der Hinweis auf das Jubiläum. Wir erlebten eine bewegende Zeremonie der Erneuerung des Verbrüderungseides und anschließend eine sehr schöne Jubiläums- Feier im Festsaal.

Es war ein rundum gelungenes Fest und wir danken dem Bürgermeister von Marly, Jean-Yves Perrot, und der 2. Bürgermeisterin und Verantwortlichen u.a. für die Partnerschaft, Dr. Stéphanie Thieyre, sehr herzlich für diesen schönen Festabend.

Der Freundeskreis bietet neu für die Mitglieder an: einen "Cercle bavardant", eine Gesprächsrunde in französische Sprache, geleitet von der Französin Frau Pütz, die uns schon beim ersten Mal mit Charme und Witz zum Reden gebracht hat. Der "Cercle b." findet immer am 1. Dienstag im Monat von 10.30 - 12 Uhr im Lesesaal des Bürgerhauses statt.
Ein geplanter Museumsbesuch in Wuppertal in die Ausstellung "Pissarro" fiel leider dem Bahnstreik zum Opfer. Wir haben zum Trost mit einem leckeren Abendessen beim Griechen das ereignisreiche Jubiläumsjahr ausklingen lassen.

Nun lasst uns gemeinsam und mit Schwung und guten Ideen die nächsten 50 Jahre Partnerschaft ansteuern!

Eine schöne Vorweihnachts- und Weihnachtszeit wünscht Euch

mit lieben Grüßen
Eure Sybille




Geburtstage

Am 24. September 2014 feierte Beate Bin Yusof ihren 60. Geburtstag. Wir gratulieren sehr herzlich und wünschen Gesundheit und Glück. Wir träumen noch immer von den herrlichen Vorspeisenbuffets, die sie uns jahrelang zu den Neujahrstreffen gezaubert hat! Ein großes Talent schlummert in ihr!

 

Am 2. Dezember 2014 wird Basilisse Pflüger ihren 70. Geburtstag feiern. Wir wünschen ihr Gesundheit, Glück und weiterhin viel Erfolg bei ihrem großen sozialen Engagement in ihrem Heimatland Madagaskar.

Basilisse war viele Jahre sehr aktiv in unserem Verein: sie hat 1997 das Info-Blatt gegründet, hat viele gute kulturelle Ideen eingebracht, die besonders auch zum 40jährigen Jubiläum umgesetzt wurden; sie hat musikalische Begegnungen zwischen den Partnerstädten in die Wege geleitet und von 2007 - 2010 im Vorstand als Beisitzerin für Kultur mitgearbeitet. Wir danken ihr sehr für ihr großes Engagement für unseren Verein.

 


Termine 2015

18. Januar 11.30 Bürgerhaus Neujahrstreffen
27. Januar 15:00 Wuppertal Ausstellung Pissarro
10. Februar 19.00 Restaurant 11 B Table Ronde
04. März 19.30 Bürgerhaus Mitgliederversammlung
14.-17. Mai Bürgerreise nach Marly
9. Juni 19.00 Restaurant 11 B Table Ronde
03.-09. September Kulturreise Hamburg, Bremen, Lübeck, Wismar
19.-20. September Stadtfest
11. November 19.00 Restaurant 11 B Table Ronde


 

Bürgertreffen in Burgund

von Dr. Hermann Brandl
Fotos: Heidi Brandl, Heidrun Glage

Auf der Feier zum 50-jährigen Städtepartnerschafts-Jubiläum in Marly hat Jean-Yves Perrot in seiner Rede eine Bemerkung gemacht, die das deutsch-französische Verhältnis auf besondere Weise charakterisiert. Er nannte die Kriege, in denen unsere beiden Völker verstrickt waren, Bürgerkriege.
Zur Zeit Karls des Großen, unseres gemeinsamen Vorfahrens, waren wir tatsächlich Bürger desselben Reiches, mit dem sich das Machtzentrum West-Europas vom Mittelmeer nach Norden verschoben hat. In den nachfolgenden Jahrhunderten haben sich dann daraus drei Teilreiche entwickelt. Eines davon war Burgund, das Bindeglied zwischen Frankreich und dem deutschen Reich. Es erstreckte sich vom Mittelmeer bis in die Niederlande. Diese Mittellage war die Ursache für eine beispiellose kulturelle Blüte, aber auch für seine heterogene Struktur, die letztendlich der Grund für seine Auflösung im Jahr 1477 und seinen Anschluß an Frankreich war.

Und Burgund ist das Ziel unserer diesjährigen Kulturreise. Sie bildet den Auftakt zu dem 9-tägigen Frankreich-Aufenthalt, der mit der französischen Feier zum 50 - jährigen Jubiläum unserer Städtepartnerschaft Leichlingen/Marly-le-Roi seinen Abschluss finden wird.

Und so sitzen wir also wieder im Thalys zum Gare du Nord in Paris und ich bin froh, dass uns der deutsche Lokführer auch zum Bahnhof in Köln gefahren und nicht gestreikt hat. Aber die Firma Wiedenhoff hätte uns für den Fall der Fälle auch einen Bus geschickt. Denn nach Burgund müssen wir unter allen Bedingungen.

Wir sind 27 Deutsche und uns begrüßen 17 Franzosen und natürlich Charly.
Der hat auch gleich, kaum dass wir mit dem Kusskuss fertig und losgefahren sind, eine Überraschung in Form eines Begrüßungscocktails bereit, der die Stimmung schon in Paris noch weiter nach oben schnellen lässt. Insgesamt sechs Flaschen eines Pfirsich-Proseccos gehen weg wie nix. Ich weiß das so genau, weil ich sie alle im schaukelnden Bus mitten im Pariser Verkehrsgewühl ausschenken durfte.

So geht die Fahrt beschwingt los und da Dijon, die Hauptstadt und der kulturelle Mittelpunkt Burgunds, nur etwa 300 km von Paris entfernt ist, sind wir schon am späten Nachmittag da, im "Hotel du Parc de la Colombière".

Welch ein Name. Am Rande eines fast königlichen Parks gelegen und nicht weit von der Innenstadt entfernt, ist es für uns gut geeignet.

Da macht es auch nichts, dass einige kleinere Anfangsschwierigkeiten in den meist renovierten Zimmern zu überwinden sind, denn unsere Vorfreude auf die kommenden Tage ist zu groß.

Unsere Zimmertür zum Beispiel kann man erst nach einem Einführungslehrgang über das Schloss öffnen und schließen. Und wenn man nur wenig Kleiderbügel hat, ist es doch möglich, einige Sachen übereinander zu hängen. Auch Handtuchhalter braucht man nicht unbedingt. Dafür gibt's jeden Tag frische Ware. Hauptsache die Betten sind groß, damit wir uns von dem prall gefüllten Programm gut erholen können. Und da Frankreich das Land der Liebe ist, sind sie es auch, wenn auch naturgemäß meistens nicht getrennt.
Diese Dinge überraschen uns leichtlebige Deutsche natürlich - wenn überhaupt - dann nur am Anfang etwas, aber Bruno, der immer Perfektionist ist, muss ein klein wenig von uns getröstet werden.

Der Reisetag klingt dann bei einem sehr guten 3-Gänge Menü aus, das von dem berühmten Wein dieser Gegend auf Wunsch begleitet wird. Diese Begleitung ist allerdings nicht ganz billig, denn königliche Getränke haben halt ihren Preis.

 

Sonntag, 5. Oktober

Heute geht es richtig los. Auch der Regen. Unsere beiden Führerinnen für die nächsten Tage stehen, etwas außerhalb von Dijon, an der "Chartreuse de Champmol" bereit. Nicole für uns Deutsche und Marie Christine für die Franzosen.

Chartreuse heißt Kartause. Der Kartäuserorden wurde vom heiligen Bruno von Köln ins Leben gerufen und der feiert in diesen Tagen seinen Namenstag. Er ist ein Orden, der sich die Bedürfnislosigkeit zur geistigen Regel gemacht hat. Wenn ich allerdings an die leckeren Kartäuserklöße denke, die meine Mutter gemacht hat, vermute ich, dass man auch bei diesen Brüdern wusste, was gut schmeckt.

 

Das Kloster wurde 1377 von Philipp dem Kühnen gegründet, um eine würdige Grabstätte für die Herzöge von Burgund zu werden. Er wollte es damit den französischen Königen gleich tun, die in der Basilika St. Denis beigesetzt wurden. Erhalten sind nur noch der Mosesbrunnen und das Portal der Kirche, beides Meisterwerke des Niederländers Claus Sluter. Der Brunnen zeigt sechs Propheten, unter ihnen Moses, der mir endlich erklärt, warum er oft zwei Beulen auf der Stirn hat. Die kommen nämlich von der Erleuchtung, die er von Gott erhalten hat.



Apropos Herzöge von Burgund. Davon gibt es, Gott sei Dank nur vier, wenn man sich auf die Linie des Hauses Valois bezieht. Und die war es, die Dijon zur Hauptstadt erhob und Burgund zu europäischer Geltung verhalf. Diese vier sind Philipp der Kühne, Jean Sans Peur = Johann Ohnefurcht, Philipp der Gute und Karl der Kühne. Danach, 1477, wurde alles Französisch. Denn in der Schlacht von Nancy verlor letzterer und wurde zur Strafe nicht mehr in der Kartause, sondern in Brügge beigesetzt.

Die Revolution von 1791 hat auch an diesem Ort gewütet und die Mönche verjagt. Ein späterer Minister Napoleons kaufte die Anlage und machte aus ihr einen Steinbruch. Heute ist hier eine Psychiatrische Anstalt untergebracht und "aller à la Chartreuse" bedeutet, "in die Anstalt eingewiesen zu werden".

Den zweiten Teil des Vormittags wandern wir dann erst mal durch die Hauptstraße von Dijon, die Rue de la Liberté, die am Platz Darcy, mit seiner etwas kleineren Nachbildung des Pariser Triumphbogens beginnt. Hier heißt er nur Porte Guillaume.


Dijon ist im Departement Côte d'Or gelegen, der "goldenen Hügelkette, eines der vier Departements Burgunds, die die besten Weine hervorbringt. Es ist eigentlich ein etwas verschlafener Ort und es wäre noch schlimmer, wenn da nicht der TGV von Paris nach Marseille halten würde. Dadurch ist es möglich, dass viele Dijoner täglich nach Paris zur Arbeit pendeln, was zwar insgesamt drei Stunden dauert, aber doch attraktiv zu sein scheint. Der Hauptarbeitgeber vor Ort ist die Stadtverwaltung mit 3500 Angestellten. Etwas kopflastig für 180 000 Einwohner.

Der berühmteste Sohn der Stadt ist Gustave Eiffel, der Erbauer des Eiffelturms. Bei genauerem Hinsehen kann man sagen, dass er Glück gehabt hat, heute so gut dazustehen. Denn, erstens, ist die Familie Bönickhausen aus der Eifel zugewandert und die Franzosen haben den Namen der Herkunftsgegend übernommen, wenn auch mit einem "f" mehr. Zweitens, laut Nicole, unserer Führerin, soll der Entwurf für den Turm von dem Schweizer Moritz Koechlin stammen. Wie dem auch sei, man muss zugeben, dass ein Koechlin-Turm in Paris wesentlich schlechter klingen würde.

Dann passieren wir das Haus von Antoine Maille, ein Name, der in Frankreich auf fast jedem Senfglas prangt. Neben diesem Stammhaus des berühmten Dijoner Senfes gibt es nur noch zwei weitere Geschäfte dieses Namens, nämlich in Paris und London. Zweimal im Jahr kann man da in den Auslagen, wie bei der Haute Couture, eine Winter- und eine Sommer-kollektion bewundern.

Vorbei an eindrucksvollen Fachwerkhäusern im burgundischen Stil und dem Kaufhaus zum "Au pauvre Diable" kommen wir dann zum schönen halbkreisförmigen Platz "De la Liberation", an dem das eindrucksvolle Rathaus steht. Das ehemalige Herzogsschloss.

Das Mittagessen gibt es aber immer noch nicht. Vorher ist noch das "Musée des Beaux Arts" an der Reihe. Darin sind unter anderem die Alabastergrabmäler von Philipp dem Kühnen und Johann Ohnefurcht mit seiner Gemahlin Margarete von Bayern zu bestaunen, die ursprünglich in der Klosterkirche der Kartause von Champmol standen. Außerdem lernen wir noch, warum Burgund 1477 schließlich endgültig von Frankreich einverleibt worden ist. Der Grund lag in einer inhomogenen Ansammlung zu vieler Sprachen und Rechtssysteme und einem dadurch bedingt schwer regierbaren Land. Burgund war eben ein Staat, der sich vom Mittelmeer bis in die Niederlande erstreckte und all die Heterogenitäten der beiden anderen Teilstaaten in sich trug.

Nach so viel Bildung freuen wir uns nun alle auf ein Kontrastprogramm. Das kommt in Form des Restaurants L'Escargot daher, wo wieder eine Lehrstunde burgundischer Küche auf uns wartet: Le Jambon persillé, Fromage epoisse avec Pain d'épice und eine Canard bourguignonne avec des Cassis wollen bewundert sein. Dazu natürlich zu jedem Gang der entsprechende Wein.



Bruno hat wirklich einen harten Arbeitstag organisiert. Nach so einem üppigen Dejeuner mit Wein muss ich mich erst mal aufrappeln, um aus dem 2-Uhr - Loch wieder herauszukommen und den Kunstgenüssen des Nachmittags Stand halten zu können. Ich will sie deshalb auch nur kurz streifen, denn es waren wirklich viele.

Da ist zunächst die gotische Kirche Notre Dame, an deren Außenseite wir auf eine kleine Eule hingewiesen werden. Sie ist die Glücksbringerin von Dijon und entsprechend oft wird sie auch von Passanten gestreichelt. Das hält auch der härteste Stein nicht aus und entsprechend deformiert ist das arme Tierchen denn auch. Es ist uns schon aufgefallen, dass in das Straßenpflaster immer mal wieder eine kleine Metallplatte mit dem Bild einer Eule eingelassen ist. Jetzt wissen wir, warum. Sie weist auf Sehenswürdigkeiten hin.
In der Kirche ist eine Glücks-Konkurrentin der Eule in Form der Schwarzen Madonna hervorzuheben, die Dijon im 11. Jh. - ich weiß nicht mehr vor wem - , im 15. Jh. vor den Schweizern und 1944 vor den Nazis bewahrt hat.

Wir sehen eindrucksvolle Bürgerhäuser, wie das Hôtel Chambellan, malerische Plätze, wie den Barenzai-Platz mit dem Traubenbrunnen und dem Karussell, das Gustave Eiffel gewidmet ist. Das Hôtel Chambellan, das einem reichen Tuchhändler gehörte, ist eines der schönsten Beispiele profaner Architektur der Spätgotik mit seinem sehenswerten Innenhof. Es wurde einst für den Bürgermeister von Dijon im 15. Jh. erbaut. Beeindruckend sind der fein geschnitzte Laubengang und die Wendeltreppe, deren Achse über einer Figur endet, die einen Gärtner darstellt.

Zum Abschluss des Tages besuchen wir dann noch die hochgotische Kathedrale St.Benigne. Im Innern ist neben der baulichen Schönheit eine Kanzel zu sehen, an der zwei Damen aus Holz "Oben Ohne" in die Gemeinde blicken. Das hat zu großem Ärgernis geführt, weil befürchtet wurde, dass so ein obszöner Anblick vom Wort des Herrn ablenken könnte. Schließlich hat ein Bischof im 18. JH. mit einem Machtwort die Entscheidung zu Gunsten der Damen gefällt.

Nun folgt noch ein Abstecher in das ehemalige Kloster von St.Benigne, gleich nebenan, Darin ist jetzt das Archäologische Museum untergebracht, das besonders für seine zwei spätromanischen Tympana und den Christustorso von Claus Sluter bekannt ist.

 


Montag, 6. Oktober

Der zweite Tag verspricht etwas geruhsamer zu werden, ist er doch der "Capitale du Gout", wie Dijon auch genannt wird, gewidmet.

Damit dieser Gout auch realisiert werden kann, braucht man natürlich einen entsprechenden Markt, den wir später mit dem von Gustave Eiffel entworfenen Marché Couvert, der Markthalle, kennen lernen.

Aber der Reihe nach. Heute scheint erst mal die Sonne. Wir fahren mit dem öffentlichen Bus vom Hotel in die Innenstadt, weil Charly seinen freien Tag hat. Zur Vertiefung des gestern Gelernten streifen wir noch einmal über den Place de la Liberation und gehen in den Innenhof des ehemaligen Herzogspalasts mit dem Turm, der die Macht der Herzöge demonstrieren sollte.

Danach stehen wir vor der angeblich schönsten Treppe Frankreichs im Rokoko-Stil, dem style Rocaille, wie er sich hier nennt und dem "Corne d'Abondance", dem Füllhorn.
Dann folgt ein kleiner Spaziergang zum "Musée de la Vie bourguignonne", der uns am Geschäft des - wie es heißt - besten Chocolatiers Frankreichs vorbeiführt, des Maitre Fabrice Gilotte.
Das Museum hat, wie der Name schon vermuten lässt, das tägliche Leben im damaligen Dijon zum Gegenstand. So erfahren wir zum Beispiel, dass den Kindern in die Schule nicht etwa Kakao oder Tee mitgegeben wurde. Wie könnte man in Burgund auch auf so einen Gedanken kommen. Nein, es war eine Art Feldflasche, die mit einem Gemisch aus Wasser und Wein gefüllt war. Ein Schaukasten zeigt, was es mit dem Satz "Auf dem Kerbholz haben" auf sich hat. Dies ist ein Holzstab, auf dem bei jedem Einkauf beim Bäcker eine Kerbe angebracht wurde. Am Ende des Monats wurde dann bezahlt. Oder wir sehen eine Stube, wo die staatliche Autorität nach verstecktem Salz sucht, was damals etwas wertvoller war als heute und nicht geschmuggelt werden durfte. Also versteckte man es in einem Stuhl und setzte die Oma drauf, während alles durchsucht wurde. Schön ist auch die Apotheke, die am Ein- und Ausgang je eine Lampe hatte. Beim Reingehen sah man bläulich aus und es ging einem sichtbar miserabel, während das Licht beim Hinausgehen auf rötlich wechselte, was wohl zum Optimismus verleiten sollte.

 

Schließlich wird es konkret. Denn wir kommen zu den beiden Hauptattraktionen von Dijon, dem Senf und den Lebkuchen.Die Lehrstunde über die Lebkuchen erfolgt in einem Ausstellungsladen der Firma Anger. Ein Film zeigt uns alles Wissenswertes über die Besonderheiten des Dijoner Lebkuchens. Mir als Nürnberger ist natürlich der Lebkuchen gewissermaßen in die Wiege gelegt und so passe ich genau auf, um Unterschiede herauszufinden. Und tatsächlich schmecken die hiesigen Lebkuchen auch ganz anders. Der Hauptunterschied ist - glaube ich - dass man in Franken viel mehr Mandeln und Nüsse in den Teig einarbeitet.

Zum Schluss des Vormittags tummeln wir uns dann noch in dem schon gestern bestaunten Senf-Geschäft von Maille, das man eigentlich gar nicht so profan nennen sollte, und ergänzen unsere heimischen Senfvorräte.

Und dann ist es wieder soweit. Das Dejeuner steht vor der Tür. Heute ist das "Restaurant de la Porte Guillaume" unser Gastgeber, gleich gegenüber dem Mini-Triumphbogen.
Wir speisen: Oefs en meurette, Coq au vin et Poire au vin.

Danach werden wir in die nachmittägliche Freizeit entlassen und ein jeder kann sich in Dijon auf eigene Faust bewegen. Man hat das Gefühl in Leichlingen oder Marly zu sein, denn auf Schritt und Tritt begegnet man vertrauten Gesichtern.


Dienstag, 7. Oktober


Die Zeit vergeht wieder wie im Fluge. Heute ist schon Halbzeit in Burgund. Zur Abwechslung beginnt der Tag wieder mit leichtem Regen.

Zunächst fahren wir Richtung Fontenay und unsere beiden Führerinnen verkürzen uns die etwa einstündige Fahrt mit allerlei Wissenswertem über diese Gegend.

Parallel zur Straße begleitet uns der Canal de Bourgogne, die Wasserstraße, die die Seine und Saone verbindet. Bei Sobernon in 500 Metern Höhe verläuft die Wasserscheide und es sind 140 Schleusen erforderlich, um den Höhenunterschied zu überwinden. Und ebenso viele Schleusenwärter. Diese Jobs waren zu Zeiten der Arbeitslosigkeit heiß begehrt, boten sie doch ein sicheres Auskommen, ein kleines Häuschen und Gärtchen. Als gute Geschäftsleute verdiente man am Wassertourismus durch den Verkauf von Lebensmitteln, Wein etc, mit allem, was man halt so auf dem Boot braucht.

Dann kommen wir am Stausee Kir vorbei. Schon wieder ein bekannter Name, denn es war der Kanonikus Kir, der 1964 diesen Aperitif "erfand".

Auf den Weiden rechts und links der Straße weiden dekorativ unzählige Charolais-Rinder, der Nachschub für das "Boeuf bourguignonne".

Wer sich für die Gallier interessiert, kommt auch auf seine Kosten. Neben der Straße taucht ein Freizeitpark auf, wo auf 1200 qm der Schlacht von Alesia zwischen Vercingetorix und Caesar gedacht wird. Im Gegensatz zu damals, als sich die Gallier eine blutige Nase holten, sind es heute die Kinder, die auf ihre Kosten kommen.

Schließlich erreichen wir an der Abtei von Fontenay, einen der Höhepunkte unserer Reise. Sie wurde 1118 vom heiligen Berhard von Clairveaux gegründet und ist direkt aus Citeaux, dem Mutterkloster des Zisterzienserordens, hervorgegangen.

Die Zisterzienser haben ihr Leben der Askese und der Armut gewidmet. Sie waren strikt nach Patres und Fratres getrennt, das heißt, nach solchen, die die höheren Weihen erhielten und aus meistens adeligen Familien stammten und denen niedriger Herkunft, die die einfachen Tätigkeiten verrichten durften. Natürlich lebte man auch streng getrennt und selbst im Gotteshaus gab es eine Barriere.
Während des nun folgenden Rundgangs durch die gut erhaltene Anlage erfahren wir von Nicole viel über das Leben der damaligen Mönche.

Ergänzend dazu erzählt uns einer unserer Mitreisenden, dessen Sohn Zisterzienser ist, etwas über die heutigen Verhältnisse dieses Ordens.

Auf dem Weg zur Abteikirche sehen wir einen dicken Turm, das Taubenhaus. Der Orden hatte das Taubenrecht und nur der Abt durfte Fleisch essen, genauso wie nur er allein schlafen durfte. Die Kirche, wie alle Zisterzienserkirchen mit schmuckloser Fassade, ist ein rein romanischer Bau ohne Türme. Der Boden des Chores ist mit emaillierten Fliesen aus dem 13. Jh. ausgelegt. Im nördlichen Querschiff steht mit der berühmten Marienstatue von Fontenay eines der herrlichsten Beispiele burgundischer Bildhauerkunst. Im südlichen Teil sind die liegenden Statuen des Ritters Mello d'Epoisse und seiner Ehefrau zu sehen. An was denken wir dabei sofort? Natürlich, an den Fromage epoisse avec Pain d'épice, den wir am ersten Tag im Restaurant L'Escargot in Dijon genossen haben. Hier wird aber auch jeder Käse nach einem Adligen benannt. So sind sie halt, unsere französischen Freunde. Voller Esprit und Fantasie.

Aber zurück zur Enthaltsamkeit. Jetzt kommt der Schlafsaal, wo selbst die Mönche höherer Herkunft zusammengepfercht schliefen, ungewaschen und nicht von französischem Parfum verwöhnt. Auch ans Ausziehen vor dem Zubettgehen war nicht zu denken. Das sollte einem über etwaige leichte Unzulänglichkeiten im heutigen Hotelgewerbe zu denken geben.

Der Rundgang endet dann mit dem Kreuzgang, dem Kapitelsaal, wo jeden Tag ein Kapitel aus der Bibel mit dem Abt besprochen wurde, dem Kaminraum, dem einzigen geheizten Raum, und der Schmiede. Diese Schmiede verdeutlicht eine andere Einstellung des Ordens, nämlich die der völligen Autarkie.

Die Revolution überstand die Abtei, wo zum Schluss nur noch 20 Mönche lebten, unbeschadet. Sie wurde verkauft und 1820 in eine Papierfabrik umgewandelt.

Heute besitzt die Familie Aynard die Anlage, die zum Weltkulturerbe erklärt wurde.

Nach so viel Enthaltsamkeit folgt für uns dann nach der Fahrt nach Vezelay, Gott sei Dank, das Gegenteil in Gestalt des Restaurants "La pauvre Creuse", auf Deutsch "Zum hohlen Zahn".
Auf der Speisekarte stehen: Jambon persillée (schon bekannt) und Boeuf bourguignonne. Zum Schluss die Poire au vin, mit der wir auch bereits Freundschaft geschlossen haben.
Anschließend wandern wir zu Weltkulturerbe Nr. 2 des heutigen Tages empor, der Wallfahrtskirche St. Madeleine. Sie krönt den Ort Vezelay, ist aus der Ebene schon von weitem sichtbar und stellt einen Höhepunkt romanischer Kunst dar.

Wir begegnen der Geschichte Europas in Form des hier 1146 erfolgten Aufrufs von Berhard von Clairvaux zum Zweiten Kreuzzug und treten dann in die Kirche ein. Bei der Beschreibung dieses Kunstwerks weiß ich nicht, wo ich anfangen soll. Ich beschränke mich somit auf zwei Höhepunkte, die stellvertretend für eine Fülle von Meisterwerken stehen sollen. Zunächst den Narthex, die Vorhalle, die früher den Pilgern zur Übernachtung und Reinigung diente. Über dem Mittelportal zur Kirche spannt sich das Tympanon, das das Pfingstgeschehen zum Thema hat. Christus ist die beherrschende Gestalt. Von den zur Seite ausgebreiteten Armen führen Strahlen zu den Häuptern der Apostel, die die Erleuchtung symbolisieren sollen.


Und dann den Kapitellzyklus. Er ist einer der größten der Romanik in Europa und man zählt mehr als 150 Darstellungen. An einigen ausgewählten Beispielen konzentrieren wir uns auf Szenen aus der Bibel.



Dann umrunden wir noch das gewaltige Kirchenschiff, ehe wir uns wieder auf den Weg durch das schmucke Dorf nach unten zum Bus machen. Nicole erzählt uns noch, dass unter fast allen Häusern ein Keller zur Beherbergung von Pilgern war. Und dann rasch in den schützenden Bus, denn der nächste Schauer überrascht uns Pilger.

 

Mittwoch, 8. Oktober

Gern hätte ich ja mal einen Grand Cru versucht, aber über einen Premier Cru bin ich auf dieser Reise nicht hinausgekommen. Und das auch nur bei der Weinprobe, die am späten Vormittag stattfindet.

Denn heute steht der berühmte Wein Burgunds im Mittelpunkt. Wir fahren entlang einer der Weinstraßen der Grands Crus , die sich sanft an eine leichte Hügelkette schmiegt. Es ist die Côte de Nuits mit der "Hauptstadt Nuits-St.-Georges. Eben da, wo das Terrain sich etwas nach oben schwingt, wächst der alleredelste Tropfen. Allerdings macht er nur zwei Prozent der Gesamtproduktion aus. Weiter unten wird's mehr, dafür aber auch weniger nobel. In der absteigenden Hierarchie gelangt man dann über die Premiers Crus zu den Dorf-Appellationen, mit denen wir uns immer zufrieden geben. Den Grundlehrgang über den Wein absolvieren wir im Bus.
Wir lernen, dass er nur auf relativ unfruchtbaren, grashaltigen Böden mit Kiesel- und Kalksteinen gut gedeiht. Und dass es auch wieder die Zisterzienser waren, die sich der Sache angenommen haben, indem sie brachliegende Weinberge aus der Römerzeit sanierten. Wie eng die Winzer mit ihrer Scholle verbunden sind, zeigen die Friedhöfe mitten in den Weinbergen. Hier dürfen sie nach einem Leben voller harter Arbeit ausruhen.

Klangvollen Namen geben uns einen Eindruck von der Raffinesse der hier hergestellten Herrlichkeiten: Champs-Elysées de la Bourgogne, Chambolle-Musigny, Flagey-Echezeaux, Vosne-Romanée, um nur wenige zu nennen. Mitten in diesem Meer aus Weinreben steht das Schloss "Le Chateau du Clos de Vougeot".

Hier findet der Lehrgang für Fortgeschrittene der Oenologie statt, in Form des Films: "La Confrérie des Chevaliers du Tastevin" presents: "Jamais en vain, toujours au vin (frei übersetzt: "Niemals vergeblich, aber immer mit Wein"). Diese Winzer-Bruderschaft nimmt auch Persönlichkeiten aus Kultur, Wirtschaft und Politik in ihre Reihen auf und feiert im Weinkeller des Gutes jedes Jahr ein legendäres Fest mit 500 Gästen. Daneben gibt es natürlich auch die Degustationen, wo der beste Tropfen eines Jahres gekrönt wird. Dabei sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Man schickt zum Beispiel einige Fässer auf eine Reise rund um die Welt und vergleicht deren Inhalt beim nächsten Fest mit dem der Daheimgebliebenen.

Nach der Besichtigung des Gutes mit den beeindruckenden Wein-Pressen fahren wir dann zu der schon erwähnten Weinprobe. Am Vormittag, wohlgemerkt. Dort werden wir von dem aufgeregten Bellen von Trüffelhunden begrüßt, die schon selbst fast wie Trüffel aussehen.

Wenn man also die Weinprobe als Aperitif sieht, ist es nur logisch, dass sich daran sofort das Mittagessen in Nuits-St-Georges anschließt, im Restaurant "Le Chef Coq". Der noblen Gegend angepasst, klingt auch die Folge der Gänge würdevoll: "Tartare de canard aux noisettes torrefiées, "Pavé de maigre grillé sur peau" und "Belle Dijonaise poire pochée et Creme de cassis".

Vielleicht noch eine Bemerkung zur Vorspeise: Wenn das Wort torrefiés, was so viel wie gegrillt heißt, terrefié lauten würde, hätte es unseren Geschmack wohl eher getroffen, denn das rohe Tartar der Ente ist unseren eher einfachen Gewohnheiten weniger angepasst.

Noch eine Bemerkung am Rande: Der Wein von Nuits-St-Georges ist sogar auf dem Mond bekannt. Apollo 15 hat nämlich ein Etikett eines - ich nehme doch an - Grand Cru -, in einem Kästchen mit texanischer Erde dorthin gebracht.

Den Nachmittag verbringen wir in Beaune beim Besuch eines weiteren Welt-Kulturerbes, dem berühmtem Hôtel-Dieu mit seinem markanten Dach aus bunten gebrannten Ziegeln, die in geometrischen Mustern auf einer Fülle von Türmchen und Gauben angeordnet sind. Solche Ziegel, die aus Flandern stammen, haben wir schon an vielen Orten bewundert, aber hier ist der Eindruck einmalig. Der Gründer des Krankenhauses, der Kanzler Nicola Rolin hat 1443 darauf geachtet, dass diese Pracht nur im Innenhof zu sehen ist. Außen hat er einfache graue Dachziegeln gewählt und auch die Fassade deutet nicht auf die Pracht des Hofes hin, vermutlich um keine Räuber anzulocken. Er sorgte vorbildlich für die Finanzierung des Hospizes, indem er ihm hochwertige Weinberge überschrieb. Dieses System funktioniert noch heute.

Die Krankensäle beginnen mit dem Salle de Pôvre, an dessen Wänden sich Betten in hölzernen Alkoven mit dunkelroten Bezügen aneinander reihen. In jedem Saal konnten Messen gelesen werden und es wurde wohl mehr auf Weihrauchduft als auf frische Luft geachtet.

Der Rundgang endet mit dem Weltgerichtsaltar des Rogier van der Weiden. Das große Altarbild der früheren Krankenhauskapelle ist ein Höhepunkt altniederländischer Malerei. Mich hat besonders der Höllensturz der Verdammten beeindruckt.

Auf einer Schiene wird auf Wunsch eine große Lupe vor das Gemälde gefahren und man kann die verzweifelten Gesichter der Verdammten ganz im Detail sehen. Wer sich da nicht vornimmt, schnell noch ein besserer Mensch zu werden, dem ist nicht mehr zu helfen.

Es bleibt noch etwas Zeit für einen kurzen Stadtspaziergang. Im Gegensatz zu Dijon hat Beaune weitgehend auf Modernisierung verzichtet. Es hat sogar noch seinen Ring aus alten Stadtmauern. Dieser ist zum Depot für Weinflaschen geworden, denn die Stadt hat sich auf den Weinbau und Handel konzentriert. Es kursiert der Spruch "Beaune ist von Flaschen umgeben"

 

Donnerstag, 9. Oktober

Am letzten Tag, dem Donnerstag, machen wir einen Ausflug in die Landschaft Auxois, nordwestlich von Dijon. In dieser Gegend sind in der hügeligen burgundischen Landschaft zahlreiche historische Städte, romanische Kirchen und malerische Dörfer und Schlösser eingebettet.

Unser erstes Ziel ist das Schloss Commarin, nur wenige Kilometer von Châteauneuf-en-Auxois entfernt, das schon auf der Autobahn als Sehenswürdigkeit empfohlen wird. Aus dem Mittelalter sind noch zwei wuchtige Rundtürme erhalten, die den Innenhof flankieren. Es ist seit dem 13. Jh. im Besitz derselben Familie, derer von Vienne. Der Name klingt zwar vertraut, aber mit Wien haben die nichts zu tun.

In den vielen Jahren bis heute hat man eine Ausstattung zusammengetragen, deren Details zu schildern hier nicht meine Aufgabe sein kann. Erwähnen will ich nur die Wandteppiche der Marie-Judith de Vienne, weil sie Motive der Alchimie zum Gegenstand haben und ich bei diesem Thema immer aufmerksam werde, selbst wenn in den Räumen zuvor durch die mich mehr oder weniger finster anblickenden Persönlichkeiten meine Spannkraft ein wenig gelitten haben sollte. Eine Tochter dieser Dame, Alexandra, hat den uns allen bekannten Talleyrand geheiratet, dessen Schloss Valençay wir auf unserer Bürgerreise ins Périgord besucht haben.

Von Commarin nach Châteauneuf-en-Auxois ist es nur ein Katzensprung. Das Schloss ist von dem malerischen Dorf umgeben, das den Titel eines der schönsten Dörfer Frankreichs trägt. Der andauernde Regen macht uns aber einen Strich durch einige Rechnungen. Zunächst den, dass wir von ihm just in dem Moment überrascht wurden, als wir im Innenhof des Schlosses endlich eine malerische Treppe für unser Klassenfoto zu finden geglaubt haben. Also, zuerst die Führung und danach vielleicht das Foto.

Wir erfahren also, dass der Ausbau des Schlosses durch Philipp Pot erfolgte, dem Statthalter des französischen Königs nach dem Tod des letzten burgundischen Herzogs, Karls des Kühnen.

Lassen wir, bitte auch hier, die Details weg. Vielleicht nur zwei Bemerkungen. Einmal der Gattenmord von Catherine de Châteauneuf an ihrem Ehemann. Er sollte durch Arsen erfolgen, das in einen Kuchen eingebacken war. Zur Sicherheit ließ sie aber zwei dieser Gebäcke herstellen. Dummerweise aß eine Magd in der Küche von diesem Kuchen, was auch ihr zum Verhängnis wurde. Und letztlich auch Catherine. Sie starb den Feuertod in Paris.
Und zweitens die schönen Boden-Fliesen in einem der Räume, die - allerdings etwas ungewöhnlich - Fußabdrücke von allerlei Getier aufweisen, von Hunden, Rehen und sonstigem Wild. Diese Tierchen waren nämlich vor dem Brennen darüber gelaufen und man hatte, welcher Pfusch, einfach weitergemacht.

Beim Verlassen des Schlosses regnet es leider heftig weiter und daher gibt es kein Foto. Dafür aber das Mittagessen im Restaurant de l'Auxois in Vendeness, das uns aber keine Neuigkeiten offeriert, da wir mittlerweile schon all die bekannten Spezialitäten durch zu haben scheinen.

Der Regen hört nicht auf, die Besichtigung des Dorfes Châteauneuf und das Foto fallen allesamt ins Wasser. Wir fahren ins Hotel.

Am Abend danken wir dann noch alle Bruno für die erlebnisreichen Tage und die hervorragende Organisation und machen uns am nächsten Morgen auf den Weg nach Marly zur nächsten Feier unseres Jubiläums.

Freitag, 10. Oktober

An einer Autobahn-Raststätte klappt es dann schließlich doch noch mit unserem Foto. Eine historische Treppe wäre schöner gewesen, aber wer so viele Möglichkeiten ungenutzt verstreichen lässt, ist selber schuld.

Ein netter "Chauffeur d'un poid lourd" stellt sich als Fotograf zur Verfügung, so dass auch nicht einer unserer Lieben auf dem Foto fehlt. (Foto ist am Beginn des Berichtes)

 

Samstag, 11. Oktober: Die große Jubiläumsfeier in Marly

Den Samstag verbringen wir individuell bei unseren Gastgebern und treffen uns am frühen Abend vor dem Hôtel Couvé, dem alten Rathaus.An dem schmiedeeisernen Gitter rund um das Gebäude sind historische Fotos von Leichlingen und Marly angebracht und zeugen in aller Öffentlichkeit von dem Ereignis.

Im "Salle du Conseil et des Mariages" findet der offizielle Teil der Feierlichkeiten statt. Mme Picardel verliest eine Grußbotschaft unseres langjährigen Bürgermeisters Karl Reul, in der er auf die Geschichte der Gründung unserer Städtepartnerschaft eingeht. Wicze Braun und Wolfgang Brudes überreichen zwei Gemälde der Künstlerin Ellen Loh-Bachmann aus dem Zyklus "Europa" aus ihrem SinnesWald. Auf Bildern der Flaggen sind jeweils für das Land charakteristische Symbole oder Personen dargestellt, zum Beispiel Notre Dame de Paris, ein Teil des Eiffelturms, ein Rebstock des Burgunder Weins für Frankreich. Das Brandenburger Tor, Noten der Beethoven-Hymne an die Freude, ein Dürer-Monogramm, Worte Kants und eine Skizze von Einstein und seine Formel E = m * c² für Deutschland.

Dann folgen die Ansprachen der beiden Bürgermeister Jean-Yves Perrot und Frank Steffes. Beide haben in ihren Reden die heutige Verbundenheit und Freundschaft unserer Völker gewürdigt. Die am Anfang dieses Reiseberichts zitierten Worte Jean-Yves Perrots und die Bemerkung von Frank Steffes, dass er genauso alt sei wie unsere Städtepartnerschaft und er mit ihr aufgewachsen sei, haben mich dabei besonders beeindruckt.

 

 

Zum Schluss kommt dann noch einmal die Erneuerung des "Serment du Jumelage"

 

 

Als Geschenke werden ausgetauscht: Ein Bild des Abreuvoirs von Marly für Leichlingen und ein Herz aus Stahl in Form eines Gitters mit den Leichlinger Symbolen, dem Fisch und dem Löwen, für Marly. Verliebte können daran Schlösser anbringen, wie an der Hohenzollern-Brücke in Köln. Die beiden Bürgermeister fangen gleich damit an.

Danach zieht die Prozession weiter in den gleich daneben liegenden "Salle d'Horloge", um beim Klang des Marlyer Gospelchores den Apéro einzunehmen.

Und noch einmal setzten wir uns alle in Bewegung. Dieses Mal geht es über die Straße in den festlich geschmückten "Salle des Fêtes". Marly hat nun wirklich alle Register gezogen, um uns einen unvergesslichen Abend zu bereiten.

Beim Herabsteigen der Treppe in den Saal begrüßt uns ein wandhoher "Tour Eiffel clignotante", ein würdiger Abschluss unserer Burgund-Reise, in der Eiffel eine besondere Rolle gespielt hat.

Der Abend wird eröffnet von Studentinnen und Studenten des "Conservatoire Roger Bourdin de Marly-le-Roi". In beeindruckender Weise spielen sie auf dem Flügel Kompositionen von Beethoven, Franck, Ravel, Debussy und Schubert. Das Festmahl wird von schwarz gekleideten Herren serviert. Dazu tanzen die "Ballerines de Marly" und eine Chanteuse sorgt dafür, dass das Verstehen unserer französischen Tischnachbarn ein bisschen diffiziler wird.

Zwischen den Gängen ergreift Sybille noch kurz das Wort, bedankt sich für die Reise bei Bruno und Charly und für den Festabend. Ein Foto von Peter Thönes soll unsere französischen Partner an diesen Abend erinnern. Mit diesen Grußworten verbindet sie die Hoffnung, dass es uns gelingt, die Jugend wieder stärker für diese Jumelage zu gewinnen.

Zum Dessert wird noch eine Art Kunstwerk aufgefahren. Eine große "50" aus sogenannten "Bijoux de la Crème". Das sind kleine kugelförmige Teilchen, die - wie der Name schon sagt - mit Creme gefüllt sind.

Und zum guten Schluss werden einige der Tische beiseite geräumt und wer will, kann noch tanzen.


Sonntag, 12. Oktober

 


Am Sonntagmorgen treffen wir uns dann wieder auf dem neuen Markt von Marly, wo eigens ein Stand für unsere Jumelage aufgebaut ist. Bratwurst-Häppchen, Bier und Stollen-Proben, wahrscheinlich typisch deutsche Spezialitäten aus französischer Sicht, lassen einen gewissen Kontrast zu den rings herum angebotenen Delikatessen erkennen.

Dieser Markt, der uns alle immer wieder ob seines unglaublichen Angebotes entzückt, ist ein schöner Abschluss unserer Reise. Man kann ins Schwärmen kommen bei dieser Auswahl an Fisch, Meeresfrüchten, Käse, Gemüse, Obst und sonstigen Dingen. Hier feiere ich endlich auch ein Wiedersehen mit meiner bisher vergeblich gesuchten Andouille. Es gibt hier halt einfach alles.

Und dann stehen sie wieder alle am Bus und verabschieden uns herzlich.

Diesmal haben wir viel Zeit eingeplant, um nicht ein zweites Erlebnis wie vor zehn Jahren zu haben, als wir den Thalys verpasst haben. Wir sind aber so voller Eindrücke, dass die Wartezeiten sowohl am Gare du Nord als auch im Thalys und in Köln leicht weggesteckt werden. Und obendrein bin ich auch froh, dass die deutschen Eisenbahner wieder nicht streiken.



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Hermann Brandl hat auch diesmal wieder einen spannenden Bericht über die Reise geschrieben. Unser herzlicher Dank geht an Hermann für den Bericht und an Heidi und Heidrun für die schönen Fotos.
Wir danken unserem Webmaster Hartmut Schmidt.

 

Redaktion: Sybille Schmidt
Layout und Webmaster: Hartmut Schmidt

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